Jahrgang 
1878
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Wer ſich mit der Hoffnung trägt, er könne durch Anſtalts-⸗Berichte in den Kreiſen, für welche ſie vielleicht zunächſt beſtimmt ſind, ſeine Anſichten zur Geltung bringen und dadurch der Sache, der er dienen möchte, nützen, der empfängt durch eine Mittheilung des Berichts der Breslauer Taubſt.⸗Anſtalt ein zwar nicht beſonders wohlthätiges, aber inſofern es Illuſionen zerſtört doch nützliches kaltes Bad. Es heißt daſelbſt S. 5:Unſern Berichten geben wir eine möglichſt weite Verbreitung; wir ſenden ſie allen Landrathsämtern, Superintendenturen und Archipresbyteraten, Magiſtraten und Stadtverordneten⸗Verſammlungen in der Pro⸗ vinz zu, machen aber leider die Erfahrung, daß von denſelben wenig Notiz genommen wird. Wir haben daher die Frage, ob es nicht deſſer wäre, die Koſten für Druck und Verſendung dieſer Berichte zu erſparen, in ernſtliche Erwägung gezogen. Hoffentlich iſt dieſe Erwägung doch zu Gunſten der Berichte ausgefallen, denn die Wahrhrit ſcheint uns die zu ſein: Der Menſchenfreund, dem das Wohl ſeiner Mitmenſchen am Herzen liegt, der wird gewiß auch den Anſtalten, welche ſich die Linderung menſchlicher Noth zur Aufgabe gemacht haben, ſeine Theilnahme ſchenken und ihre Berichte mit Intereſſe leſen, mit ſelbſtgenugſamer, mit parteiſüchtiger u. ſ. w., mit bewußter oder unbewußter, beſonders mit bewußter Gleichgültigkeit aber werden, wie die Götter mit der Dummheit, auch die beſt⸗ und wärmſtgeſchriebenen Anſtalts⸗ Berichte vergebens kämpfen; unter der Gleichgültigkeit Einzeler, wie viele ihrer auch ſind und welche Aemter ſie auch bekleiden, ſoll aber die Theilnahme Anderer nicht leiden. Alſo immer wacker auch in Berichten Samen ausgeſtreut, ſein Aufgehen und Früchtetragen läßt vielleicht warten, ſteht aber doch in guter Hand und jedenfalls hat der Säemann den Troſt: dixi et animam meam salvavi.(Organ.)

Der Schwachen Gebrechlichkeit tragen Das iſt viel mehr, iſt viel ſchwerer, als auf die Starken anregend einzuwirken. Die Starken zur eigenen Höhe emporzuziehen iſt etwas Bedeutendes; etwas Größeres iſt es für den Hoch⸗ geſtellten, zu den Schwachen herabzuſteigen. Dieſe Herablaſſung fordert hingebende, elbſtloſe Liebe, fordert Selbſtüberwindung und Selbſtverleugnung.

(Dr. Müller in der Ev. K. Z.)

Wenn du ein Diener wäreſt, würdeſt du dich nicht ſchämen, dich von einem guten Herrn müßig finden zu laſſen? Sei alſo dein eigener Herr, ſchäme dich, wenn du dich ſelber müßig findeſt, während du doch für dich, deine Familie, dein Vaterland ſo viel noch zu thun haſt. Greife dein Werkzeug an ohne Handſchuh und bedenke, daß die Katze mit Handſchuhen keine Mäuſe fängt. Wahr iſt, es gibt viel zu thun, und vielleicht biſt du ſchwach; aber greife nur an und halte aus und du wirſt den großen Erfolg ſchon ſehen, denn Tropfen höhlen Steine aus und durch Geduld und Emſigkeit frißt die Maus ein Ankertau durch und ſchwache Streiche fällen die große Eiche.(Franklin.)