4 Das Turnen wurde leider vom Beginn des Schuljahres an dadurch beeinträchtigt, daß die von uns benutzte Halle für militärische Zwecke geräumt werden mußte. Dank dem freundlichen Entgegenkommen der Direktion der Augustinerschule die die Mitbenutzung ihrer Turnhalle ge- stattete, war es jedoch möglich, den größeren Teil der Turnstunden, teilweise sogar die sämtlichen Stunden, wenn auch manchmal zu ungünstiger Tageszeit, abzuhalten. Als Ersatz für ausfallende Turnstunden wurden im Sommer Spielstunden angesetzt.
4. Schulfahrten zu besonderen Zwecken und Besichtigungen. Am 13. Oktober besuchten die Klassen I und II mit dem Unterzeichneten und Dr, Kemmerer am Yormittag die Kriegsausstellung in Frankfurt und besichtigten am Nachmittag Römer, Dom und Goethehaus. Am 29. März wohnten die beiden Klassen mit den Obengenannten einer Aufführung des„Wilhelm Tell’ in Frankfurt bei.
5. Schulfeiern. Revisionen. Eine öffentliche Schlußfeier konnte nicht abgehalten wer- den, weil uns kein geeigneter Saal zur Verfügung stand. Wir beschränkten uns auf eine kleine Feier im Versammlungssaal, an der die Klassen IV— I sowie die Eltern und Angehörigen der aus Klasse I abgehenden Schülerinnen teilnahmen; der Unterzeichnete entließ diese Schülerinnen mit einer Ansprache. Am Nachmittag vereinigten sich Eltern, Lehrerkollegium und Abiturientinnen im Kasino zu gemütlichem Beisammensein.
Bei der Vorfeier von Großherzogs Geburtstag am 24. November sprach Dr. Kem- merer über das Thema:„Worauf gründen unsere Feinde ihre Siegeshoffnungen?“, bei der von Kaisers Geburtstag am 256. Januar Frl. Arendt über„des Kaisers Arbeit und Leben im Frieden und im Krieg.“
Auch am 25. Jahrestag des Regierungsantrittes des Großherzogs mußte in Ermangelung eines größeren Saales von einer öffentlichen Feier abgesehen werden. Bei der am 13. März in un- serem Versammlungssaal im üblichen Rahmen abgehaltenen engeren Feier sprach Frl. Naumann über„Das Lebenswerk des Großherzogs.“
Aus Anlaß des Seesieges am Skagerrak und der Einnahme von Bukarest wurde der Unterricht am 6 Juni und am 7. Dezember ganz, bezw. nach der ersten Stunde ausgesetzt.
Am 30. November besuchte Herr Geh. Oberschulrat Block die Schule und wohnte dem Unterricht in einigen Klassen bei.
6. Schule und Krieg. Auch im abgelaufenen Schuljahr war die Schule bemüht, nicht nur durch fortlaufende Besprechungen im Unterricht die politischen und kriegerischen Ereignisse den Schülerinnen nahe zu bringen und besonders im deutschen Unterricht der oberen Klassen durch die Bearbeitung entsprechender Themen die Erlebnisse und Wirkungen zu vertiefen, sondern auch werktätig an der Fürsorge für unsere Krieger, die kämpfenden wie die getangenen und verwundeten, und an den hinter der Front für ein siegreiches Durchhalten getroffenen Maßnahmen mitazuarbeiten.
Sammlung und Umtausch von Goldmünzen wurde fortgesetzt. Vom 1. April 1916 ab wurden weitere 950 M. an die Reichsbank abgeliefert, sodaß der Gesamtbetrag sich nun auf rund 36000 M. beläuft..
Um den Verkauf von Goldsachen 2u erleichtern, erbot sich die Schule, von den Schü- lerinnen Goldsachen anzunehmen und sie ihrerseits zur Goldankaufsstelle bringen zu lassen. Die Schülerinnen wurden auch veranlaßt, nicht nur verwandte und bekannte, sondern auch andere Fa- milien mit einem von der Schule ausgestellten Ausweisschein aufzusuchen und für sie Goldsachen zu verkaufen. Auf diese Weise sind immerhin zahlreiche Gegenstände, die sonst nicht abgeliefert worden wären, der Ankaufsstelle zugeführt worden. Im ganzen erhielten 31 Schülerinnen die für den Verkauf von Goldsachen im Werte von über 5 M. gestiftete Plakette. Die Schule selbst war durch den Unterzeichneten im Ortsausschuß für den Ankauf von Goldsachen vertreten.
Für die Sammlung„Vaterlandsdank“ zugunsten der Nationalstiftung für die Hinter- bliebenen der im Krieg Gefallenen wurden von unseren Schülerinnen 279 Gegenstände aus Silber und anderem besserem Metall und ausserdem 113 Bruchstücke, eine Anzahl Münzen und 14,50 M. in bar beigesteuert und an die Geschäftsstelle in Darmstadt abgeliefert. Weiter wurden Blech- büchsen, Hülsen, Staniol, Gummi usw. das ganze Jahr gesammelt und abgeliefert.


