Jahrgang 
1917
Einzelbild herunterladen

Zur Geschichte der Anstalt.

1. Personalangelegenheiten. Oberlehrer Dr. Riedel steht noch im Felde; nachdem er von seiner Erkrankung wiederhergestellt und im Garnisondienst tätig gewesen war, ging er im Herbst an die Front, bezw. in das Etappengebiet im Westen. Der Lehrkörper blieb in seiner aus dem Vorjahr übernommenen Zusammensetzung erhalten, sodaß der Unterricht ungestört durch- geführt werden konnte Es konnten sogar dadurch, daß Frl. Paula Huth, die Weihnachten 1915 gesundheitshalber ausgeschieden war. wieder eine halbe Stelle übernabhm, von Beginn des Schul- jahres ab die grossen Klassen VII, IV, III wenigstens im Französischen und Englischen in 2 Ab- teilungen unterrichtet werden.

Ende Februar erhielten wir die traurige Mitteilung, daß unser früherer Kollege, Referendar Dr. Chr. Müller, der infolge von Krankheit im Januar 1916 aus dem Lehrkörper ausgeschieden und nach seiner Wiederherstellung zunächst in Mainz, dann an der Realschule in Groß-Gerau tätig gewesen war, nach kurzer Krankheit verschieden sei(17. Febr.). Bei der in seiner Heimatstadt Nainz erfolgten Beisetzung legte Assessor Dr. Kemmerer in Vertretung unseres Lehrerkollegiums und der Schule einen Kranz nieder und widmete dem strebsamen, vielversprechenden Lehrer und aufrichtigen, liebenswürdigen Menschen und Kollegen einige Worte treuen Gedenkens.

2. Der Unterricht. Zum Zwecke der Kohlenersparnis wurden durch Verfügung der obersten Schulbehörde die Weihnachtsferien bis zum 15. Januar verlängert. Da im weiteren Verlauf des Winters auch in Friedberg größte Kohlenknappheit auftrat, war unsere Schule, die laufend mit Koks durch das Gaswerk versorgt wird, zweimal nahe daran, schließen zu müssen, doch half beidemal die Augustinerschule mit ihren Vorräten aus, wofür der Direktion bestens gedankt sei. Schließlich waren wir doch genötigt, das Schuljahr schon am 29. März zu schließen.

3. Gesundheitliches. Der Gesundheitszustand der Schülerinnen wurde im Winterhalb- jahr durch die rauhe und wechselnde Witterung sehr ungünstig beeinflußst, doch kamen schwerere Erkrankungen nicht vor. Auch das Lehrerkollegium wurde vielfach durch Erkältnngen heim- gesucht, aber trotzdem waren nur in zwei Fällen kürzere Vertretungen nõtig. Dagegen inußte der Unterzeichnete vom 21. Oktober bis 2. Dezember infolge von Krankheit der Schule fern- bleiben; er wurde durch das Lehrerkollegium vertreten.

Im Sommer brauchte infolge der vorherrschenden naßkalten Witterung der Unterricht wegen großer Hitze an keinem Tage ausgesetzt zu werden.

Am 8. Septemer unternahmen die Klassen l und Il mit dem Unterzeichneten und Dr. Kemmerer eine Wanderung in den Taunus, die über die Kapersburg und Lochmühle, wo abgekocht wurde, auf die Saalburg und von da nach Friedrichsdorf zur Heimfahrt führte. Auch an einigen Sonntagen wurden von den beiden Klassen getrennt unter Führung der Obengenannten einige Wanderungen in die Taunuswälder mit Abkochen ausgeführt.

Kürzere monatliche Spaziergänge während der Schulzeit wurden 7 unternommen, zweimal(Oktober und November) in Verbindung mit dem Sammeln von Bucheckern.

Der kalte Winter gab während einiger Wochen Gelegenheit zu Schlittschuhlaufen und Rodeln, von der ausgiebig Gebrauch gemacht wurde. Einigemal wurden auch die Turn- stunden dazu freigegeben. Zweimal wurde von der I. Klasse unter Führung von Frl. Feller die Rodelbahn am Winterstein aufgesucht.