Jahrgang 
1910
Einzelbild herunterladen

(4

Im Schulhof wurde ferner im Sommer eine YVorrichtung zum Wassertrinken für die Schülerinnen angebracht; an den Auslauf kann ein neu beschaffter Schlauch zum Begießen des Hofes angeschlossen werden.

Kuratorium und Stadtwer waltung sei für die Ausführung der baulichen Veränderungen und die Neubeschaffungen geziemender Dank gesagt!

Mit Beginn des Schuljahres wurde der Purnunterricht aus der Turnhalle der Augustiner- schule in die Halle des Turnvereins verlegt, nachdem eine gründliche Renovierung dieser beschlossen worden war, die auch größtenteils während der Juliferien ausgeführt wurde. Wenn auch durch die Verlegung in Bezug auf die Länge des von den Turnklassen von der Schule aus zurückzulegenden Weges nichts geändert wurde, so besteht doch ein Hauptvorteil darin, daß nunmehr die Turnstunden derjenigen Klassen, die 30 Unterrichtsstunden in der Woche haben, sämtlich in den Vormittag gelegt werden können und auch im Winter jede Klasse 2 Turnstunden hat, während früher nur 2 und zuletzt nur 1 Turnstunde am Vormittag und im Winter im ganzen nur 5 Stunden wöchentlich

abgehalten werden konnten.

Infolge der Gewinnung neuer Räume wurde es nun auch möglich, den Schülerinnen in größerem Umfang Gelegenheit zu geben, in der Pause ein warmes Milchfrühstück zu genießen. Es meldeten sich dazu erfreulicherweise 115 Schülerinnen, und es wurden bald nach Beginn des Winterhalbjahres 2 Zimmer im unteren Stock datür eingerichtet Die Organisation wurde in der Weise getroffen, daß die eine Hälfte der Schälerinnen in der ersten Pause, die andere in der zweiten trinkt. In den beiden Zimmern sind 4 gedeckte Tische aufgestellt; jede Schülerin hat ihren bestimmten Platz an dem sie in der betr. Pause ihr mit einer bestimmten Nummer versehenes Glas mit warmer Milch vorfindet. Die Milch- beste Vollmilch wird jeden Morgen frisch gelietert und von der Schuldienerin abgekocht. Das Glas Milch(¼ l) wird mit 4 ½ Pf. berechnet, wozu noch 1 ½ Pf. für die Bedienung kommen. Ein kleinerer Teil der Schülerinnen bringt die Milch von Hause mit; ihre Gläser tragen schwarze Nummern, während die der anderen rote haben. Nach dem Gebrauch werden die Gläser sofort gereinigt und in den Zimmern aufpbewahrt. Zum Abkochen und Eingießen der Milch wurden besondere Gefäße beschafft, die nur diesem Zwecke dienen. Ein besonderes Statut regelt den ganzen Betrieb, von zwei Schülerinnen jeder Klasse werden für die Zwecke der Kontrolle und der Zahlungen besondere Trinklisten geführt. Es sind somit in Bezug auf gesundheitliche Anforderungen und Durchführung eines geordneten Betriebes alle Vorkehrungen getroffen, und wir dürfen hoffen, daß die Einrichtung sich in Ansehung der körperlichen Kräftigung segensreich erweisen werde.

Vor den Weihnachtsferien wurde sämtlichen Schülerinnen ein von den vereinigten deutschen Prüfungsausschüssen zusammengestelltesVerzeichnis empfehlenswerter Jugendschriften übergeben, um damit den Eltern, die etwa ihre Kinder mit einem Buch beschenken wollten, eine Erleichterung bei der Auswahl guter jugendschriften zu bieten. Wenn auch an Verzeichnissen und Katalogen zur Jugendlektüre im Buchhandel kein Mangel ist, so ist es doch für den der jJugendliteratur Fern- stehenden oft schwierig, danach eine richtige Wahl zu treffen, d. h. das Wertvolle und Gute von dem Minderwertigen und demSchund zu untérscheiden. Gerade die häusliche Lektüre ist ein Gebiet, auf dem das Elternhaus mit der Schule, wenn anders es diese in der Erreichung ihrer Ziele unterstützen will, Hand in Hand gehen muß. Das kann dadurch geschehen, daß den Kindern zu Hause nur gute, nach Inhalt und Form einwandfreie Bücher in die Hand gegeben werden. Eine Reihe von Verlegern und Vereinigungen hat schon vor längerer Zeit damit begonnen, solche Bücher zu mäßigem Preis herauszugeben, teils bewährte ältere Werke der Literatur, teils neue, aber immer, unter Ablehnung einer aufdringlichen moralischen Tendenz, von dem Gesichtspunkt ausgehend, daß ein die Phantasie anregender, aber sie nicht überreizender Stoff in schöner und edler Form sich ausprägt und so dem Ganzen eine Geist und Gemüt fördernde und den Sinn für das Schöne bildende Wirkung verliehen wird. Wir möchten hoffen, daß recht viele solcher Bücher, wie sie in dem ge- nanntenVerzeichnis zu finden sind, auch im Elternhaus den Mädchen in die Hand gegeben werden.

Am 1. Januar ds. J. verschied plötzlich infolge eines Unfalles Herr Gymnasialdirektor Dr. Balser, der dem Kuratorium der Schule vom Jahre 1906 ab bis zu seinem Tode angehörte. Die Bestattung fand während der Ferien in Darmstadt statt.