Jahrgang 
1910
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A. Zur Geschichte der Anstalt.

1. Allgemeines. Zu Beginn des Schuljahres wurden 29 Schülerinnen, davon 24 in Sexta (gegen 17 im Vorjahr) neu aufgenommen. Der Bestand am Anfang wies 195 Schülerinnen auf, ein Mehr von 2 gegenüber dem Bestand am Schlusse des Vorjahres. Im Laufe des Schuljahres traten 4 Schülerinnen ein, so daß eine Gesamtzahl von 190 erreicht wurde, die gleiche Zahl wie im Vor- jahr. Da 7 Schülerinnen im Laufe des Schuljahres ausschieden, ist der Bestand am Schlusse 192 (gegen 193 im Vorjahr).(Näheres in der tabellarischen Uebersicht S. 14.)

Das Schuljahr wurde am 15. April mit einer kurzén Feier eröffnet.

Die Obersekunda und Untersekunda wurden von Beginn des Schuljahres ab auch in der Geographie getrennt, sodaß beide Klassen nur noch in Religion, Zeichnen und Handarbeit vereinigt sind.

Die Hoffnung, daß der durch Umbau des Nebengebäudes zu erstellende Versammlungs- saal zu Beginn des Schuljahres in Benutzung genommen werden könnte, ging leider nicht in Er- füllung, da umfangreichere und einschneidendere Arbeiten, als ursprünglich angenommen worden war, notwendig wurden. Die Fertigstellung zog sich bis Pfingsten hin. Der einfach gehaltene, aber freundlich und ansprechend wirkende Saal, der in süd-nördlicher Richtung liegt und genügende Höhe und Helligkeit besitzt, hat eine Grundfläche von rund 104 qm. Er dient außer als Versammlungs- saal für die engeren Schulfeiern als Unterrichtssaal für Gesang, Zeichnen und Physik; ein unmittelbar anstoßendes und durch eine Tür verbundenes Zimmer ist als physikalisches Kabinet eingerichtet. Für den Unterricht wurde der Saal mit neuen eisernen Schulbänken und Katheder ausgestattet; für die Schulfeiern und den Gesangsunterricht wurden außerdem noch im Laufe des Schuljahres leichtere, lehnenlose Holzbänke beschafft, sodaßs für sämtliche Schülerinnen Sitzplätze vorhanden sind. Der Saal ist für Gasbeleuchtung eingerichtet.

Teils in den Oster-, teils in den Herbstferien wurden ferner bauliche Veränderungen im Hauptgebäude ausgeführt, durch die ein Klassenzimmer vergrößert und mehrere Räume für die Schule neu gewonnen wurden. Die Wohnung der Schuldienerin wurde in das dritte Stockwerk verlegt, sodaß im unteren Stock 2 Zimmer für Schulzwecke frei wurden. Das frühere Physikzimmer konnte infolge der Verlegung des Physikunterrichts in den Versammlungssaal als Karten- und Sammlungszimmer eingerichtet werden. Weiter stehen im dritten Stockwerk der Schule noch 2 Zimmer zur Verfügung, von denen das größere als Aufenthaltsraum für erkältete Schülerinnen während der Pausen dient, während das andere als weiteres Sammlungszimmer eingerichtet werden soll. Im ganzen sind 5 Zimmer und der Saal neu gewonnen worden, sodaß jetzt von der Schule außer dem Saal im ganzen 17 Zimmer benutzt werden..

Abgesehen von der Gewinnung neuer Räume haben die Veränderungen aber auch den Vorteil gehabt, daßs sie infolge der nunmehr möglich gewordenen besseren Verteilung der Garderobe- vorrichtungen und der zweckdienlicheren Unterbringung der Lehrmittel eine Entlastung der engen Gänge herbeiführten. Es leuchtet nach diesen Darlegungen von selbst ein, daß die Ausführung eines öffentlich gemachten Vorschlages, die Schillerschule im Falle eines Neubaues für die Muster- schule in deren im ganzen 10 Räume zählenden Hauptbau zu verlegen, unsere Schule weit ungünstiger stellen würde, und der Vorschlag schon allein deshalb von den vielen anderen Gegengründen abgesehen in keiner Weise in Betracht kommen kann.