H. Zur Geschichte cder Unstalt.
1. Allgemeines. Zu Beginn des Schuljahres wurden 23 Schülerinnen, davon 17 in Sexta (gegen 45 im Vorjahr) neu aufgenommen. Der Bestand am Anfang war 196 Schülerinnen, ein Mehr von 4 gegenüber dem Bestand am Schlusse des Vorjahres. Im Laufe des Schuljahres traten 3 Schülerinnen ein, sodass eine Gesamtzahl von 199(im Vorjahr 200) erreicht wurde. Da 6 Schü- lerinnen ausschieden, so schliesst das Schuljahr 1908 mit einem Bestand von 193(gegen 192 im Vorjahr).(Näheres in der tabellarischen Uebersicht S. 13.)
Das Schuljahr wurde am 27. April mit einer kurzen Feier eröffnet, bei welcher der neue Leiter der Schule sich einführte.
Durch Schaffung einer neuen Lehrerstelle war es möglich, die Obertertia und Untertertia, die seither zum Teil kombiniert waren, vom Beginne des Schuljahres an vollständig zu trennen. Im Herbst wurde auch die Trennung der Obersekunda und Untersekunda, die bis dahin fast ganz kombiniert waren, bis auf Religion, Geographie, Zeichnen und Handarbeit durchgeführt. Ausserdem wurde die wöchentliche Zahl der Unterrichtsstunden im Deutschen in Sexta um 2, der Quinta und Quarta um 1, sowie im Französischen in Untertertia um 1 vermehrt, zum Teil bereits zu Ostern, zum Teil von Herbst ab. Damit ist auch in der Stundenzahl der Lehrplan der Schiller- schule dem der Höheren Mädchenschulen angeglichen.
Im Herbst wurden als neue Unterrichtsgegenstände in Obertertia„Hauswirtschaft- liches Rechnen“ und in Untersekunda„Haushaltungskunde“ mit je 1 Stunde wöchentlich in den Lehr- plan aufgenommen.
Im Winterhalbjahr wurde als unverbindliches Lehrfach für Ober- und Untersekunda ein stenographischer Unterrichtskursus nach Gabelsberger eingerichtet; den wöchentlich zweistündigen Unterricht, an dem 19 Schülerinnen teilnahmen, erteilte der Unterzeichnete.
Für die Mitbenutzung der Turnhalle der Augustinerschule sind wir in diesem Jahre Grossh. Direktion zu ganz besonderem Dank verpflichtet, da die Turnhalle für 5 wöchentliche Turn- stunden der Schillerschule nur unter Schwierigkeiten freigehalten werden konnte. Die zweite Turn- stunde wurde wie im Vorjahre während des Sommerhalbjahres auf dem Spielplatz der Seewiese abgehalten; bei ungünstigem Wetter wurde sie in die Turnhalle des Turnvereins verlegt, deren Benutzung durch den Vorstand dankenswerter Weise gestattet wurde.
Infolge des Anwachsens der Schülerinnenzahl machte sich der Mangel eines grösseren Versammlungssaales besonders für die Zwecke der engeren Schulfeiern und des Gesangunter- richts(Chor) immer fühlbarer. Die Stadtverwaltung hat nun beschlossen, das einstöckige Neben- gebäude am Schulhof in einen Saal umzuwandeln, der vollständig für die genannten Zwecke aus- reichen und bereits zu Beginn des nächsten Schuljahres fertiggestellt sein wird. Für die Aus- gestaltung zu einer Turnhalle genügte leider der zur Verfügung stehende Raum nicht ganz. Auch im Hauptgebäude sind bauliche Veränderungen begonnen worden, durch welche der Physiksaal erweitert wird und die Schule 4 weitere Räume teils im Erdgeschoss teils im 2. Stockwerk erhält. Es sei der Stadtverwaltung für die bereitwillig zur Verfügung gestellten Mittel der geziemende Dank der Schule ausgesprochen.
2. Personalangelegenheiten. Am Schlusse des vorigen Schuljahres wurde der bisherige Leiter der Schule, Herr Rektor Heinrich Balser, der ihr seit ihrer Begründung im Jahre 1905 vorgestanden und sich um ihre Organisation verdient gemacht hat, durch Allerhöchstes Dekret als Rektor der Höheren Mädchenschule nach Alzey versetzt. An seiner Stelle wurde durch Aller- höchstes Dekret vom 1. April 1908 der Unterzeichnete, bisher Rektor der Höheren Mädchenschule zu Alzey, zum Oberlehrer an der Schillerschule und durch Verfügung Grossh. Ministeriums des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten, vom 7. April zum Leiter der Schule, beides mit Wir- kung vom 16. April 1908 ab, ernannt.
Durch Verfügung Hohen Ministeriums vom 9. April 1908 wurde Herrn Lehramtsreferendar Georg Laufersweiler, Mitglied des pädagogischen Seminars an der Realschule zu Oppenheim, die Verwaltung einer akademischen Lehrerstelle an der Schillerschule übertragen.
Vom 25. Juni bis 23. August war Frl. Hedwig Arendt zum Zwecke einer Studienreise nach Frankreich beurlaubt und wurde während 4 Wochen vom Lehrerkollegium vertreten.


