Jahrgang 
1897
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5. Dem Dirigenten an der höheren Bürgerſchule zu Guntersblum, Dr. Karl Frenzel, wurde durch miniſterielle Verfügung vom 4. Juni eine Lehrerſtelle an unſerer Anſtalt provi⸗ ſoriſch und durch Allerhöchſtes Dekret vom 8. Juli definitiv übertragen.

Dr. phil. Karl Frenzel, geb. den 8. April 1859 zu Rudolſtadt in Thüringen, ſtudierte Naturwiſſenſchaften, Mathematik und Geographie an der Univerſität Leipzig. Nach beſtandener Prüfung pro fac. doc. genügte er als Einjährig⸗Freiwilliger vom 1. Oktober 1881 bis 1882 ſeiner Militärpflicht in Weimar und fand dann am Gymnaſium und Realgymnaſium zu Aſchersleben als Probelehrer bis Oſtern 1884 Verwendung. Nachdem er ein Jahr lang als Lehrer am Andreas⸗

Inſtitut zu Weimar thätig geweſen, übernahm er die Stelle eines Dirigenten der Höheren Bürger⸗ ſchule zu Guntersblum.

6. Am 23. Juni iſt den Großh. Schullehrer⸗Seminarien die Berechtigung verliehen worden, den Zöglingen der oberſten Klaſſe, welche die Entlaſſungsprüfung unter Vorſitz eines ſtaatlichen Kommiſſars beſtanden haben, das wiſſenſchaftliche Befähigungszeugnis für den ein⸗ jährig⸗freiwilligen Militärdienſt auszuſtellen.

7. Am 10. Juni wohnten Schüler und Lehrer der Anſtalt einer Aufführung des Tell im Opernhaus in Frankfurt a. M. bei. Ein größerer gemeinſamer Ausflug wurde am 29. Auguſt nach dem Rhein unternommen und bis St. Goarshauſen ausgedehnt.

8. Auch in dieſem Jahre fanden in der Turnhalle einige Abendunterhaltungen ſtatt, an denen ſich außer den Familien der Seminarlehrer einige Freunde der Anſtalt beteiligten. Muſikvorträge, Deklamationen, Aufführung kleiner Theaterſtücke und Demonſtrationen mit dem Skioptikon boten reichen Stoff für Unterhaltung und Belehrung, ſo daß unſere Zöglinge die Veranſtaltung eines Seminarabends, durch die ihnen Gelegenheit zu einer edlen Geſelligkeit geboten war, immer mit Freuden begrüßten.

9. Am 7. September beehrten die Herren Geh. Staatsrat Knorr v. Roſenroth, Excellenz, und Oberſchulrat Dr. Eiſenhuth die Anſtalt mit ihrem Beſuch und wohnten mehreren Unter⸗ richtsſtunden bei.

10. Auf ſein Nachſuchen und unter Anerkennung ſeiner langjährigen treu geleiſteten Dienſte wurde der Großh. Seminarlehrer W. Schwarz mit Wirkung vom 16. Oktober an durch Allerhöchſtes Dekret vom 16. September in den Ruheſtand verſetzt und ihm bei dieſem Anlaß das Ritterkreuz II. Klaſſe des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen Allergnädigſt verliehen. Herzlicher Dank für ein treues, langjähriges Wirken und die beſten Wünſche für ſein ferneres Wohlergehen begleiteten den ſcheidenden Kollegen. Zu ſeinem Nachfolger wurde der Lehrer an dem Realgymnaſium und der Realſchule zu Mainz, Georg Eck, ernannt.

Georg Eck wurde am 9. Januar 1865 zu Groß⸗Zimmern im Kreiſe Dieburg geboren. Er beſuchte von 18811884 des Schullehrerſeminar zu Bensheim und wurde durch miniſterielle Ver⸗ fügung vom 19. April 1884 mit der proviſoriſchen Verwaltung einer Lehrerſtelle an der Vorſchule des Ludwig⸗Georg⸗Gymnaſiums zu Darmſtadt betraut. Zu Oſtern 1886 beſtand er die Schlußprüfung, im Februar des Jahres 1891 die im Artikel 33 des Volksſchulgeſetzes vorgeſeheneerweiterte Prüfung. Seit 7. April 1891 verwaltete er eine Lehrerſtelle an dem Realgymnaſium und der Realſchule zu Mainz. Durch Allerhöchſte Entſchließung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs vom 24. Juni 1893 wurde er zum Lehrer an dieſen Anſtalten ernannt.

11. Seine Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigſt geruht, am 26. September bezw. 3. Februar die proviſoriſchen Seminarlehrer Ernſt Henſing und Karl Jäger zu Seminar⸗ lehrern zu ernennen und am 2. Dezember dem Großh. Seminarlehrer Friedrich Gatzert die Rechte eines Civilſtaatsdieners zu verleihen.

12. Herr Oberſchulrat Dr. Eiſenhuth inſpizierte am 4. Dezember die Anſtalt.

13. Ihre Königl. Hoheit die Großherzogin haben am 11. März Allergnädigſt geruht, der ſeit 26 Jahren im Seminardienſt thätigen Frau Marie Eimer das goldene Kreuzfür langjährige treue Dienſte in einer und derſelben Familie zu verleihen.

14. Nach einer am 1. Februar getroffenen Beſtimmung Großh. Miniſterums des Innern iſt die Verwaltung und Beaufſichtigung der Großh. Präparandenanſtalt zu Lich der Direktion des Schullehrer⸗Seminars zu Friedberg übertragen worden.

f115. Die Geburtsfeſte Ihrer Königl. Hoheiten des Großherzogs, der Großherzogin und Seiner Majeſtät des Kaiſers wurden in herkömmlicher Weiſe gefeiert. Bei dem zur Feier des hundertjährigen Geburtstags Sr. Majeſtät Kaiſer Wilhelms I. veranſtalteten Schulaktus hielt der Unterzeichnete die Feſtrede.