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5. Von größeren Ausflügen verdienen Erwähnung: eine Turnfahrt über Kaichen nach der Naumburg; eine zweite über Gießen nach der Burg Gleiberg, dann über Rod⸗ heim das Biberthal hinauf nach den Burgruinen Königsberg und Hohen⸗Solms und zurück durch das Blasbacher Thal über Blasbach, Hermannſtein und Wetzlar; ein Ausflug über die Kaiſergrube nach der Saalburg und zurück durch das Köpperner Thal und Ober⸗Rosbach. Eine geplante Tour durch den Vogelsberg nach Lauterbach und Alsfeld, für die bereits alle Vorkehrungen getroffen waren, mußte aus mancherlei Urſachen, insbeſondere auch wegen unbeſtändiger Witterung verſchoben werden.
6. Am 13. Juli 1882 beehrte Seminardirector Dr. Carl Kehr aus Halberſtadt unſere Anſtalt mit ſeinem Beſuche. Er nahm Einſicht von unſeren Anſtaltsräumen und Ein⸗ richtungen und verlebte mit den Seminarlehrer⸗Familien, denen ſich noch viele hieſige Lehrer und andere Freunde des Seminars angeſchloſſen hatten, einige vergnügte Stunden, die für alle Theilnehmer eine Quelle erhebenden Genuſſes und heiterer Gemüthlichkeit wurden und uns den Verfaſſer der„Praxis der Volksſchule“, der uns längſt als ein ausgezeichneter Schulmann und pädagogiſcher Schriftſteller bekannt war, auch als einen äußerſt liebens⸗ würdigen, gemüthlichen Geſellſchafter erkennen ließen.
7. Der Geburtstag Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs wurde feſtlich begangen; auch der Sedanstag iſt in üblicher Weiſe gefeiert worden.
8. Hilfslehrer Habermann wurde im Herbſte auf 6 Wochen zu militäriſchen Uebungen eingezogen. Während ſeiner Abweſenheit haben folgende Seminariſten die Unter⸗ richtsſtunden im Klavier⸗ und Violinſpiel mit recht befriedigendem Erfolg ertheilt: Diehl, Eller, Fuhr, Geller, Obenhack aus der Ober⸗Klaſſe, Buff, Frank, Henkel, Müller, Römer, L. Schmidt aus der Mittel⸗Klaſſe, Faulſtroh und Hermann Roth aus der Unter⸗Klaſſe.
9. Im Winterſemeſter ſind 2 Abendunterhaltungen mit den Seminariſten veranſtaltet worden, eine am 2. November, dem Stiftungstag der Anſtalt; die andere am 9. December; die dritte ſollte am Faſtnachts⸗Abend ſtattfinden und, wie gewöhnlich, vorzugsweiſe in komiſchen Darſtellungen beſtehen. Wegen eines kurz vorher in der Familie des Directors vorgekommenen Trauerfalles fiel ſie für diesmal aus, und es wurde anſtatt ihrer am Nach⸗ mittag ein gemeinſchaftlicher Spaziergang nach dem Teichhauſe in Bad⸗Nauheim gemacht.
10. Auch haben im Laufe des Winters mehrere Conferenzen mit den Abiturienten in größeren oder kleineren Gruppen unter der Leitung des Directors ſtattgefunden, in welchen verſchiedene pädagogiſche Themata zur Beſprechung gelangten.
11. Der Geſundheitszuſtand war bei den Lehrern gut; bei den Seminariſten im ganzen auch, doch kamen einige ſchwere Erkrankungen vor, und mehrere Zöglinge mußten auf längere Zeit in ihre Heimat entlaſſen werden.
12. Gemäß Verfügung Großherzoglichen Miniſteriums des Innern und der Juſtiz, Abtheilung für Schulangelegenheiten, vom 2. Februar 1883 tritt die hieſige Blinden⸗Anſtalt nunmehr in ein ähnliches Verhältnis zu unſerem Seminar, wie die hieſige Taubſt.⸗Anſtalt, indem der Großherzogliche Director derſelben gegen Ende eines jeden Schuljahrs unſere Abiturienten durch geeignete Vorträge, an welche ſich Beſuche in der Blinden⸗Anſtalt an⸗ ſchließen, mit dem Weſen der Blindheit und den Eigenthümlichkeiten des Blindenunterrichts bekannt macht und ihnen Anleitung gibt, wie ſie ſich, wenn ihnen in ihrer ſpäteren amtlichen Wirkſamkeit Veranlaſſung gegeben wird, mit blinden Kinderu zu verkehren, zu verhalten haben.


