6. Unter ſämmtlichen 120 Zöglingen ſind 116 evangeliſche, 4 katholiſche. Darunter:
a. Söhne von Landwirthen 63, von Lehrern 22, von Handel⸗ und Gewerbtreibenden 20, von Beamten 11, von ſonſtigen Berufsklaſſen 4;
b. aus Städten über 10,000 Einw. 4, aus Städten zwiſchen 10,000 und 2000 Einw. 20, aus Orten unter 2000 Einw. 96;
c. vorbereitet in der Präparandenanſtalt zu Lich 67, von Lehrern 16, von Geiſt⸗ lichen 1, in Gymnaſien 5, in Realſchulen 28, in ſonſtigen Bildungsanſtalten 3;
d. aus der Provinz Oberheſſen 102, Starkenburg 14, Rheinheſſen 4;
e. zur Zeit der Aufnahme im ſechszehnten Lebensjahr 5, im ſiebenzehnten 23, im acht⸗ zehnten 33, im neunzehnten 34, im zwanzigſten 17, im einundzwanzigſten und älter 8.
D. Unterricht. 1. Pädagogik.
Lehrbücher: Schumann's Leitfaden der Pädagogik und Kehr's Praxis der Volksſchule. α. Theorie.
Unter⸗Klaſſe. 2 Stunden wöchentlich. Einführung in den Gegenſtand durch elementare Entwickelung der Vorbegriffe. Die Erziehung der Griechen, Römer und Israeliten; die chriſtliche Erziehung und die chriſtlichen Erziehungsanſtalten vor der Reformation; Einiges über die Beſtrebungen der Humaniſten; die pädagogiſche Bedeutung der Reformation und der Reformatoren, namentlich Luther’'s und Melanchthon's; die Schulen und Schulmänner im 16. Jahrhundert. Aus der neueren Zeit: Ratke, Comenius, Francke, Rouſſeau, Baſedow, Campe, Salzmann, v. Rochow, Peſtalozzi; Lectüre einzelner Stellen aus den Schriften der hervorragendſten Pädagogen.
Mittel⸗Klaſſe. 2 St. Die phyſiſche Erziehung im Anſchluß an die Leibeslehre; die Seele und ihr Verhältnis zum Leibe; die Empfindungen und Bewegungen; die vorſtellende fühlende und wollende Seele; Entwickelung des Kindes nach Leib und Seele; Zweck, Auf⸗ gabe und Mittel der Erziehung; Zweck des Unterrichts, pſychologiſche und logiſche Grund⸗ lagen desſelben; Auswahl, Anordnung und Vertheilung des Unterrichtsſtoffes; Unterrichts⸗ formen und Unterrichtsthätigkeiten; der Lehrer.
Ober⸗Klaſſe. 2 St. Erziehung durch Unterricht; der Lehrer als Erzieher; der Zögling; Erziehung und Schulzucht; Verhältnis der Schule zu den übrigen Erziehungsanſtalten. Ein⸗ richtung und Ausſtattung der Schule; Führung des Schulamts; erweiterter Amtskreis und Fortbildung des Lehrers; das Schulgeſetz mit Rückblicken auf die geſchichtliche Entwickelung des deutſchen und ſpeciell heſſiſchen Volks⸗Schulweſens; die Verordnungen über Eintheilung und Lehrplan der Volksſchulen. Anleitung zu ſelbſtändiger Behandlung pädagogiſcher Fragen in Form von Referaten, Vorträgen, Beſprechungen und Repetitionen.
9. Praxis.
u.⸗Kl. Anleitung zur richtigen Fragebildung; Zerlegung eines Schriftſtücks in Fragen; Repetitionsfragen über durchgearbeitete Unterrichtsſtoffe; Uebungen im Erzählen und Ab⸗ fragen des Erzählten.
M.⸗Kl. 5 St. Betheiligung der Seminariſten am Unterrichte in der unterſten Klaſſe der Muſterſchule und Verſuche im erſten Anſchauungs⸗, Schreib⸗, Leſe⸗ und Rechen⸗ unterrichte. Beſprechung der gemachten Erfahrungen auf Grund der bereits bekannten pſychologiſchen und didaktiſchen Geſetze.
O.⸗Kl. 18 St. Unterrichtsübungen in der Muſterſchule in 4 Abtheilungen unter Anleitung der betreffenden Fachlehrer im Anſchluß an die ſpecielle Methodik der einzelnen Unterrichtsfächer.


