Gegend mit ihren Oertlichkeiten; nach einander wurden beſucht das Schoönberger Thal nebſt Schloß, das Fürſtenlager und die Auerbacher Schloßruine; dann weiterwandernd blieb man auf den waldigen Höhen, die in den heißen Mittagsſtunden einen erquickenden Schatten boten, bis auf den Melibokus, deſſen Thurm alsbald beſtiegen wurde. So ſchön auch die fruchtbaren Gefilde zu den Füßen lagen, war der Ausblick nicht ſo lohnend, als man erwartet hatte, da ein dicker Höhenrauch die Ferne mit Dunkel umſchleierte. Unter Scherz und Geſang pilgerte die Geſellſchaft nun auf den Höhen weiter nach Jugenheim, jede Naturſchönheit be— obachtend und werthſchätzend. Nach Einnahme einiger Erfriſchungen wurde dann die Eiſen⸗ bahn auf der Station Bickenbach erreicht, die Rückreiſe angetreten und die Heimat des Abends glücklich wieder gefunden. Alle Theilnehmer der Reiſe ſchauen befriedigt zurück; neben dem vielen Belehrenden und Erfreuenden hatte dieſelbe nur geringe Ausgaben verurſacht, da die Bahnverwaltungen einen dankenswerthen Rabatt geſtattet hatten.
4. Am 29. Auguſt beehrten die Herren: Se. Excellenz der Miniſterpräſident Hofmann, der Miniſterialdirector Freiherr von Starck und die Miniſterialräthe Knorr, Reuling und Fink das Schullehrerer⸗Seminar mit ihrem Beſuch und nahmen Kenntniß von den ver⸗ ſchiedenen Räumlichkeiten, Einrichtungen und Bedürfniſſen der Anſtalt.
5. Der 2. September wurde in derſelben Weiſe gefeiert, wie im vorigen Jahre.
6. In den Tagen vom 10. bis 13. September herrſchte in der ſonſt ſo ſtillen friedlichen Burg Friedberg ein reges Leben und Treiben. Seine Majeſtät der Deutſche Kaiſer weilte als Gaſt Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs in unſerer Nähe. Der herrliche Feſtſchmuck, welchen die ſtattlichen Gebäude des Seminars während dieſer Zeit angelegt, gab Zeugniß von der freudig erregten patriotiſchen Stimmung der Seminarbewohner.
7. Am 2. November wurde der ſeitherige Hilfslehrer am Schullehrer⸗Seminar Heinrich Süß unter Belaſſung in der Categorie der Volksſchullehrer zum ordentlichen Seminar— lehrer ernannt.
8. Schon im Winterſemeſter 1873/74 iſt von dem Director der Verſuch gemacht worden, die Abitnrienten abwechſelnd in abendlichen Conferenzen um ſich zu verſammeln, um ihnen Anleitung zu geben zur möglichſt ſelbſtändigen Behandlung von intereſſanten Materien aus dem Gebiete der Pädagogik, Pſychologie, Logik, Methodik, Schulkunde ꝛc., theils in Form von ſchriftlichen und muͤndlichen Referaten, Vorträgen, Diskuſſionen, theils durch Aufſtellung von Theſen, die als Grundlagen eingehender Beſprechungen dienten. Der erfreuliche Erfolg ermuthigte zur Fortſetzung ſolcher Uebungen, und ſo hielten wir im Laufe dieſes Winters etwa 30 Conferenzen mit den 8 aus den diesjährigen 49 Abiturienten gebildeten Conferenz⸗ gruppen, ſo daß jeder Einzelne wenigſtens einmal entweder als Referent, oder als Protokoll⸗ führer zu fungiren hatte. Es gereicht uns zur großen Freude, hier die Bemerkung nieder⸗ legen zu dürfen, daß ſich unſere Zöglinge mit regem Eifer und unverkennbarem Intereſſe an den Conferenzverhandlungen betheiligten und daß dieſe Stunden allem Anſchein nach nicht nur freundliche Erinnerungen zurücklaſſen, ſondern auch für die weitere Fortbildung der jungen Lehrer gute Früchte bringen werden.
9. Größere Abendunterhaltungen, in welchen Klavierſpiel, Chorgeſang, Violinſpiel, Sologeſang mit deklamatoriſchen Vorträgen und humoriſtiſchen Darſtellungen abwechſelten, wurden in dieſem Winterſemeſter 4 veranſtaltet. Trotz der vielen Mühe und Sorge, welche die Vorbereitungen dazu Lehrern und Schülern verurſachten, herrſcht allgemeine Befriedigung über den Verlauf der Aufführungen, und wir erblicken in ihnen ein wirkſames und ein⸗ flußreiches Mittel zur Beförderung eines gemüthlichen Anſtaltslebens. Diejenigen Zöglinge, welche in irgend einer Hinſicht Hervorragendes zu leiſten vermögen, finden Gelegenheit zur Entfaltung ihrer Talente, währenud die übrigen in hohem Grade angeregt und, da in der Regel der gute Wille auch bei geringeren Leiſtungen anerkannt wird, allmählich zu beſſeren Productionen angeſpornt werden.
10. Es erübrigt nun noch, auch an dieſer Stelle den Gefühlen aufrichtigen Dankes gegen unſere Staatsregierung und die Stände unſeres Landes Ausdruck zu geben für die wohlwollende Fürſorge, welche unſerem Seminar durch Bewilligung der ſowohl zur


