Jahrgang 
1875
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E. Gottesdienſt. Sonntags beſuchen die Zöglinge mit den Lehrern den Vormittags⸗Gottesdienſt in der Burg⸗ kirche. Außerdem wird jeden Mittwoch⸗Abend in der Anſtalt eine Erbauungsſtunde gehalten.

F. Chronik.

1. Durch Allerhöchſtes Dekret vom 9. März 1874 wurde der Seminarlehrer Hermann Marx auf ſein Nachſuchen aus ſeinem Dienſte entlaſſen. Nach dem Schluß des Winter⸗ Semeſters 1874/75 ſchied er von uns, um eine Lehrerſtelle an der Wöhlerſchule zu Frank⸗ furt a. M. zu übernehmen. Durch Verfügung der Großh. Oberſtudien⸗Direction vom 16. April 1874 wurde der Zeichenunterricht bis auf Weiteres dem Lehrer an der hieſigen Muſterſchule Heinrich Weinel übertragen, während ſich in die übrigen ſeither von Herrn Marx verſehenen Unterrichtsfächer die Seminarlehrer Wahl, Dr. Heid und der Director theilten und die betreffenden Unterrichtsſtunden bis zum Eintritt des neuen Lehrers übernahmen.

2. Am 28. Mai ernannte Großh. Oberſtudien⸗Direction den Hilfslehrer am Gymnaſium zu Buͤdingen Wilhelm Karl Schwarz zum proviſoriſchen Lehrer an unſerer Anſtalt, welcher am 15. Juni in ſeinen hieſigen Dienſt eingewieſen wurde.

3. Das Ziel unſeres diesjährigen größeren Ausflugs, der vom 30. Juli bis 1. Auguſt von 6 Lehrern und 119 Seminariſten unternommen worden iſt, war der Odenwald. Da der Director wegen anderweitiger Amtsgeſchäfte nicht theilnehmen konnte, ſo hatte einer der Herren Seminarlehrer die Freundlichkeit, in nachfolgenden Zeilen eine Schilderung der Er⸗ lebniſſe und Reiſeeindrücke mitzutheilen.

Früh morgens trug der erſte Eiſenbahnzug die Reiſegeſellſchaft über Frankfurt a. M., Darmſtadt nach Höchſt und König, von wo an die Fußreiſe begann. Der Vormittag war wenig verſprechend, da wiederholte neblige Niederſchläge erfolgten; doch die Atmoſphäre hellte ſich gegen Mittag auf, ſo daß das Mümlingthal nun in einem um ſo größeren Reize vor den Augen der fröhlichen Wanderer dalag. Zuerſt wurde die Eulbacher Höhe nebſt Schloß beſucht, dann Michelſtadt, hierauf Erbach mit ſeinen Sehenswürdigkeiten; mit großer Zuvor⸗ kommenheit ermöglichten die gräflichen Beamten des letzteren Städtchens den Seminariſten, das Schloß mit ſeinen prachtvollen Sammlungen, insbeſondere den Ritterſaal in aller Ruhe ein⸗ gehend beſichtigen zu können. Nach einer mehrſtündigen Raſt verließ man das ſonnige Thal und erſtieg nicht ohne viel Schweiß den nahen Bergrücken, in weſtlicher Richtung dem inneren

Odenwald zuſtrebend, um nach Ober⸗Moſſau, dem Ziele der erſten Tagereiſe, zu gelangen. Hier waren bereits Nachtquatiere beſtellt; zwei Wirthſchaften gewährten freundliche Aufnahme; Küche und Keller leiſteten, was der Odenwald zu leiſten vermag und Jedermann war äußerſt befriedigt von der billigen Bewirthung. Der folgende ſchöne Morgen geleitete die Geſell⸗ ſchaft fröhlich und wohlgemuth hinüber in das obere Gerſprenzthal. Die Erwartungen in Bezug auf Naturſchönheiten wurden hier weit überboten; wie anmuthig nahmen Berg und Thal ſich aus; wie fruchtbar und obſtreich erſchienen die lieblichen Thalgründe! Hier erſchloß ſich die eigenthümliche Schönheit des Odenwaldes, die ſich für dieſen und den kommenden Tag noch ſteigern ſollte. In Reichelsheim, wo man gegen 10 Uhr V.⸗M. eintraf, fand eine 2ſtündige Raſt ſtatt. Dann bewegte ſich der Hauptzug der Seminariſten zur Burgruine Rodenſtein, hierauf über die Neukircher Höhe zum Felſenmeer. Diejenigen, welche jene Oertlichkeiten bereits kannten, reiſten über Lindenfels, wo ihnen eine Stunde zu bleiben und die überraſchende Schönheit der Gegend genießen zu können vergönnt war. Gegen Abend kamen alle, wenn auch ermüdet, doch heiter und wohl in Reichenbach, als dem voraus be⸗ ſtimmten 2. Nachtquartier, an. Die zwei hierzu beſtellten Gaſthäuſer ſtillten alle Wünſche; auch hier fand die billige, gute Behandlung alle Anerkennung. Die 3. tägige Wanderung wurde gleichfalls ohne Unfall nach Wunſch vollbracht; viel Schoͤnes und Belehrendes bot die