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C. Neberſicht des Lehrſtoffes im Schuljahre 1874—75. 1. Pädagogik.
α. Theorie.
Beliebige Aufzeichnungen während des Vortrags; kurze Dietate, meiſt in Frageform. Mit Benutzung von Kehr's Praxis der Volksſchule und Schumann's Lehrbuch der Pädagogik, I. Theil.
III. Klaſſe. 2 Stunden wöchentlich. Einführung in den Gegenſtand durch elementare Entwickelung der Grundbegriffe über: Weſen, Zweck, Mittel und Methode der Erziehung, Erzieher, Zögling, Erziehungswiſſenſchaft, Erziehungskunſt, Verhältniß des Unterrichts zur Erziehung; die Erziehungsweiſe der Griechen, Römer, Germanen, Israeliten; die chriſtliche Erziehung und die Erziehungs⸗ und Schulanſtalten vor der Reformation; die pädagogiſche Bedeutung der Reformatoren, namentlich Luther's; Wolfgang Ratke, Amos Comenius, Auguſt Hermann Francke, Bernhard Baſedow, von Rochow, Heinrich Peſtalozzi, Harniſch, Dieſterweg— ihre Beſtrebungen und hervorragendſten Schriftwerke in anſchaulichen Schilderungen und aus⸗ züglichen Mittheilungen.
II. Klaſſe. 2 St. Allgemeine Erziehungs⸗ und Unterrichtslehre auf pſychologiſch⸗logiſchen Grundlagen mit ſteter Rückſicht auf Disciplin und Unterricht in der Volksſchule.
I. Klaſſe. 2 St. Aufgabe und Bedeutung der Schule; Verſchiedenheit der Schulen nach Entſtehungsweiſe, Alter, Geſchlecht und künftigem Beruf der Schüler; die Volksſchule nach geſchichtlicher Entwickelung und jetzigem Standpunkt; das neue Schulgeſetz; Bekannt⸗ machung mit den Hauptwerken der pädagogiſchen Literatur ſeit der Reformation.— In be⸗ ſonderen abendlichen Conferenzen: Anleitung zu ſelbſtändiger Behandlung pädagogiſcher Materien in Form von Referaten, Vorträgen, Diskuſſionen, wobei dem eigenen Ermeſſen der Seminariſten bezüglich der Auswahl und Bearbeitung der Stoffe ein möglichſt weiter Spiel⸗ raum gelaſſen wird.— Director Schäfer.
6. Praxis.
III. Kl. Anleitung zur richtigen Fragebildung; Zerlegung eines Schriftſtücks in Fragen; Repetitionsfragen über den durchgenommenen pädagogiſchen Unterrichtsſtoff; Uebungen im Erzählen und Abfragen des Erzählten; Beurtheilung der Leiſtungen und Verwerthung der Wahrnehmungen zur Aufſtellung von allgemeinen Grundſätzen und Regeln als Vorbereitung für die ſpäteren Uebungen in der Muſterſchule.— Director Schäfer.
II. Kl. 4 St. Theilnahme der Seminariſten am Unterricht in der Muſterſchule bei Kindern im erſten Schuljahr; Beſprechung der bei den Lektionen gemachten Erfahrungen auf Grund der bereits erkannten pſychologiſchen und didaktiſchen Geſetze; Verſuche im Unterrichten.— Lehrer Weinel, Seminarlehrer Süß und Director Schäfer.
I. Kl. Unterrichtsübungen der Seminariſten in der Muſterſchule, abtheilungsweiſe im Sommer in 16, im Winter in 18 wöchentlichen Stunden, in Gegenwart und unter Anleitung der betreffenden Fachlehrer, im Anſchluß an die ſpecielle Methodik der einzelnen Unterrichtsfächer.
a. Religionsunterricht bei Mädchen im 4. und 5. Schuljahre. 2 St. Die Geneſis bis zur Geſetzgebung auf Sinai; die 4 erſten göttlichen Gebote; der 1. und 2. Artikel des apoſtoliſchen Glaubensbekenntniſſes mit Einfügung von Pſalmen, Gleichniſſen und Kirchen⸗ liedern. Bei Seminalehrer Kirchner.
b. Leſen und Anſchauungsunterricht bei Mädchen im 2. Schuljahre. 2 St. Es wurden, zum Theil mit Anſchluß an das Leſebuch, folgende Themata beſprochen: Meſſer, Fenſter, Ofen, Kleidung, Küche, Taube, Rabe, Baum, Chriſtbaum, Hund, Ente, Hof, Kaninchen, Sperling, wobei beſonders auf richtiges und ſchönes Sprechen von Seiten der Kinder geſehen wurde. Uebung der Seminariſten im Vorerzählen von Märchen, Fabeln ꝛc. Memoriren kleiner Gedichte. Orthographiſche und grammatiſche Uebungen: Uebung im Schreiben von leichten Wörtern und Sätzen, Dingwörter und Anfangsbuchſtaben werden groß geſchrieben,


