12 ertragenem Leiden starb er im Kriegslazarett zu Köln am 27. Dezember. Am 6. Januar 1915 wurde er in Friedberg bestattet. Kränze legten nieder der Direktor im Namen des Lehrer- kollegiums und der Anstalt, im Auftrag der Mitschüler der Unterprimaner Glotz. Landsturm- rekruten trugen den Sarg zur letzten Ruhestätte, Landsturmleute feuerten die Ehrensalven über dem Grab des jungen Kriegers. Am 11. Januar fand im Kreise der Schule eine Gedächtnisfeier statt, bei der Prof. Lampas die Ansprache hielt.
Auch unsere Schüler waren im Dienste des Roten Kreuzes tätig: sie durcheilten als Radfahrboten die Stadt, halfen auf dem Bahnhof ihren Lehrern bei der Verpflegung der durch- fahrenden Krieger, der Labung und dem Transport der Verwundeten; sie unterstützten die Landleute bei der Einbringung der Ernte, bewachten wichtige Telegraphenleitungen, stifteten auch eine sehr große Zahl von Büchern für die Verwundeten der hiesigen Lazarette.
Eine große Anzahl der älteren Schüler exerzierte mit der Jungwehr, deren Leitung bis zu seiner Einberufung der Direktor hatte; als Führer wirken heute noch mit Prof. Helmke und Oberlehrer Dreher...
Auf eine Anregung der Direktion hin sammelten die Schüler in Stadt und Land bei Verwandten und Freunden Gold; das Ergebnis ist glänzend zu nennen: 50 660 Mark konnten an die Reichsbank abgeliefert werden. Oberlehrer Dreher übernahm die mühe- und verant- wortungsvolle Abrechnung. Den zur Belohnung für diesen Eifer geplanten Tagesausflug unter- nahmen wegen des ungünstigen Wetters nur wenige Klassen.
Von früheren Lehrern erhielten das Eiserne Kreuz die Oberlehrer Dr. Malzan, Dr. Michel, Metzner, Dr. Ranft, die Assessoren Bast und Schier; das Eiserne Kreuz I. Klasse erhielt Oberlehrer Dr. Malzan. Den Heldentod auf dem Schlachtfeld starb Assessor Dr. M. Schmidt.
Wie viele und welche unserer früheren Schüler in den Kampf zogen, ist uns heute zu sagen unmöglich. Ihre Zahl ist groß. Viele ziert der Schmuck des Eisernen Kreuzes; gar mancher starb den Heldentod fürs Vaterland.
Auf alle Kämpfer, die als Lehrer oder Schüler Glieder der Augustinerschule sind oder waren, sind wir stolz, ihre Auszeichnung erhebt auch uns, das Gedächtnis der Gefallenen bleibt bei uns in Ehren. 4
Ein häufiger Wechsel des Stundenplans— 13 mal— und mehrfache Anderung der Unterrichtsverteilung war nötig, da die Einberufungen nicht zu gleicher Zeit erfolgten. Die Realtertien wurden zusammengelegt, der Gesangsunterricht fiel aus, die Stundenzahl der einzelnen Lehrer erhöht; die Tabelle am Schlusse des Jahresberichtes bringt die Unterrichts- verteilung am Anfang des Schuljahres.
Besondere Schwierigkeiten machte die Einschränkung des Fahrplans. Viele Schüler konnten im Anfang des Krieges gar nicht mehr zur Schule kommen, andere trafen verspätet ein oder mufßten früher entlassen werden. Am 11. August fehlten 149 Schüler, in 2 b von 24 Schülern 19.
Zur Feier der großen Siege im Westen und im Osten wurde der Unterricht wiederholt, nach Ansprache und Gesang mit einem donnernden Hurra auf Kaiser und Reich, unsere Streit- macht und ihre Führer geschlossen.
Lehrer und Schüler erleben begeistert diese große Zeit mit, sie sind stolz darauf, die gewaltigen Kämpfe erlebt zu haben, sie sind von der Wahrheit des Wortes durchdrungen: Wir werden siegen, denn wir müssen siegen!
1. Der Unterricht.
Das neue Schuljahr begann am 20. April 1914. An diesem Tage fanden die letzten. Aufnahmeprüfungen statt.
Während der Pfingstferien und seit der Einberufung des Direktors(10. XI. 14) führte Prof. Grein, während der Sommerferien Prof. Kramer die Direktion.
Am 24. September begann in unserer Anstalt der Konfirmandenunterricht, den in diesem Jahre Herr Pfarrer Ritter erteilt.
Das Schuljahr schließt am 27. März 1915.
Nach einer mündlichen Rücksprache des Direktors und zweier Väter von Schülern, des Herrn Rechtsanwalts Balzer und des Herrn Lehrers Breidenbach, beide aus Vilbel, auf der Königl. Eisenbahndirektion Frankfurt wurde Anfang November noch ein Zug in der Richtung Frankfurt eingelegt. Schule und Eltern sind der Königl. Eisenbahndirektion für dieses Entgegen- kommen dankbar.


