Jahrgang 
1896
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11 der Fall ist, einzig und allein auch die Berichte, Erzählungen und Urteile der Kinder begründet, die die Schule besuchen. Es ist eine in vielen Fällen bewahrheitete Erfahrung, dass dergleichen Mitteilungen entweder unrichtig oder ungenau sind, nicht sowohl weil die Schüler vorsätzlich die Unwahrheit sagen wollen, sondern weil das Ausschmücken und UÜbertreiben eine Folge der regen Phantasie der Kinder ist, und weil sie in allen An- gelegenheiten ihren für sie ja ganz natürlichen Schäülerstandpunkt einnehmen. Der Schule aber kann es ganz und gar nicht einerlei sein, ob über einzelne Massregeln und Vorkommnisse falsche oder richtige Urteile bei den Eltern verbreitet sind, und wir bitten dringend darum, ohne Scheu den einzig richtigen Weg einzuschlagen und entweder mit dem Lehrer, den eine Sache betrifft, oder event. mit dem Direktor ins Einvernehmen zu treten, statt einen Arger aufwachsen zu lassen, dem man womöglich bei anderer Gelegenheit einen unzweideutigen Ausdruck giebt. Auch weiss der Schüler diese animierte Stimmung gegen die Schule sehr gut für sich auszunutzen nicht zu seinem wahren Vorteil.

Heute noch ein Wort zu den schriftlichen Arbeiten in den fremden Sprachen. Schrift- liche Arbeiten sind als vorzügliche Mittel zur UÜbung und zur Kontrolle für Schüler und Lehrer über das Mass der erreichten Übung auf allen Stufen in der einen oder anderen Weise vorgeschrieben. In der Regel ist dabei entweder das in der Arbeit zu behandelnde grammatische Pensum oder der der schriftlichen Arbeit zu Grunde liegende Abschnitt des Uebungsbuchs oder des Schriftstellers den Schülern bekannt, so dass nach der einen oder anderen Richtung auch eine gewissenhafte häusliche Vorbereitung neben der im Unterricht möglich ist. Es ist selbstverständlich, dass von Jahr zu Jahr die Selbständigkeit der Leistung grösser wird, und dass ein bestimmter Schatz an Vokabeln und grammatischen Regeln dauernd vorhanden sein muss, soweit er in früheren Jahren gelernt und geübt ist. So ist die schriftliche Arbeit ein sehr wichtiger Faktor im Unterrichtsbetrieb. Aber es ist eine falsche Vorstellung, der man in Elternkreisen vielfach begegnet, dass die schriftliche Arbeit den einzigen Massstab für die Censierung abgebe. Dies ist nach den vorhandenen Verordnungen nicht angänglich und thatsächlich nicht der Fall. Auch hier wird das Elternhaus durch den Schüler oft irre geführt. Der Junge kommt mit einer schlechten Censurnote nach Hause; der Vater ist ärgerlich und fragt:Wie kommt denn das? Da' sagt der Junge:Der Lehrer hat nur die schriftlichen Arbeiten gerechnet; im Mündlichen bin ich ganz gut, da habe ich meine Sache immer gekonnt. Wenn dann noch durch einige Kameraden die Bestätigung dieser Aussage eingeholt ist, was ja sehr leicht geschehen kann, ist der Vater beruhigt über die schlechte Note seines Sohnes, aber beunruhigt über eine ver- kehrte Behandlung in der Schule, d. h. jetzt erscheint ihm nicht mehr der Schüler, sondern die Schule als die Ursache der schlechten Note. Keinem zum Nutzen, weder der Schule noch dem Schüler. Die mündliche Leistung soll in der Censierung zu ihrem vollen Rechte kommen, und wenn einem Vater dies nicht scheint, dann bitten wir unverzüglich mit dem Lehrer in Beziehung zu treten.

Noch eins! Die Eltern haben naturgemäss ein Interesse daran, den Ausfall der schrift- lichen Arbeiten kennen zu lernen, und es liegt dies auch in ihrer Hand. Einmal nämlich sind die Tage für die schriftlichen Arbeiten fest bestimmt und aus den Aufgabenbüchern der Schüler zu ersehen. Dann aber ist angeordnet, dass die Schüler immer, wenn auch nur kurze Zeit, nach der Rückgabe der korrigierten Arbeit ihre Hefte in die Hände bekommen. Wenn sich die Eltern dazu entschliessen wollten, die Arbeiten regelmässig sich zeigen zu lassen, würden wir gern auf die gelegentlich notwendige Vorlage zur Unter- schrift verzichten, die, das sei ausdrücklich bemerkt, nur im Interesse der Eltern geschieht. Hierbei möchten wir noch eine Warnung an die Eltern richten, dass sie sich nur ja nicht, wenn der Schüler mit einer ungenügenden Note in der schriftlichen Arbeit nach Hause kommt, mit der ebenso beliebten wie thörichten Entschuldigung abspeisen lassen:Ach, die ganze Klasse fast hat ungenügend geschrieben. Es empfiehlt sich vielmehr auch hier, erforderlichen Falls sofort mit dem betreffenden Lehrer in Beziehung zu treten und die Sache klarzustellen.