Jahrgang 
1895
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resp. ein Wegziehen leistungsfähiger Elemente verhindert. In erster Linie wäre es der Ausbau des Progymnasiums zu einer Vollanstalt und zwar so, dass die seitherige Organi- sation beibehalten und nur eine kombinierte zweijährige Prima geschaffen würde. Zu diesem Zwecke ist man bereit ein neues Schulhaus zu bauen, in dem dann allen noch vorhandenen Desiderien abgeholfen werden könnte. Im Interesse der Schule wie der Stadt Friedberg wäre eine Entwickelung in diesem Sinne nur zu wünschen; dies um so mehr, weil an dem Verfügbarwerden der jetzt von unserer Anstalt benutzten Räumlichkeiten für die Stadt die Lösung einer Reihe anderer Fragen auf dem Gebiete des Schulwesens hängt.

Zu militärischen Ubungen waren wührend des Schuljahres eingezogen 1. Reallehrer Altendorf bis zum 23. April, 2. Reallehrer Karg vom 26. Juli bis 19. September, 3. der prov. Lehrer Müller vom 13. September bis 24. Oktober.

Zur Abhaltung von Schulfeierlichkeiten war uns in diesem Jahre durch freundliches Entgegenkommen der Direktion des Grossh. Schullehrerseminars der Turnsaal dieser An- stalt zur Verfügung gestellt, wofür wir hier unseren besten Dank aussprechen. Gross- herzogs Geburtstag wurde am 24. November im Kreise der Schule durch deklama- torische und musikalische Vorträge seitens der Schüler gefeiert. Ansprachen wurden gehalten von Herrn Dr. Ebner und dem Direktor. Zur Vorfeier von Kaisers Ge- burtstag fand am 26. Januar 1895 ein öffentlicher Schulaktus statt, der vonseiten der Eltern und Freunde der Schule zahlreich besucht war. Die Festrede hielt Herr Real- lehrer Wiesehahn.

Nachmittagsgänge wurden am 8. Mai, 22. Juni, 4. Oktober und 3. Dezember unternommen; zum Eislauf wurden freigegeben die Nachmittage des 28. Januar und 7. Februar. Der Tagesausflug wurde ausgefürt am 7. Juli.

Der Gesundheitszustand bei Lehrern und Schülern der Anstalt war im ganzen gut.

Am 13. und 14. Dezember beehrte Herr Geh. Oberschulrat Soldan die Anstalt mit seinem Besuche und nahm in der grösseren Zahl der Klassen am Unterricht teil.

Zum ersten Male wurde in diesem Jahre an der Anstalt eine Abgangsprüfung abgehalten, die durch Verfügung Grossherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz vom 12. Oktober 1894, beziehungsweise 7. Januar 1895, angeordnet worden war. Die schriftliche Prüfung fand in den Tagen vom 11. bis 14. FPebruar statt. Die münd- liche Prüfung wurde unter dem YNorsitz des Herrn Geh. Oberschulrat Soldan am 11. und 12. März abgehalten. Von den 30 Schülern, die sich der schriftlichen Prüfung unterzogen hatten, wurden 9 Schüler auf Grund ihrer schriftlichen Leistungen von der mündlichen Prüfung dispensiert. 6 Schüler wurden während der mündlichen Prüfung zurückgestellt.

Zweimal im Laufe des Jahres betrat das Lehrer-Kollegium den Gottesacker, um frühere Kollegen zu Grabe zu geleiten.

Der erst mit dem 31. März infolge schwerer Krankheit in Pension getretene Real- lehrer Nagel wurde am 13. August durch den Tod von seinen Leiden erlöst. Die in Friedberg anwesenden Lehrer und die Schüler der oberen Klassen gaben ihm das Geleite. Herr Dr. Ebner legte im Namen des Lehrerkollegiums einen Kranz an dem Grabe nieder. Dem gewissenhaften Lehrer und treuen Freunde, der bis in die letzten Wochen seines Leidens von dem Gedanken sich schwer bedrückt fühlte, dass er seines ihm so sehr ans Herz gewachsenen Berufes nicht mehr warten konnte, wird das Lehrerkollegium ein treues Andenken bewahren.

Am 18. November geleiteten die Lehrer der Anstalt den früheren Kollegen und lang- jährigen Mitarbeiter an der Schule Herrn Lang, der infolge geschwächter Gesundheit schon seit einer Reihe von Jahren pensioniert war, zur letzten Ruhe. Herr Kollege 0nel legte im Namen des Kollegiums einen Kranz am Grabe nieder und widmete dem Ent- schlafenen Worte des liebenden Gedenkens.