LV. Zur Geschichte der Anstalt.
Mit dem Schlusse des Schuljahres 1893/94 schied der seitherige Direktor der hiesigen Anstalt Dr. Georg Windhaus aus seinem Amte aus, um die Direktion des Gymnasiums Fridericianum in Laubach zu übernehmen. Der Dank der Schule und der Bürgerschaft für sein segensreiches Wirken dahier und die besten Wünsche für sein weiteres Wohl- ergehen begleiteten ihn in seinen neuen Wirkungskreis. An seine Stelle trat der seitherige Lehrer an dem Neuen Gymnasium zu Darmstadt Professor Dr. Goldmann. Die feierliche Einführung des neuen Direktors in sein Amt erfolgte am 2. April durch Herrn Geh. Ober- Schulrat Soldan.
Doch traten noch weitere Anderungen im Lehrpersonal ein:
1. Der Reallehrer Dr. A. Dieckmann wurde auf sein Nachsuchen in den Ruhestand versetzt, um in den von ihm gewählten Beruf eines Geistlichen eintreten zu können; auch ihn begleiteten die besten Wünsche für sein ferneres Wohlergehen.
2. Zu gleicher Zeit schied zu anderweitiger Verwendung der Lehramts-Assessor Dr. Jakob aus dem Kreise des Kollegiums aus.
3. Als Ersatz für die ausscheidenden Lehrkräfte traten mit dem Beginn des Schul- jahres ein die Lehramts-Assessoren Dr. Keller, seither in Alsfeld, und Dr. Sommerlad, seither in Mainz; der Religionsunterricht in den 2 oberen Klassen wurde dem Seminar- lehrer Otto Schüler übertragen.
In der Einteilung der Klassen trat insofern eine Verschiebung ein, als die seitherige V. Klasse geteilt weiter geführt wurde als IV, 1 und IV, 2; während die VI. Klasse ungeteilt blieb.
Durch Allerhöchstes Dekret vom 18. Juli 1894 wurden die beiden provisorisch ver- wendeten Lehramts-Assessoren H. Hüffell und F. Reitz als Lehrer an der Realschule und dem Progymnasium dahier definitiv angestellt.
Durch Verfügung Grossherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz Ab- teilung für Schulangelegenheiten vom 17. September 1894 wurde dem Lehramts-Accessisten K. Schmidt von Friedberg die Fortsetzung seines Accesses an hiesiger Anstalt gestattet. Er trat seinen Dienst am 20. September an.
Nachdem durch Beschluss des Gemeinderats der Stadt Friedberg die Verwendung des seither als Dienstwohnung des Direktors dienenden Hauses zu Schulzwecken genehmigt war, wurden die diesbezüglichen notwendigen baulichen Veränderungen teils im Laufe des Sommers, teils in den Herbstferien vorgenommen, so dass beim Beginn des Unterrichts am 17. September die neuen Räume in Benutzung genommen werden konnten. Dadurch wurde es möglich, die seither über den Pferdeställen untergebrachte Klasse herüber zu nehmen und den verschiedenen Sammlungen(Lehrmittel für den geschichtlichen, geographischen und naturwissenschaftlichen Unterricht), sowie der Bibliothek eigne entsprechende Räume anzuweisen. Hierfür gebührt der Stadt vonseiten der Schule Dank, dem wir hierdurch Ausdruck geben wollen. Doch darf nicht vergessen werden, dass die Räume in der seit- herigen Wohnung des Direktors als Schulräume den Anforderungen, die man heute mit Recht stellt, nicht entsprechen, weil sie zu niedrig sind und in geeigneter Weise nicht ventiliert werden können. Auch darf daran erinnert werden, dass die Schule weder einen Festsaal noch besondere Räume für den Zeichen-, Sing- und Turn-Unterricht hat. Der Gemeinderat der Stadt Friedberg ist nun besonders in Rücksicht auf die Fertigstellung der verschiedenen in Friedberg einmündenden Bahnlinien, die in den nächsten Jahren zu erwarten ist, und das dadurch bevorstehende weitere Wachsen der Stadt von dem lebhaften Wunsche erfüllt, an Unterrichtsanstalten das zu bieten, was eine Ansiedlung in Friedberg erleichtert


