6. Als Beigabe:
Ueber Schulſpaziergänge. Von E. Klein.
Alles ging beſſer, wenn man mehr ging. Seume,„Spaziergang nach Syrakus“.
Haben wir in einem fruͤheren Programm dieſer Anſtalt unſere Meinung be⸗ üglich des Werthes gemeinſchaftlicher Ausflüge der Lehrer und Schüler mit kurzen
orten dahin ausgeſprochen, daß dieſelben, richtig geleitet, nicht blos ein Genuß und eine treffliche Erholung für die Lehrer, wie namentlich für die Schüler ſeien, ſondern daß ſie ſich auch in pädagogiſcher Hinſicht in höherem Grad, als man vielfach zu erkennen ſcheine, auskaufen und fruchtbringend machen ließen, ſo wollen wir diesmal, die pädagogiſche Seite dieſes Gegenſtandes etwas ſchärfer in's Auge faſſend, jenen Satz in ſeinem zweiten Theil zu begründen ſuchen, be⸗ ziehungsweiſe uns darüber verbreiten, was Alles nach unſerem Dafürhalten zu einer richtigen Leitung und Ausnützung von Schulſpaziergängen gehört.
Was den erziehlichen Einfluß der Lehrer auf die Schüler erheblich fördern muß, beim gewöhnlichen Unterricht aber nach der Natur der Verhältniſſe nur mangelhaft erreicht werden kann, ein gemüthliches Annähern von Lehrern und Schuͤlern, das bewerkſtelligt ſich auf gemeinſchaftlichen Ausflügen mit Leichtigkeit von ſelbſt. Verſtehen es die Lehrer nur einigermaßen, auf Jugendſinn und Jugend⸗ luſt einzugehen, ſo liefert ein einziger ſchöner Sommertag, von Lehrern und Schülern in Gottes freier Natur verbracht, mehr Gelegenheit zu herzlicher An⸗ näherung, zu innigem, familienähnlichem Verkehr, als wer weiß wie viele Tage und Stunden, die beide in den Schulſtuben mit einander verleben.
Wie verſchiedenartig ſind die ſittlichen Neigungen und Eigenſchaften, die guten und ſchlimmen, bei einer größeren Anzahl von Knaben! Daß dem Lehrer im Unter⸗ richt viel Gelegenheit gegeben ſei, jene alle kennen zu lernen, wird Niemand be⸗ haupten; und doch wie förderlich muß es für die erziehliche Einwirkung erachtet werden, wenn ſich die Schülerindividualitäten möglichſt klar und vollſtändig vor dem Blick des Lehrers entfalten! Längere und öfter wiederholte Spaziergänge, auf denen ſich die meiſten Knaben nach und nach geben, wie ſie ſind, bieten dazu eine Fülle von Gelegenheit. Da iſt ein Knabe, den ein leichter Scherz ſeiner Mitſchüler verdrießt, vielleicht heftig macht; da iſt ein Anderer, der große Neigung zum Necken und Spotten beurkundet; da iſt ein Dritter, der ſich durch Prahlſucht, ein Vierter, der ſich durch ſchwatzhaftes Auskramen eigner Angelegenheiten und Erlebniſſe bemerklich macht; da iſt ein Fünfter, der durch dictatoriſches Herfahren üͤber Andere unzweifelhaft herrſchſüchtige Anlagen verräth, ein Sechſter, der ein
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