Jahrgang 
1914
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Im April 1913 wurde die Schanzarbeit an der Saalburg, im August die Kriegsmarineausstellung besichtigt.

Auch in diesem Jahre hatten die Schüler Mittwochs nachmittags Gelegenheit, sich die Schnellschrift nach Gabelsberger anzueignen. An den von Herrn Dr. Gantter geleiteten Lehrgängen beteiligten sich 41 Schüler aus den Klassen III2 bis III. Im ersten Jahrgang wurden die Schüler(31) in die Gabelsbergersche Verkehrsschrift eingeführt; im zweiten(6 Schüler) wurden Schreib- und Leseübungen vorgenommen; im dritten(4 Schüler) wurde die Redeschrift gelehrt und bei den schnellschriftlichen Ubungen eine Geschwindigkeit bis zu 120 Silben in der Minute erreicht.

Herr Professor Tenter besuchte mit einer Untersekunda das Römisch-Germa- nische Zentralmuseum in Mainz,; die Herren Professor Bender, Oberlehrer Dr. Gerlach und Diehl besichtigten mit ihren Klassen das Städtische Elektrizitätswerk und die Umformerstation, Herr Oberlehrer Dr. Gerlach führte seine Schüler in das Feldberg- observatorium; mit der Unterprima b führte er Beobachtungen des Sternenhimmels mit unserem Huckfernrohr und im Freien aus(Merkurbeobachtungen im Frühjahr 1913); hieran schlossen sich schwierigere Berechnungen aus dem Gebiete der sphärischen Trigonometrie und Astronomie(Planetenbahnen, Neigung und Knoten der Mondbahn, Finsternisse usw.)

Herr Professor Bender versammelte seine Schüler öfters auf unserem neuen Schul- observatorium, über dessen Einrichtung und Benutzung er, wie folgt, berichtet:

Nachdem das Wöhler-Realgymnasium durch die Helmut Huck-Stiftung in den Besitz eines wertvollen Vierzöllers und der nötigen Nebenapparate gekommen war, trat an unsere Schule die Aufgabe heran, einen bestimmten Raum für Aufstellung und Benutzung des Helmut Huck-Fernrohres zu beschaffen. Hierbei entschied man sich für eine besondere Art der Einrichtung eines astronomischen Observatoriums, die den Sternwarten mit teueren drehbaren Kuppeln gegenüber aus mancherlei Gründen für Schulzwecke zu empfehlen ist. Für das Fern- rohr wurde im Dachfirst des Hauptgebäudes ein Aufbewahrungsraum von 222,25 m eingebaut, von dem aus man eine 4 19 m große Plattform betreten kann. Das Rohr ist auf einer Eisenplatte befestigt, die sich mit drei kurzen Zapfen auf den Boden festsetzt. Durch Hebelübertragung kann man die Eisenplatte mit dem Ferprohr auf vier Rollen heben(wie bei den fahrbaren Barren in den Turnhallen) und durch die geöfineten Flügeltüren auf zwei Schienen nach dem Steinpfeiler der Plattform schieben. Durch Umlegen der Rollen senken sich die drei Zapfen in eiserne Höhlungen, wodurch das Rohr in Meridian fest aufgestellt ist. Der astronomische Aus- blick ist nach allen Seiten frei, denn auch der 2 m breite Aufbewahrungsraum des Fernrohrs im Dachstuhl schränkt die Beobachtungsmöglichkeit nicht mehr ein als die Beschaffenheit der Luft am Horizont selbst. Die freie Aufstellung des Rohres hat den Vorteil, daß die Schüler den Beobachtungsgegenstand in seiner Stellung zum sichtbaren Sternhimmel gleichzeitig erkennen und daß ohne das lästige Drehen der Kuppel und des Kuppel- spaltes jedes Objekt sofort und leicht eingestellt werden kann. Alles ist übersichtlich, auch das aufeinander- folgende Beobachten der Schüler. Diese Vorteile sind bei Beobachtungen mit Schülern höher anzuschlagen als der Windschutz für Rohr und Beobachter in drehbaren Kuppeln. Am Geländer der Plattform ist nach Norden hin eine Steinplatte für Aufstellung eines Theodoliten oder Gnomons zur Bestimmung von Breite und Meridian aufgestellt. Uber die Benutzung der Sternwarte, von deren Plattform aus auch Heimatkunde in den unteren Klassen betrieben werden kann, wird Buch geführt. Jeder Schüler von Obertertia an soll die wichtigsten astronomischen Beobachtungen im Laufe des Jahres mindestens einmal angestellt haben. Bei der Freude, mit der die Schüler zu den Beobachtungen kommen, wird dies auch erreicht. Dem Andenken unseres so frühe verstorbenen, ehe- maligen Abiturienten Helmut Huck ist durch das neue Observatorium ein schönes Denkmal gesetzt.

3. Besichtigungen und Prüfungen.

Im Laufe des Jahres beehrten folgende auswürtige Schulmänner und Verwaltungs- beamte unser Realgymnasium mit ihrem Besuche: Dr. Jaakkola, Rector lycei zu Suomi Tampere, Abbé Dr. Cochez, Professor zu Renaix, Dr. Lauterbach, Oberlehrer in Jena, Professor Dr. Poland, Rektor des Wettiner Gymnasiums in Dresden, Dr. Rosenhagen, Rektor des Realgymnasiums Drei-Königs-Schule in Dresden, Lektor Dr. Thulin aus Malmo, Professor Wahart aus Paris, Dr. Apel, Oberlehrer in Halle a. S., Oberrealschuldirektor Dr. F. Schmidt und Bürgermeister Hild aus Hanau, Dr. Lechthaler, Direktor des Reform- Realgymnasiums zu Bozen, Realschuldirektor Dr. Schwarz aus Lübeck, Dr. Lück und Dr. Heilemann, Oberlehrer in Leipzig.

Herr Oberbürgermeister Voigt wohnte am 11. März dem Unterricht einer Vorschul- klasse bei.