Jahrgang 
1912
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doch, als ob in manchen Familien die Eltern selbst die Arbeit der Schule nicht ge- nügend anerkennten, und ich fürchte, daß sie hierdurch auch die Töchter, wenn auch ohne Absicht, beeinflußen. Ein Anzeichen dafür erblicke ich darin, daß die Väter oder Mütter, die ihre Töchter von der Schule abmelden, nur in seltenen Fällen ein Wort des Dankes hinzufügen. Wir Lehrer sind freilich durch unsere Anstellung verpfichtet, die Kinder zu erziehen und zu unterrichten; insofern könnte ein Dank iberflüssig scheinen; aber wer eine Tochter längere Zeit in die Viktoriaschule hat gehen lassen, sollte doch wissen, daß das Beste, was wir geben, das ist, wofür wir nicht bezahlt werden.

Die Mädchen, welche Konfirmationsunterricht haben, können vom Religions- unterricht befreit werden. Ich bitte aber die Eltern, im Interesse ihrer Kinder von diesem Recht womöglich keinen Gebrauch zu machen. Der pfarramtliche Religions- unterricht verfolgt ganz andere Zwecke als der der Schule und kann das Pensum eines bestimmten Jahres auf keine Weise ersetzen. In den Klassen, um die es sich haupt- sächlich handelt, der III. und II., befaßt sich der Religionsunterricht hauptsächlich mit Kirchengeschichte und bietet dadurch eine unentbehrliche Ergänzung des Unterrichts in der Weltgeschichte Er hat die Aufgabe, die geistigen Strömungen der verschiedenen Epochen auf dem wichtigsten Gebiete, dem religiösen, zu verfolgen und dadurch einer- seits die Geschichtsanschauung zu bereichern und zu vertiefen, andrerseits einen Grund zu legen für die Gewinnung einer eigenen Weltanschauung. Dadurch ist der Religions- unterricht gerade für die älteren Schülerinnen von allergrößtem Wert, und es ist sehr zu bedauern, wenn er versiumt wird. Die Belastung durch die beiden Konfirmanden- stunden ist ja auch an sich nicht so schwer; und an häuslicher Arbeit verlangen viele der Herren Geistlichen wenig oder garnichts.

Donnerstag und Freitag, den 28. und 29. März von 91 und von 3 6 Uhr und Samstag vormittags werden im Zeichensaal und im Handarbeitssaal die Arbeiten unserer Schülerinnen ausgestellt werden. Hierzu wie auch zur Schlußfeier(Sonnabend, den 30. März, morgens 9 Uhr) beehre ich mich, die hohen Behörden, die Freunde der Viktoriaschule und die hochgeschätzten Eltern unserer Schülerinnen ergebenst einzuladen.

Das Schuljahr 1912/13 wird Dienstag, den 16. April, um 9 Uhr mit einer Feier eröffnet, zu der die Eltern der neu aufgenommenen Schülerinnen hiermit freundlichst eingeladen werden. Um 10 Uhr beginnt der Unterricht.

Ferien-Ordnung: Pfingstferien: Freitag, den 24. Mais, bis Freitag den 31. Mai** Sommerferien: Freitag, den 12. Juli,* bis Dienstag, den 13. August.** Herbstferien: Sonnabend, den 28. September, bis Montag den 14. Oktober.** Weihnachtsferien: Freitag, den 20. Dezember, bis Freitag, den 3. Januar.** Osterferien: Mittwoch, den 19. März 1913.*

Direktor Op. Reinhold.

*) Letzter Schultag **) Erster Schultag.