Jahrgang 
1911
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Am 13. Dezember veranstalteten die Schülerinnen der I. Klasse ein Wohl- tätigkeitsfest, dessen Ertrag zum Besten der Kinderhorte und zu anderen guten Zwecken verwandt wurde. Es wurdeHarlequin poli par l'amour von Marivaux aufgeführt.

Zu Kaisers Geburtstag ließ Fräulein Oberlehrerin Kraut vor den Schülerinnen die Zeit der Fremdherrschaft und der Befreiungskriege erstehen, indem sie ihnen das Leben und Streben Ernst Moritz Arndts vor Augen führte.

Am 2. Februar bestiegen die KlassenV den schneebedeckten Feldberg. Miß Jacks unterrichtete drei Kurse in Kalisthenies.

Am 15. Februar besuchten der Dezernent für das höhere Mädchenschulwesen im Kultusministerium, Herr Geh. Regierungsrat Meyer, und Herr Provinzialschulrat Borbein die Schule und wohnten dem Unterricht verschiedener Damen und Herren bei.

Um den Eltern der Schülerinnen Gelegenheit zu geben, sich über die Frage der Zusammenlegung des Unterrichts auf den Vormittag zu orientieren und auszu- sprechen, wurden sie vom Lehrerkollegium auf den 13. Februar zu einer Besprechung in die Aula geladen. Die Versammlung war gut besucht. Die meisten Redner er- klärten sich für die Zusammenlegung des Unterrichts. Es wurde allerdings von allen Seiten zugegeben, daß die Erteilung von 6 Stunden an einem Vormittage, wenn sie auch nur an einem oder 2 Tagen notwendig wird, namentlich für die mittleren Klassen bedenklich ist; aber der Vorteil der freien Nachmittage und der dadurch gegebenen Gelegenheit zu Spaziergängen, zur Ausübung von Sport und zur Verfolgung eigener Interessen schien diesen Nachteil zu überwiegen. Die Möglichkeit, der Gefahr der Ueberlastung entgegen- zutreten, liegt darauf wies der Unterzeichnete in seinem einleitenden Referat hin zum Teil in den Händen der Eltern. Sie können erstens dafür sorgen, daß ihre Kinder früh genug aufstehen, um in aller Ruhe frühstücken zu können. Wenn das geschieht, werden die Nerven durch die geistige Anstrengung des Unterrichts viel weniger er- schöpft. Die Kinder aber, die in Hast zur Schule eilen müssen, verlieren den Appetit und beginnen ihre Arbeit in schlechter Verfassung, sind daher den Anstrengungen weit weniger gewachsen. Es wäre daher sehr zu wünschen, daß in allen Familien in den meisten geschieht es ja wohl Vater oder Mutter mit den Schulkindern zugleich das Frühstück einnimmt. Eine im Februar aufgestellte Erhebung ergab, daß von 460 Schülerinnen 55 in die Schule gekommen waren, ohne vorher etwas gegessen zu haben.

Auch die Hausarbeit kann den Schülerinnen mit Hülfe der Eltern erleichtert werden. Bei den Feststellungen der häuslichen Arbeitszeit, die wir von Zeit zu Zeit vornehmen, hat sich gezeigt, daß die Kinder zu den Zeiten, zu denen diese Fest- stellungen gemacht wurden, weit schneller arbeiteten, also auch viel weniger Zeit für die Schularbeiten brauchten, als gewöhnlich. Es kann das nur daran liegen, daß sie in den betreffenden Wochen mit der Uhr vor sich arbeiten, daß sie bei ihrer Arbeit die Absicht haben, schnell fertig zu werden. Leider tun sie das nicht immer. Ver- ständige Eltern aber könnten ihren Töchtern dazu helfen, sie könnten sich von ihnen die Ar- beiten zeigen lassen und ihnen sagen:Für diese Arbeit hast du so viel Zeit, für diese so