VIHI. Yerlauf des Schuljahres.
Das Schuljahr wurde am 20. April mit einer Feier eröffnet, in der der Direktor die neu eintretenden Schülerinnen begrüßte und einige besonders wichtige Sätze aus der Schulordnung mitteilte. An die Arbeitskraft des Lehrerkollegiums und der Schülerinnen mußten höhere Anforde- rungen gestellt werden als früher. Die Mehrbelastung, welche der höberen Mädchenschule durch die Reform auferlegt worden ist, machte sich in dem ungewöhmlich kurzen Schuljahr besonders bemerkbar. Dazu wurde der Unterricht während des Sommers häufig durch den von der Luft- schiffahrtausstellung herüberschallenden Lürm auf das empfindlichste gestört. Trotzdem war der Gesundheitszustand bei den Schülerinnen im allgemeinen bedeutend besser als im Vorjahre. Nicht das Gleiche gilt von dem Lehrerkollegium. Von unbedeutenderen Krankheitsfüllen abgesehen, mußten den Unterricht versäumen: Herr Braum vom 27. Mai bis 31. August, Fräulein Kapp vom 3. August bis 29. September, „ Keßler vom 3. August bis 28. August, „ Reishaus vom 4. September bis 16. Oktober, Herr Dr. Hönes vom 12. November bis 19. März.
Die Vertretung der Erkrankten wurde teils von den Kollegen und Kolleginnen, teils von den Lebramtsbewerberinnen Fräulein Wulf und Fräulein Heinselbecker übernommen. Vom 12. bis „um 17. Oktober war Herr Dr. Rücker beurlaubt, um an dem mathematisch-naturwissenschaftlichen Ferienkursus in Göttingen teilzunchmen. Ierr Dr. Hönes wurde für den Winter um 10 Stunden erleichtert, um für Arbeiten am germanistischen Seminar der Akademie die nötige Muße zu finden. Wegen des Sängerwettstreites fiel nach Verfügung des Provinzial-Schulkollegiums am 21. und am 22. Mai der Unterricht aus.,
Das Maifest wurde am 11. Mai durch kürzere und lüngere Ausflüge gefeiert. Auch außer- dem wurden manche Nachmittagsspaziergänge zur Erholung oder zur Belehrung unternommen. Die oberen Klassen besuchten auch die bedeutenderen Sammlungen und Ausstellungen in Frankfurt wie die im Städelschen Institut, im Historischen Musecum, im Goethehaus, im Kunstverein, bei Frau Marie Held, auf der Luftschiffahrtausstellung.
Am 10. November feierten wir Schillers 150 ten Geburtstag durch Gesang, Deklamation und qurch eine Rede über Schillers Idealismus, die der Direktor hielt. Zur Feier des Sedanfestes machte die ganze Schule unter zahlreicher Beteiligung der Eltern einen Ausflug nach Mitteldick und ver- brachte hier unter Spiel, Gesang und Tanz einen schönen Nachmittag.
Am 14. und am 15. Dezember versammelten sich die Eltern der Schülerinnen und andere Freunde der Schule in der Aula zur Feier des Winterfestes. Die Schülerinnen führten„Sandmännchen“, eine neue Dichtung von Marie Waldeck, auf, die von C. André vertont war. Das reizende Werk- chen bot reichliche Gelegenheit zu Gesüngen, Reigen und Deklamationen. Die musikalische Leitung hatte Herr Schwarz, die theatralische Fräulein Wolf.
An Kaisers Geburtstag schilderte Herr Ewald den Schülerinnen die Orientreise des Kaisers und setzte ihre politische Bedeutung auseinander. Dazu wurden Gedichte deklamiert, welche die Phantasie mit Bildern aus jenen Gegenden erfüllten.
Miß White unterrichtete zwei Kurse in Kalisthenies.
Durch reiche Geschenke(s. Seite 17) ermöglichten uns die Eltern unserer Schülerinnen die Anschaffung eines vorzüglichen Zeiß'schen Mikroskops und die Anlage eines Tennisplatzes, auf dem im vergangenen Sommer schon eifrig gespielt wurde.
Mit Beginn des folgenden Schuljahres werden zwei neue Lehrkräfte bei uns eintreten: Herr Oberlehrer Sander und Fräulein Valentin. Sie berichten über ihren Lebenslauf folgendes:


