FEUNFTER ABSCHNITI
Abt EPhrem auf dem Vatikanischen Konzil, 8. Dez. 1869— 20. Oktober 1870
Warum noch ein ergänzendes Kapitel?
Im Jahrbuch 1930/31 konnte ich ein ziemlich voll- ständiges und quellenmäßiges Lebensbild eines meiner Vorgänger in der Leitung der Selektenschule(1854—42), August van der Meulens, des späteren Abtes Ephrem, entwerfen dank der Unterstützung durch Quellenmaterial aus dem Klosterarchiv der von Abt Ephrem geleiteten
Trappisten-Abtei Oelenberg i. E., Seiner Königlichen Hoheit des DPrinzen Johann Georg zu Sachsen(Frei- burg i. B.) und auf Grund der Akten im Schularchiv
der Selektenschule.
Aus dieser Lebensbeschreibung war u. a. zu ersehen, daß Abt Ephrem van der Meulen als Generalsekretär der Trappisten zu den Vätern des Vatikanischen Konzils gchörte.
Als mir daher nach Erscheinen des Jahrbuchs der Selektenschule 1950/1 der Klosterbibliothekar D Sa cerdos mitteilte, daß im Oelenberger Archiv auch noch Briefe von und an Abt Ephrem van der Meulen be Konzil freundliche Ueberlassung des Herrn
seien, bat ich um Dank erhielt ich
treffend das vorhanden
derselben. dem Ent Abtes und kann daher in diesem Jahre das Lebensbild Xugust van der Meulens um ein Kapitel vollständigen.
gegenkommen dieselben
interessantes
Ver-
Unsere Zeit ist schwer, und vor lauter Sorgen und Beschwerden, die hart auf jeden einzelnen in unserem
Volke drücken, können wir die Augen kaum auf die Größe der Zeitenwende lenken, die die Welt im all-— gemeinen und unser tapferes Volk im besondern in
staatlicher, sozialer, wirtschaftlicher und religiöser Hin
sicht bis ins
verändert. Und doch muß jeder Stellung nehmen zu den ge-
innerste Mark erschüttert, erneuert und
waltigen und zahllosen Problemen, die unerbittlich Lösung heischend vor jeden persönlich treten: die staat- lichen, sozialen, wirtschaftlichen und religiösen Verhältnisse zwingen einfach jeden einzelnen hierzu.
Wenn je, so empfindet heute der katholische Mensch das Glück, in seiner Religion klare Antworten und
sichere Zielsetzung in allen Fragen zu finden. Schwer, furchtbar schwer, steil und steinig ist oft und für viele dieser katholische Weg, den er sub specie aeternitatis gehen muß, und der oft unsagbare Opfer und Verzicht auf das, was die Welt Glück nennt, fordert, aber er
führt zum sicheren Ziel innerer Zufriedenheit und ewigen Glückes.
Wenn daher auch diese Briefe keine neuen Beiträge zur Geschichte des Konzils bedeuten, so zeigen sie
uns doch zweierlei: Einmal bestätigen sie die wunder volle Papsttreue August van der Meulens, von der sein gLanzes Leben durchdrungen war, die ja jedem wahren Katholiken als etwas Selbstverständliches gilt, für die aber Abt Ephrem auch Opfer brachte. Sodann zeigen sie in glänzender Weise in schwerer Zeit die Dapsttreue weiter deutscher Kreise des Adels, des und des Klerus gegenüber den Gegnern, auch innerhalb
Bürgertums
der eigenen Reihen.
Und so soll die Veröffentlichung dieses ergänzenden Kapitels aus dem Leben Abt Ephrems einen doppelten Zweck erfüllen: Sie soll in den religiösen, wirtschaftlichen und politischen Wirren, von denen unsere Zeit in un- Maße wird, Welt- geschichte nicht stürmendes Sie wird Unruhe der erinnern, daß
durchrüttelt zeigen, daß Ruhe bedeutet, uns Katholiken Gegenwart aber wieder wir in unserer Religion einen sicheren Kompaß haben, beneidenswert sicher führt,
erhörtem sondern Leben. in der einmal daran der uns in allen Stürmen
wenn wir uns nur durch unsere Religion führen lassen. Was nun die Briefschreiber betrifft, so erscheinen als Vertreter des Hochadels die Gräfinnen Mathildce und Antonia Hoensbroech, Mutter und Tochter. Die Hoensbroechs sind Limburger Ulradel und in der Rheinprovinz und in den Niederlanden begütert. Der zur Zeit des Konzils lebende Franz Egon(1805—1874) überließ 1872 sein an der holländischen Grenze bei Goch in der Heide gelegenes Wasserschloß Blyenbeck den durch den Kulturkampf aus Deutschland vertrie- benen Jesuiten, die dort ihr Noviziat einrichteten.


