Jahrgang 
1928
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Zunächst konnte in das Schulneubau-Programm für 1928 und die folgenden Jahre nur eine neue, dringend not- wendige Turnhalle und die Ums randlung der alten in einen Lehrfilmraum aufgenommen werden. Die alte Turnhalle ist vom Gesichtpunkt des Turnens und der Hygiene von allen zuständigen Behörden seit Jahren als völlig unzuläng- lich erkannt worden. Der Lehrfilm und seine Bedeutung erfordern dringend einen Raum, der es gestattet, dieses neue Lehrmittel unserer Jugend im Unterricht zugänglich zu machen, zumal uns das Ausland auf diesem Gebiete weit überholt hat.

6. Lehr- und Lernmittel

a) Anschauungsmittel-

Die Anschauungsmittel für Erdkunde, Geschichte und Naturwissenschaften wurden im Rahmen der vorhandenen Mittel ergänzt.

b) Unser Lautsprechapparat.

Im Unterricht haben wir bislang den Lautsprechapparat schmerzlich entbehren müssen. In diesem Schuljahr konnten wir ihn uns beschaffen. Da im Unterricht nur ein sehr guter Apparat Nutzen versprechen kann, kauften wir den Elektri grammaphon-Apparat, den wir in einer besonderen Veranstaltung den Schülern und Eltern vorführten, um seine viel- seitige Verwendung im modernen Schulunterricht zu zeigen. Denn er wird gebraucht im fremdsprachlichen, im Musik- und im Deutsch-Unterricht.

Zur Verwendung der Lautplatte im fremdsprachlichen Unterricht schreibt St.-R. Michel:

Die große Bedeutung des Grammophons als Unterweisungsmittel liegt darin, daß es die fremdsprachliche In- bonation lebendig in unverwischbarem Eindruck übermittelt. Daniel Jones hat in der Einleitung zu seinenIntonation Gurves betont, daß ihm das Grammophon bei seinen Arbeiten die allerbesten Dienste erwiesen hat. Dem Schüler geht nun beim Anhören der fremden platten die natürliche Intonation unmittelbar ein. Beim frühzeitigen Gebrauch der Plat- ten ist also eine Belehrung über die Intonation nur eine Sichtung und Bestätigung des bereits unbewußt, rein imitativ Erfaßten. Mit der Sprachmelodie ist aber das Ohrenfälligste des fremden Klanges und damit zugleich das Wesentliche des inneren Rhythmus errungen. Daß das Ohr durch die Stete Wiederholung auch die Eigenart der fremden Einzellaute deutlich aufnimmt und der Schüler unter Anleitung des Lehrers den Klang bestmöglichst selbst erzeugen lernt, ist der andere Gewinn, der aus der Verwendung der Sprechmaschine erwächst.

Das Grammophon darf die persönliche Arbeit des Lehrers nicht ersetzen, es braucht seine persönliche Wirkung nicht zu beeinträchtigen. Erst die sorgfältige und gründliche Einübung des Textes ermöglicht die fruchtbare Aufnahme des Plattenlautstromes durch den kleinen Schüler. Die Stimme des Apparates wird aber dann auch ein mächtiger Helfer sein: er wird dem staunenden Kinde bestätigen, daß die vernommenen Lehren ihm eines tatsächlich vorhandenen Aus- länders Aeußerungen abgebildet haben; dieses Erlebnis sichert einen auditiv erworbenen fest haftenden Gedächtnisbesitz.

Regelmäßig geübtes Grammophonhören wird dazu führen, daß unbekannte Platten, nach Beseitigung aller neuen sprachlichen Schwierigkeiten vom Schüler selbst abgehört werden können. Die dabei aufgebrachte Anstrengung be- festigt die angebahnte Hörgewöhnung, ist vergleichsweise eine frühe Impfung gegen das Hörfieber, vor dem die besten grammatischen und literarischen Kenntnisse den Studenten, ja selbst den geprüften und schon lunge unterrichtenden Pbhilologen nicht bewahren können. Der fortgeschrittene Schüler des systematischen Hörkursus wird schließlich ohne jede Vorbereitung selbständig einen neuen Text von der Wiedergabe der Platte abnehmen und niederschreiben.

Die Sprechmaschine ist schon seit Jahrzehnten ein wichtiges Unterrichtsmittel der Reformer gewesen. Die Arbeiten von Reko. Driesen, Panconcelli-Calzia und Doegen hatten den Boden bearbeitet, und verschiedene Unternehmen ent- standen, die geeignete Platten für den neusprachlichen Unterricht lieferten. Der direkte Unterricht besaß ein Werkzeug, die auditive Auffassungsgabe mit von Ausländern gesprochenen Texten aufs intensivste zu nützen. Es dürfte heute keinen Neusprachler geben, der nicht wenigstens am Semesterabschluß zur Belohnung eine oder zwei Platten aufgelegt hätte. Mancher hat auch schon das in der Anstaltssammlung gebotene Material mit methodischer Regelmäßigkeit und Gründ- lichkeit ausgenutzt.

Ferner ist aus dem früheren Gesangsunterricht an allen Schulen nunmehr ein Musik- unterricht geworden, und in den Richtlinien für die Lehrpläne der höheren Schulen v. J. 1925 sind die Gebiete des deutschen Musikwesens und der deutschen Musikgeschichte für die einzelnen Klassen genau bezeichnet. Um nun die Werke, die der Lehrer im Unterricht behandeln will, den Schülern in ausgewählten Beispielen zu Gehör zu bringen. sind die Lautplatten ein unentbehrliches Lehrmittel. Daß der beste Apparat und die beste Platte hierfür gerade genügen, ist wohl selbstverständlich.

Endlich im deutschen Unterricht wird er uns Aussprache und Vortrag bester Sprachkünstler vermitteln können.

Pür die Stiftung guter Lautplatten wären wir bei unsern bescheidenen Etatmitteln sehr dankbar.

c) Unser Harmoninum.

Der Musikunterricht pflegt bei uns das Kirchenlied. Hierbei vermißten wir seit langer Zeit das Harmonium. Der Selektenschulverein E. V. stiftete ein schönes, kleines Harmonium, das mit seinem vollen Klang uns ein dankbares Hilfs- und Lehrmittel ist, bis glückliche Umstände uns ein größeres bescheren.

d) Schülerbücherei.

Dieselbe wurde im Rahmen der hierfür bereit gestellten bescheidenen Mittel ergänzt.

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