— 56—
und Mittwoch, 26. Januar 1910, dem Unterricht sämtlicher in den Realgymnasialklassen unterrichtenden Herrschaften bei.
Im Laufe des Schuljahrs hörten sich mit behördlicher Genehmigung den Unterricht in einzelnen Klassen der Schillerschule an: am 23. und 24. Juni Prof. Zeiger aus Patterson (New-Jersey); am 25. Juni Fräulein Dr. Ellen Scott-Davison,I Dozentin an der Bradford Academy bei Boston(Massachusetts); am 25. und 26. Juni Fräulein Ellen Ostrand, Lehrerin zu Umea(Schweden); vom 21. bis 26. August Fräulein Berg, Lehrerin zu Stavanger(Norwegen); am 6. September Dr. Lenschau, Direktor der 3. Höheren Mädchen- schule zu Charlottenburg; am 14. und 15. September Direktor Dimitriscu aus Bukarest; am 9. November Direktor Dr. Krüger aus Braunschweig; am 22. November Fräulein von Beckerath aus Düsseldorf; am 16. und 17. Februar Prof. Cyga aus Lemberg: am 9. März Fräulein Anna Pashee, Lehrerin zu Somerset(Massachusetts).
3. Prüfungen.
Freitag, 25. Februar, wurde die Aufnahmeprüfung für Klasse M 7 abgehalten. Von den 26 Prüflingen bestanden 23.
Zum erstenmal konnten wir in diesem Jahre die Reifeprüfung der Abiturientinnen an der eignen Anstalt abhalten. Daß uns die Genehmigung dazu erteilt wurde, dafür sind wir besonders Herrn Geheimem Regierungsrat P. Meyer zu Berlin und Herrn Kgl. Provinzial- schulrat Prof. Dr. Borbein zu herzlichem Dank verpflichtet.
Die schriftliche Reifeprüfung wurde in den Tagen vom 9. bis 11. und am 14. und 15. Februar abgehalten. Die Aufgaben lauteten:
1. Deutscher Aufsatz: Welche Vorteile können einem Volke aus Kolonien erwachsen? 2. Lateinische UÜbersetzung: Livius, ab urbe condita XXXIX, 51.§ 4— 12.
3. Französischer Aufsatz: Les Cent Jours(1815).
4. Mathematische Arbeit:
a) Durch den Punkt P(= 9, v 10) der Parabel vy²2= 4x ist die Sekante gelegt, die auf der Geraden y=—α᷑— 3 senkrecht steht. Wie groß ist das von ihr abgeschnittene Parabelstück?
b) Die Länge aller Kanten eines Quaders beträgt 60 cm, die Diagonale VW7 em und der Inhalt 120 ccm. Bilde die Gleichung, die die Länge der 3 Seiten als Lösungen hat, und löse sie auf.
c) Wie groß ist der größte unter allen geraden Kegeln mit der Seitenlinie a?
d) An einem Sommermorgen war in Berlin(— 52⁰ 319, als die Sonne genau im Osten stand, der Schatten eines senkrechten Stabes doppelt so lang als der Stab selbst. Wie groß war die Deklination der Sonne, und um wieviel Uhr geschah die Beobachtung?
5. Physikalische Aufgabe: Was ist spezifische Wärme, und wie bestimmt man sie?
Die mündliche Reifeprüfung wurde unter Vorsitz des Herrn Kgl. Provinzialschulrats Prof. Dr. Borbein unter Anwesenheit des Herrn Stadtrats Dr. Ziehen als Vertreter der Patronatsbehörde am 7. und 8. März abgehalten.


