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Der Unterricht in der höheren Mädchenschule erfolgte im gegen- wärtigen Jahr nach einem besonders aufgestellten Unterrichtsplan, der die Uber- leitung in die durch die Neuordnung vom 18. August 1908 festgestellte Form er- möglicht. Von Ostern 1910 wird nunmehr die Unterweisung nach dem neuen amt- lichen Lehrplan statthaben. Durch Ministerialerlaß vom 9. Juli ist unsere Mädchen- schule als höhere Mädchenschule anerkannt worden.
Die Einführungsklasse Vermittlungsklasse), deren Begründung im vorigen Jahresbericht erwähnt worden ist, erfreute sich während des ganzen Jahres eines regen Besuches; 28 Knaben und Mädchen im Alter von 5—6 Jahren wurden von der Lehrerin Frl. Irma Dresdner, die in ihrem Wirken durch Hilfs- Kräfte unterstützt wird, nach dem bewährten Vorbild des Pestalozzi- Fröbelhauses zweckentsprechend in Zimmer und Garten beschäftigt und allmählich in das Schul- gebiet eingeführt.
Der Lektüre der verderblichen Schundliteratur konnten wir wirksam durch Begründung besonderer Klassenbüchereien begegnen, für welche uns der Schulrat ausreichende Mittel aus dem Dr. Simon Maas'schen Legat zur Verfügung stellte. Den Klassenlehrern und Klassenlehrerinnen wurde eine Anzahl geeigneter Bücher(etwa 50 für jede Klasse) übergeben, die sie an die Kinder ihrer Klasse in genau bestimmter Zeitfolge verteilten; am Ende des Schuljahrs werden die Bücher an den Bibliothekausschuss von den Ordinarien zurückgeliefert und hier wiederum gesichtet; mit Beginn des neuen Schuljahrs erhalten dann die Ordinarien wiederum für jede Klasse eine geeignete, dem Alter der Kinder entsprechende Zahl von Jugend- schriften. Unserem Bestreben, auf diesem Wege die Schundliteratur auszuschalten, wird freilich nur dann voller Erfolg beschieden sein, wenn die Eltern mit gleicher Sorgfalt wie die Schule auf die Lektüre der Kinder achten und nur solche Bücher dulden, die frei von jeder Geist und Körper schädigenden Einwirkung den Sinn für das Gute, Edle und Schöne in den jugendlichen Herzen wecken.
Auch in diesem Jahre wurden zwei Elternabende abgehalten, in denen in Gegenwart der zahlreich erschienenen Angehörigen unserer Zöglinge Fragen aus dem Gebiet der Erziehung und des Unterrichts erörtert wurden. Am 2. November behandelte der Lehrer an der Realschule Herr Seelig die erziehliche Beeinflussung des Kindes im ersten Schuljahr, am 2. Februar Herr Prof. Dr. Cohn den Unterricht in den neueren Sprachen und der Direktor die Neuregelung der Unterrichtszeit durch Einführung der sog. Kurzstunden. Beide Elternabende gaben willkommene Gelegenheit zum Gedankenaustausch zwischen Eltern und Lehrerkollegium und haben so ihren Zweck in erfreulicher Weise erfüllt.
Im Auftrage des Herrn Ministers der geistlichen etc. Angelegenheiten unter- zog der Professor an der Kgl. Akademie der bildenden Künste zu Oassel, Herr Carl Jung, am 11. August den Zeichenunterricht an der Realschule und an der höheren Mädchenschule einer Revision und hielt darauf mit dem Direktor und den Zeichenlehrern eine Besprechung ab. Wir sind Herrn Prof. Jung für seine


