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einzelne UÜbungsarten und auf kurze Zeit zu beschränken. Die Schüler verweichlichen sonst geradezu und schrecken sogar davor zurück, an den täglichen Freiübungen der ganzen Schule teil- zunehmen, da auch diese zehn Minuten in Anspruch nehmenden Ubungen sie schädigen könnten. Um das Interesse am Turnen zu erhöhen, werden von nun ab die vom Turnen befreiten Schüler in allen Turnstunden zugegen sein und dadurch vielleicht eher Geschmack an dem so gesunden, frischen, fröhlichen Turnbetriebe finden. Sehr wertvoll wäre es,-wenn die vor- gesetzte Behörde für die Berechtigungsscheine zum Einjährig-Freiwilligen-Dienst und für die Reifezeugnisse bestimmte ausführliche Angaben über die körperliche Ausbildung während der Schulzeit beanspruchte. Wieviel die Schüler entbehren, die sich im Einverständnis mit den Eltern nun auch noch dem Jugendspiel entziehen, scheint manchen Eltern gar nicht zum Bewußtsein zu kommen! Das Jugendspiel gibt nicht nur die gesunde Bewegung in der freien Natur, sondern macht die Schüler frisch, mutig und gewandt und erzieht zur Unter- ordnung unter das große Ganze zur einheitlichen Verfolgung desselben Ziels, für das alle ihre Kräfte gleichmäßig einzusetzen haben.
DUnqd nun noch ein Wort zu Gunsten des Handfertigkeitsunterrichtes. Heute, wo die Überfüllung der gelehrten Berufe so groß geworden ist, daß überall dringende Mahnrufe an die Lehrerkollegien gerichtet werden, man mõge die Abiturienten vor den verschiedensten Studien warnen, scheint es vor allem angezeigt, die Eltern zu ermahnen, ihre Kinder nur bei besonders guten und ausgesprochenen Fähigkeiten die höhere Schule durch- machen zu lassen. Warum gehen nicht mehr Schüler nach Erlangung des Einjährigen-Zeug- nisses zum Kunsthandwerk über, weshalb wenden sich fast alle dem Kaufmannsstande oder der Beamtenlaufbahn zu? Ist nicht hieran unsere zu einseitig geistige Ausbildung schuld; wäre es nicht richtiger, die Schüler von Beginn ihrer Schulzeit an mit Handarbeiten zu be- schäftigen und diese als Pflichtfach in den Rahmen jeder Schule aufzunehmen? Durch eine frühzeitige Dbung und Ausbildung der Hand würde eine weit größere Wertschätzung der Handarbeit im Gegensatz zur Geistesarbeit eintreten, und viele Schüler würden rechtzeitig Geschmack daran finden und zu einem ihren Fähigkeiten entsprechenden Berufe greifen, während jetzt für die Berufswahl meist keine besonderen Fähigkeiten vorliegen, sondern oft nur äußere Gründe maßgebend sind. In jedem Jahre fordere ich die Schüler und die Eltern auf, von den Einrichtungen, die unsere Schule nach dieser Richtung hin bietet, Gebrauch zu machen, und trotzdem nehmen nur wenige Schüler daran teil, weil die Handfertigkeit eben nur Wahlfach und nicht Pflichtfach ist. Wie wertvoll die Beschäftigung der Schüler der Großstadt gerade mit solchen Arbeiten ist, will ich hier nur andeuten. Die Schüler wollen in ihren Mußestunden sich nicht nur mit der Lektüre guter Bücher oder mit Musik beschäftigen, sie suchen andere Erholung, und wenn sie keine bessere kennen, werden sie sehr leicht zur gefahrbringenden Verwendung ihrer freien Zeit veranlaßt. Man schaffe bei Zeiten die Lust in ihnen, sich in der Freizeit mit nützlichen, anregenden Hand- arbeiten zu beschäftigen, die den Gedanken eine gesunde, heilsame Ablenkung bieten.
Bei Schulversäumnis wegen Krankheit ist spätestens am 2. Tage eine Anzeige einzusenden. Bei seinem Wiedererscheinen muß der Schüler eine schriftliche Entschuldigung mitbringen, auf der Grund und Dauer der Versäumnis genau anzugeben sind.
Betreffs der bei ansteckenden Krankheiten zu beachtenden Maßregeln wird auf den Ministerialerlaß vom 9. Juli 1907 verwiesen. Im Interesse der Gesundheit der Schüler liegt es, daß die im Verkehr mit den erkrankten Kindern stehenden Angehörigen während der Ansteckungsgefahr die Schule nicht betreten, sondern sich mit schriftlichen Mitteilungen begnügen.
Verläßt ein Schüler während des Unterrichts die Schule wegen Unwohlseins, so hat er dies sofort dem Klassenlehrer anzuzeigen.
Wiederholt haben Schüler angegeben, sie seien am Vormittag zum Arzt oder Zahnarzt bestellt worden; im Interesse des Unterrichts sind solche Störungen zu meiden und die Besuche am Nachmittag auszuführen.
Unter Bezugnahme auf wiederholte Mitteilungen der Polizei ersuche ich die Eltern, auch ihrerseits die Kinder vor dem so gefährlichen Auf- und Abspringen von den in Fahrt


