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kaiserlichen Nordarmee heraufbeschwor. Aufmerksam lauschten wir den erhebenden Worten unseres Führers, der noch einmal das beispiellose Ringen mit all seinem Schlachtenruhm, aber auch mit seiner ganzen Tragik in uns aufleben ließ; wir sahen das Gewimmel der Rothosen in ihrer vortrefflichen Deckung, sahen die furchtbaren Lücken, die die einschlagenden Granaten und das Höllenfeuer der weittragenden Chassepots in„rasanter“ Flugbahn in den Reihen unseres schönsten Korps rissen, noch ehe die Braven mit ihrem Zündnadelgewehr zum Schusse kommen konnten. Die Rückfahrt durch das in Abendschatten ruhende liebliche Chatel-Tal löste allmählich den hehren Bann, der uns diesen Tag über gehalten, und in der freudig gehobenen Stimmung des festlichen Mahles, das uns am Abend im Unteroffizierkasino„unserer“ 67er ver- sammelte, fehlte neben dem ernsten Ton gedenkender Worte auch die heitere Note nicht. Mit leiser Genugtuung hörten wir die Rede eines lieben Gastes, des Herrn Prof. Dr. Dörr aus Metz, der bewundernd unsere große Frankfurter Schulfamilie samt ihrem Vater pries. Am meisten aber doch an diesem unvergeßlichen Abend schlug unser Herz für unser deutsches Heer und für unseren trefflichen Führer, um so mehr, als uns dieser nun die hohen Ziele der Pfadfinderbewegung entwickelte und uns so empfinden ließ, wie sehr sein Inneres von dem Streben nach körperlicher, geistiger und sittlicher Ertüchtigung der deutschen Jugend bewegt war. Nachdem wir in der Frühe des vierten Tages auf dem Wege zum Bahnhof noch den Dom und das deutsche Tor besichtigt, auch aus zarter Damenhand eine reiche Apfelspende gerne entgegen genommen hatten, verließen wir zum zweiten Male den Reichsboden, um die überwältigend wirkenden natürlichen Bastionen der alten Bundesfeste Luxemburg zu bewundern. Aber nicht lange hielt es uns im fremden Lande. Unser letztes großes Ziel war die alte Kaiserresidenz Augusta Trevirorum mit ihrer Fülle von römischen Denkmälern, in deren Be- trachtung uns in Frankfurt schon ein Vortrag des Herrn Professor Dr. Dragendorff eingeführt hatte. Staunend standen wir vor dem„schwarzen Tore“, betrachteten wir die weiten Aus- messungen des Kaiserpalastes, die reiche Mannigfaltigkeit des römischen Museums. Auch an diesem letzten Abend konnten wir bei zwanglosem Zusammensein liebe Gäste begrüßen, so Herrn Direktor Dr. Poppelreuter vom Trierer Gymnasium, der in beredten Worten ebenfalls die Frankfurter Musterschulfamilie pries. Mit dem brausenden Beifall auf eine zündende Improvisation unseres Direktors schloß der schöne Abend. Am nächsten Morgen fanden wir noch in Herrn Museumsdirektor Dr. Krüger den sachkundigen Interpreten für die interessanteste Sehenswürdigkeit Triers, die römischen Bäder, und dann begann die heimwärtsführende Mosel- fahrt, die wir nur einmal unterbrachen, um von Moselkern aus in ihrem lieblichen Versteck die von den Mordbrennern des rex christianissimus übersehene Burg Elz zu besuchen. Schon lagerten schwarze Schatten im Rheintal, als am„Deutschen Eck“ eine deutsche Jungmann- schaft huldigend vor dem Denkmal des unvergeßlichen Kaisers stand und unter dem Rauschen von Rhein und Mosel sich die Klänge der Kaiserhymne drüben an den trotzigen Felsenwerken der Feste Ehrenbreitstein brachen. Wohl ausnahmslos waren alle Teilnehmer der Fahrt einig in dem erhebenden Gefühle, um eine große Lebenserinnerung reicher zu sein.
Die alljährliche Sylvesterfahrt auf den Feldberg unter der bewährten Leitung von Herrn Professor Dr. Reinhardt fand auch dieses Jahr wieder am 29. Dezember unter zahl- reicher Beteiligung statt.
3. Vorträge, Aufführungen, Besichtigungen; Elternabend.
Die Veranstaltungen zur Anregung der Schüler, teils von der Schule allein, teils vom Musterschulverein und der neusprachlichen Vereinigung ausgehend, waren in diesem Jahre be- sonders zahlreich. Wir können hier nur eine kurze UÜbersicht des Gebotenen geben.
Vorträge: Herr Kremershoff: Blüten und Perlen deutscher Dichtkunst. Herr Dr. Bohnert, Direktor der deutschen Schule in Rom: Deutsche Schulen im Ausland. Herr Shore: Uber die Rettung Ertrinkender. Herr Oberleutnant Hilken: Deutsch-Südwestafrika. Herr Professor Dr. Dragendorff: Das antike Trier, Fräulein Hedeler: Vorträge aus Reuter zu Reuters 100. Geburtstage. Herr Cointot- Le Cid. Herr Rektor Lang: Die Anlegung von Sammlungen. Herr Delbost: Französisches Schulwesen. Herr Dr. Gantter: Kriegserlebnisse 1870/71.


