Jahrgang 
1910
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Erklärung; Blutkreislauf, Atmung und Verdauung ließen sich auf chemische Vorgänge zurück- führen. Mit besonderem Nachdruck wurde immer wieder betont, wie wichtig die An- wendung der gefundenen Erfahrungstätsachen auf die Gesundheitslehre ist.

Von Neujahr bis Ostern wurden einige Abschnitte aus der Anatomie und Physiologie der Pflanzen in derselben Weise behandelt.

Der schon vorher betonte Grundsatz, daß nur Selbstbeobachtetes und durch Ver- suche Festgestelltes in den Bereich der Betrachtung gezogen und zu Schlußfolgerungen ver- wandt werden darf, galt durchweg während des ganzen Lehrganges. Natürlich war nicht ausgeschlossen, daß allgemein anerkannte Theorien Erwähnung finden und den Gegenstand von Besprechungen bilden. Stets aber wurde der vornehmste Zweck des Unterrichts im Auge behalten: das häufig noch schlummernde Beobachtungsvermögen des Schülers zu wecken, ihn an sorgfältiges, richtiges Beobachten, an peinlich saubere, wissenschaftliche Arbeit zu gewöhnen, in ihm dadurch tieferes Verständnis für das Naturganze wachzurufen, sein Denken anzuregen und ihm so zu zeigen, wie man nur durch eigene, eifrige, ernste Arbeit zur Wahrheit gelangen kann.

Nicht unerwähnt darf bleiben, daß es schwierig war, von vorn herein einen sicheren, gut gangbaren Weg zum Ziele anzugeben. Mancherlei Fragen entrollton sich erst während des Unterrichts; oft ergaben sich im Laufe der Zeit neue Gesichtspunkte, die mit Notwendig- keit dem Unterricht eine neue Richtung oder einen ganz neuen Weg aufzwangen.

Jedenfalls aber hat das neue Fach durch die nur ihm eigentümliche Arbeits- weise, durch die dadurch herbeigeführte Schärfung und Verfeinerung des Wahrnehmungs- vermögens, durch die zuverlässige Anleitung zur Begriffsbildung und zur logischen Verknüpfung von Erfahrungstatsachen, durch Erziehung zum vorurteilsfreien, kritischen Denken, zur an- gestrebten allseitigen geistigen Schulung, zur Verstandes- und Charakterbildung unserer Zöglinge mit beigetragen. Sicher sind dabei auch Phantasie und Gemuüt nicht leer ausge- gangen, denn aus dem Verständnis für biologische Tatsachen erblüht ganz von selbst die Empfänglichkeit für das Schöne und Bewunderungswürdige in der Natur ringsum und für das Geheimnisvolle der in ihr waltenden Kräfte. Neumann.

5. Bemerkungen zu einzelnen Unterrichtsfächern.

Der katholische und der wahlfreie israelitische Religionsunterricht wurde in je 2 Abteilungen der Vorschule und in je 4 Abteilungen des Realgymnasiums mit je 2 Stunden erteilt(kath. Religion Sexta 3 Stunden). S. S. 3 und 4.

Am wahlfreien Linearzeichnen beteiligten sich in 4 Abteilungen zu je 2 Stunden 19 Schüler aus Obertertia, 20 aus Untersekunda, 11 aus Obersekunda und 9 aus Prima.

Schreiben. Die Schüler mit mangelhafter Schrift von den Klassen Quarta bis Obertertia(S. H. 27, W. H. 23 Schüler) erhielten wöchentlich 1 Std. Schreibunterricht; an dem Lehrgang für Rund- und Zierschrift beteiligten sich sämtliche Schüler der Quarta.

Turnen: Die Anstalt besuchten(mit Ausschluß der Vorklassen) im Sommerhalbjahr 317, im Winterhalbjahr 316 Schüler. Von diesen waren befreit:

1 P[Vom Turnunterricht überhaupt: Von einzelnen Übungsarten: Auf Grund ärztlichen Zeugnisses.. im S. 15, im W. 18 im S. 7, im W. 2 Aus anderen Gründen....... im S., im W. im§., im W.,

zusammen im S. 15, im W. 18 im S. 7, im W. 2 Also von der Gesamtzahl der Schüler im S. 4,74%, im W. 5,7% im S. 2,2%, im W. 0,63%