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4. Biologie in den oberen kKlassen.
Am 14. September 1907 erfolgte seitens des Herrn Unterrichtsministers ein Erlaß an die Provinzialschulkollegien, worin er diese aufforderte, ihm Bericht zu erstatten, unter welchen Umständen man der Einführung biologischen Unterrichts in den oberen Klassen der höheren Lehranstalten Preutzens, der seit einer Reihe von Jahren von verschiedenen Seiten, besonders nachdrücklich von mehreren Versammlungen der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Arzte gewünscht worden war, näher treten könne. Von vornherein wurden in diesem Erlasse die folgenden Bedingungen als maßgebend hingestellt:
1. Vorhandensein eines geeigneten Lehrers, der die Lehrbefähigung in Biologie für
die Oberklassen besitzt;
2. Antrag seitens des Direktors und des Lehrerkollegiums,
3. keine Vermehrung der Gesamtstundenzahl,
4. Beschränkung auf Unterprima und Oberprima.
Auf Grund der Berichte, die von den Provinzialschulkollegien daraufhin erstattet wurden, zeigte sich der Herr Minister in dem Erlatz vom 19. März 1908 geneigt, die Ein- führung des biologischen Unterrichts unter den genannten Bedingungen zu genehmigen. Aus den eingegangenen Gutachten wurden folgende Gesichtspunkte zu allgemeiner Beachtung und Verwertung hervorgehoben:
1. Bei dem in Aussicht genommenen biologischen Unterricht handelt es sich nicht um stoffliche Vollständigkeit oder um die Vermittlung abfragbaren Wissens, sondern vielmehr darum, Interesse und Verständnis für biologische Betrachtungsweise zu wecken und den Sinn für eigene Beobachtung in dieser Richtung anzuregen. Die eigene Anschauung des Schülers ist möglichst zur Grundlage der Belehrung zu machen. Auf Schülerübungen ist Wert zu legen. Aus der großen Fülle des Lehrstoffs soll eine nur mäßig große Auswahl getroffen werden.
2. Der Unterricht ist nur dann zuzulassen, wenn er von dem Lehrer für Physik oder Chemie übernommen werden kann, der überhaupt bestrebt sein soll, zwischen den einzelnen Fächern der Naturwissenschaften möglichst viel gegenseitige Anknüpfung zu suchen.
3. Die für den Unterricht nötigen Stunden dürfen wöchentlich abwechselnd ver- schiedenen Fächern entnommen werden.
Auf Grund dieser Bestimmungen beschloß das Lehrerkollegium der Musterschule in der Konferenz vom 6. Mai 1908, einen Versuch mit der Einführung des biologischen Unter- richts zu machen. Die in Frage kommenden Herren erklärten sich bereit, abwechselnd die nötige Stundenzahl zur Verfügung zu stellen, sodaß eine Mehrbelastung der Schüler aus- geschlossen war. Auf Grund dieses Beschlusses und der Beratungen der Fachlehrer wurde an das Kgl. Provinzialschulkollegium berichtet. Eine endgültige Entschließung in Bezug auf die Auswahl und Anordnung des Lehrstoffs war allerdings dann noch nicht möglich, weil sie von der Antwort auf eine Eingabe an das Kuratorium abhing, worin wir um die Mittel zur Anschaffung der für solchen Unterricht nöõtigen Lehrmittel, besonders von Mikroskopen, baten. Als der Bescheid erfolgte, daß die erbetenen Mittel nicht gewährt werden könnten, gestaltete sich von Ostern 1909 in Unterprima, die für den Versuch bestimmt worden war, der Unter- richt im allgemeinen folgendermaben:
Anknüpfend an den schon bekannten Bau des Menschen wurden die Hauptvertreter der Wirbeltiere und ihre wichtigsten Organsysteme(stets an der Hand von selbstbeschafftem Tatsachenmaterial) vom Standpunkte der vergleichenden Anatomie aus besprochen. Der Knochenbau, das Muskelsystem, die Atmung, der Blutkreislauf, die Verdauung wurden nach physiologischer, physikalischer und chemischer Seite hin erörtert, ihr Wesen und ihre Be- ziehungen zu einander durch Beispiele veranschaulicht. Keine Gelegenheit, die sich zur An- knüpfung an andere Fächer bot, ging ungenutzt vorüber: bei der vergleichenden Behandlung der Bewegungswerkzeuge kriechender, schwimmender und fliegender Tiere wurden die hier- her gehörigen physikalischen Gesetze zur Erläuterung herangezogen; bei der Betrachtung der Sinnesorgane lieferte die Lehre vom Licht und vom Schall eine ausgezeichnete Grund- lage; die Körperbedeckung verschiedener Tiere fand durch die Gesetze der Wärmelehre ihre


