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Die Eltern wollen dafür Sorge tragen. daß die Kinder ihren Schulweg nicht durch Umwege, müßsiges Stehenbleiben an Schaufenstern u. a. m. in die Länge ziehen und dadurch zu spät zur Schule, bzw. nach Hause kommen. Aubßerdem ist ihnen Anstand und Ruhe beim Zusammengehen mit Mitschülern zur Pflicht zu machen.
„Ein Buch hat oft einen Menschen für seine ganze Lebenszeit gebildet oder ver- dorben“. In Erinnerung an dieses erüste Wort Herders hält es die Schule für ihre Pflicht, auf die Unterhaltungslektüre der ihr anvertrauten Jugend ein wachsames Auge zu richten. Deshalb legt sie auf sorgfältige Auswahl der für die Schülerbibliothek bestimmten Bücher das größte Gewicht und erhebt ihre warnende Stimme vor Gefahren, welche infolge schlechter Lektüre der Jugend drohen.
Neuerdings macht sich nun in den Schaufenstern einer großen Anzahl von Papier- geschäften, Zigarrenläden, Kolportagebuchhandlungen und in Zeitungsständen eine umfang- reiche Schundliteratur breit: Nik Carter, Sherlock Holmes, Nat Pinkerton, Ethel King, Kapitän Morgan, Buffalo Bill, Texas Jack, Dumme Jungenstreiche u. à.
Durch Inhalt, Ausstattung und Preis stellt sich diese verwerfliche Literatur als eine unheildrohende Gefahr für unsere Jugend dar. Der Inhalt ist aufregend, abenteuerlich und oft pikant; die geschilderten Abenteuer sprechen aller Wirklichkeit Hohn und rauben den unverständigen Lesern den Sinn für die tatsächlichen Verhältnisse des Lebens. An der un- natürlichen Darstellung wird dann die jugendliche Phantasie in zügelloser Weise entzündet; es erwacht die verderbliches Neigung, auch solche wagehalsige Streifzüge zu unternehmen, zu Kampf und Streit sowie auf Raub auszuziehen und als kühne Helden Ruhm und Ehre zu gewinnen.— Die zum Ankauf reizenden Umschlagzeichnungen dieser Schundware stellen in grellen Farben eine aufregende, gewöhnlich verbrecherische Szene der Geschichte dar, über welcher sich dann ein möglichst abenteuerlich klingender Titel befindet. Die Rück- seite des Umschlages dient entweder der Reklame der Schundschriften oder gar zur Ver- öffentlichung von Anzeigen schlimmster Art.— Der Preis der Schundhefte beträgt dabei nur 5 bis 20 Pfg., je nachdem ſneue oder antiquarische Exemplare verlangt werden; dazu verleitet gerade der billige Preis des einzelnen Bandes häufig die Jugend zur Anschaffung einer großen Anzahl solcher Machwerke.
Oft genug hat die Schule leider die Wahrnehmung des schlechten Einflusses der Schundlektüre auf die Schüler machen müssen, und die Tagesblätter berichten immer erneut von Fällen, wie jugendliche Gemüter durch Berührung mit derartigen Erzeugnissen auf schlimme Wege geraten und selbst mit dem Strafrichter in Konflikt kommen.
Um solchen gefährlichen Verirrungen unserer Jugend vorzubeugen, bedarf es des einmütigen und verständnisvollen Zusammenwirkens von Haus und Schule. Daher richten wir an die Eltern unserer Schüler die dringende Bitte, unter keinen Umständen solche Schund- lektüre in den Händen ihrer Kinder zu dulden, sondern sie unerbittlich zu vernichten; denn hier vor allem gilt das Wort Goethes:„Für Kinder ist das Beste gerade gut genug“!
Die Eltern erweisen ihren Kindern durch sorgfältige und genaue Aufsicht über ihre Lektüre einen großen Dienst nicht nur für die Schulzeit, sondern für das ganze Leben. Die Schule ist jederzeit gern bereit, ihnen mit Rat und Tat nach Kräaften beizustehen, um durch gute Lektüre in unserer Jugend das Streben nach dem Guten, Edlen und Schönen zu wecken und zu fördern.
Die Eltern wollen dafür sorgen, daß die Schüler ihre Aufgaben gewissenhaft aus- führen und alle häuslichen schriftlichen Arbeiten schön und sauber schreiben. Bei Ver- nachlässigungen bitten wir die Arbeiten durchzustreichen und sofort nochmals anfertigen zu lassen. Falls einmal zu viele Aufgaben gestellt sind, sollen die Schüler lieber weniger, aber gute Arbeit liefern und dies zu Beginn der Stunde dem Lehrer melden.
Die Arbeit des Lehrers wird durch die Vergeßlichkeit und Unordnung einzelner Schüler sehr erschwert. Gerade hierin können die Eltern unsere Bestrebungen besonders wirksam unterstützen, wenn sie namentlich in den Unterklassen streng darauf halten, daß die Schüler bereits am Abend alles, was sie für den Unterricht am nächsten Tage brauchen, ge-


