Jahrgang 
1908
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Unsere Anstalt nahm auch herzlichen Anteil an dem Hinscheiden des Herrn Professors Dr. Höfler, der ebenfalls in den Ferien, am 21. Juli, entschlief. Auch dieser Kollege hat 15 Jahre, von 1875 1890, an unserer Schule mit großer Treue und regem Eifer gearbeitet und sich besondere Verdienste um den geographischen Unterricht erworben. Nach seinem UÜbergang an die Klingeroberrealschule, der durch den Eingang unserer Herbstklassen nötig geworden war, hat er stets mit seinen alten Kollegen freundschaftliche Beziehungen weiter gepflegt. So war es uns ein Herzensbedürfnis, durch Herrn Oberlehrer Dr. Gündel auf das Grab des hochverehrten Amtsgenossen einen Kranz als Zeichen unserer treuen Gesinnung niederlegen zu lassen.

Am 6. August, in der ersten Versammlung nach den Sommerferien, fand eine Trauerfeier in der Musterschule statt, in der in Vertretung des beurlaubten Direktors Herr Professor Dr. Rausenberger der Tätigkeit des Herrn Professors Höfler gedachte und in ergreifenden Worten ein Lebensbild des Herrn J. Bautz entwarf.

Endlich erwähnen wir noch den Tod des Herrn Professors Dr. Georg Krebs, der im Alter von 74 Jahren am 27. Oktober 1907 gestorben ist. Herr Professor Krebs hat vom Herbst 1876 bis zu seiner Pensionierung, Herbst 1894, dem Lehrerkollegium der Musterschule angehört. Ein in weiten Kreisen wegen seiner wissenschaftlichen Arbeiten und reichen literarischen Tätigkeit angesehener Physiker, war er zugleich ein anregender, durch Unterrichts- geschick ausgezeichneter Lehrer, der seine Schüler durch seine experimentelle Gewandtheit auf den Gebieten der Naturwissenschaft in hohem Grade zu fördern verstand. Bei seiner Beerdigung am 30. Oktober legte der Direktor im Auftrage des Lehrerkollegiums einen Kranz an seinem Grabe nieder. Die Anstalt wird dem Verblichenen stets ein ehrendes Andenken bewahren.

Der Direktor mußte aus Gesundheitsrücksichten vom 1. Mai bis zum 1. September Urlaub nehmen. Zu seiner Freude konnte er neu gekräftigt am Sedantage wieder zu seiner Schule zurückkehren.

In diesem Schuljahr hatte nur ein Mitglied des Kollegiums die Gelegenheit, sich an einem Fortbildungskursus zu beteiligen, nämlich Herr Professor Dr. Reinhardt an einem 14tägigen naturwissenschaftlichen Ferienkursus in Berlin.

Für das neue Schuljahr hat Herr Oberlehrer Dr. Pitschel einen Urlaub von 3 Monaten zu einer Studienreise nach Frankreich erhalten.

Veränderungen im Lehrerkollegium.

Die durch die Berufung des Herrn Oberlehrers Dr. A. Höfer zum Direktor der Ober- realschule in Wiesbaden freigewordene Stelle wurde Herrn Oberlehrer Dr. G. H. Sander*) vom Reform-Realgymnasium in Kiel übertragen, der sein Amt Ostern d. J. antreten wird.

Inzwischen versah seine Stelle der der Anstalt als Probekandidat überwiesene Herr Dr. A. Keller, der mit Beginn des neuen Schuljahres eine Oberlehrerstelle an der Wiesbadener Oberrealschule übernehmen wird. Herr Dr. Keller hat sich durch sein schlichtes, freundliches

*) Gustav H. Sander, geboren im Juli 1878 zu Cassel, erhielt seine wissenschaftliche Vorbildung auf dem Wilhelmsgymnasium seiner Vaterstadt, das er 1897 mit dem Zeugnis der Reife verließ. Er studierte in den Jahren 1897 1902 in Marburg, Glasgow, Edinburgh und Berlin neuere Sprachen und Latein, wurde im November 1902 in Berlin zum Dr. phil. promoviert auf Grund einer Dissertation überDas Moment der letzten Spannung in der englischen Tragödie und bestand im Juni 1903 in Berlin die Prüfung pro facultate docendi. Vom Junib is September 1903 war er an der XI. Realschule in Berlin aushilfsweise tätig, und wurde dann mit der Vertretung eines erkrankten Oberlehrers an dem Reformrealgymnasium in Kiel betraut. Das Seminarjahr leistete er am Kgl. Gymnasium in Kiel ab, das Probejahr an dem Reformrealgymnasium in Kiel, wo er zu- gleich mit der Verwaltung einer unbesetzten Oberlehrerstelle beauftragt war. Am 1. April 1906 wurde ihm an derselben Anstalt endgültig die Stelle eines Oberlehrers übertragen. Zum 1. April 1908 erfolgte seine Berufung an die Musterschule in Frankfurt am Main.