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4. Gesundheitszustand; Persönliches.
Der Gesundheitszustand der Schüler war in den Realgymnasialklassen im ganzen günstig, während in den Vorschulklassen viele Schüler längere Zeit fehlen mußten.
Leider hat aber der Tod im Lebrerkollegium wiederum eine Lücke gerissen, die nur schwer ausgefüllt werden kann. Inmitten der Sommerferien, am 20. Juli, starb Herr Julius Bautz, der seit Ostern 1869 der Musterschule in voller Hingebung und Treue seine Kräfte gewidmet hatte.
Wie der Heimgegangene in Frankfurt und weit darüber hinaus als Vorsitzender des Sängerchors des Lehrervereins in hohen Ehren stand, so wird sein Name in der Geschichte der Musterschule nie vergessen werden. Er war der erste, der nach seiner Rückkehr von der Zentralturnanstalt hier als Organisator des Turnunterrichts nach preußischem Muster hervortrat und bereits im Jahre 1872, kurz nach den großen Tagen von 18701, einen Turn- plan für die Vorschule und Realschule aufstellte: im Turnen sah er ein Hauptmittel zur Stählung des Körpers, zur Stärkung der Gesundheit, zur Bildung des Charakters, zur Hebung des Mutes und zur Erziehung zur Unterordnung wie in den kleinen Verhältnissen der Schule, so erst recht in dem großen Organismus des Heeres und des Vaterlandes.
Wie der junge Lehrer in straffer Zucht ein vorbildlicher Turnlehrer war, so ward auch bald seine Tätigkeit als Gesanglehrer bedeutsam für unsere Anstalt. Er richtete als erster in Frankfurt im Jahre 1871 einen gemischten Schülerchor ein, nachdem sich die Musterschule zu einer Realschule I. Ordnung entwickelt hatte. Mit innerster Hingabe sang er mit den jugendlichen Scharen geistliche und kirchliche Lieder; von den weltlichen Chören bot ihm Mendelssohn-Bartholdy reiche Auswahl, und sein patriotisches Herz schlug wärmer, wenn er die herrlichen Vaterlands- und Volkslieder aus älterer und neuerer Zeit mit seiner deutschen Jugend sang.
Ja, Julius Bautz, der treue Freund der Jugend, hat Lust und Liebe für die edle Sanges- kunst bei seinen Schülern geweckt! Unvergeßlich werden bei jung und alt sein und bleiben die Gesänge draußen im Walde am 2. September, die Konzerte, die Winterfeste, die er be- geisternd und begeistert leitete; unvergeßlich wird in unserer Anstalt die Erinnerung daran fortleben, wie er beim Hundertjahrfeste der Musterschule die alten Schüler zu stürmischem Jubel durch seinen Chor hinriß!
Mit den Eigenschaften eines hervorragenden Chorleiters verband er auch in seltenem Maße die eines tüchtigen Erziehers der Jugend, die er gründlich förderte, in deren Verkehr er sich stets so glücklich fühlte, und deren Liebe und Anhänglichkeit er in hohem Grade besessen hat.
Wie den Schülern, so war Julius Bautz auch uns Lehrern ein lieber Freund. Als Senior des Kollegiums nahm er eine hochgeachtete Stellung ein. Er galt uns als Hüter der Tradition, der auf eine fast 40 jährige Geschichte der Anstalt mit allen ihren Wandlungen mit klarem Blicke zurückschaute. Sein Wort war uns allen gewichtig; sein Urteil war stets maßvoll und wohlüberlegt.
Das Bild von Julius Bautz wird bei Lehrern und Schülern fortleben als das eines Mannes, der nicht allein durch Worte, sondern durch Taten, durch sein unermüdliches Schaffen und seine echte Menschenfreundlichkeit sich unvergeßlich gemacht hat!
Er ist nur kurze Zeit ernstlich krank gewesen. Am 8. April, bei Beginn des Sommer- semesters, spielte er in der Aula in der Morgenandacht nach alter Sitte den Choral. Das war sein letzter Dienst an seiner Schule; krank ging er heim, ohne die Schule wieder zu be- treten; am 20. Juli hauchte er sein Leben aus.
Die Nachricht von seinem Tode weckte ein trauervolles Echo in den Bergen und an den Seeküsten, wo überall Frankfurter in den Ferien weilten. Nur eine kleine Schar von Lehrern und Schülern stand an seinem Grabe(23. Juli). Hier hielt in Abwesenheit des beurlaubten Direktors Herr Professor Dr. Roemer eine ergreifende Grabrede und widmete im Namen der Musterschule warme Worte der Anerkennung dem lauteren Charakter, dem treuen Arbeiter und dem ehrenfesten Freunde! Have pia anima!—


