Jahrgang 
1905
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schaftlichen Zwecken unternahmen einzelne der Herren mit den Schülern Wanderungen in die nähere und weitere Umgebung der Stadt. Auch die Herren Klassenlehrer machten gelegentlich Ausflüge mit ihren Klassen.

Die Herren Professor Dr. Rausenberger, Professor Dr. Reinhardt und Ober- lehrer Dr. Heddaeus leiteten die Schüler der oberen Klassen auf unserer Sternwarte wiederholt zu astronomischen Beobachtungen an.

Herr W. Freund führte die Primaner von Zeit zu Zeit in den Frankfurter Kunst- verein sowie in die Kunstsalons von Bangel, Goldschmidt, Schneider, deren Besitzer in dankenswerter Weise freien Zutritt gewährten.

Allen Herren Kollegen, die sich auch außerhalb der Schulzeit ihren Schülern in dieser nutzbringenden Weise widmeten, sowie allen, die uns diese Besichtigungen ermöglichten und die Führung unserer Schüler so bereitwillig übernahmen, sei hiermit der beste Dank der Schule ausgesprochen.

Die durch Dekret von 14. Februar erfolgte Ernennung des Herrn Oberlehrers Dr. Reinhardt zum Professor hat uns um so mehr erfreut, als wir so spärlich mit Professoren versehen sind. Vivant sequentes!

Als Ergänzung zur Mitteilung in der vorjährigen Chronik diene die Nachricht, dab Herr Oberlehrer Dr. Höfer seine Reise um die Welt, von der er uns oft mit Zeichen treuen Gedenkens erfreute, soeben glücklich vollendet hat und uns nun hoffentlich recht viel Schönes und Interessantes berichten wird.

Der Gesundheitszustand unserer Schüler war in diesem Jahre recht günstig; doch haben wir leider den Verlust von zwei lieben, tüchtigen Schülern zu beklagen. Am 23. Mai starb nach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden der Unterprimaner Karl Hof; am 16. September verschied nach kurzer Krankheit der Schüler der l. Vor- klasse Heinz Himmighoffen. Lehrer und Schüler gaben den in so jugendlichem Alter Dahingeschiedenen das letzte Geleit und nahmen an dem großen Verlust der schwergeprüften Eltern den innigsten Anteil.

Veränderungen im Lehrerkollegium.

An Stelle der Herren Professor Dr. Neumann und Professor Dr. Maué, die mit Schluß des vorigen Schuljahres in den Ruhestand übergingen, traten die Herren Oberlehrer Dr. Gündel¹) und Oberlehrer Dr. Weidemann*²) in das Lehrerkollegium ein. Die Lehrer- stelle der vorübergehend im Musterschulgebäude untergebrachten überzähligen 3. Vorklasse versah bis zum Herbst Herr Aushilfslehrer G. Gernroth, von da ab Herr Mittelschullehrer

¹) Friedrich Hermann Gündel, geboren 1870 zu Leipzig, besuchte die 1. Bürgerschule und die Thomasschule zu Leipzig. Er verließ diese Anstalt Ostern 1889 mit dem Zeugnis der Reife und studierte, nachdem er seiner Militärpflicht genügt hatte, klassische Philologie an der Universität Leipzig, wo er 1895 mit der Schrift: de legione II. Adiutrice promovierte. Nachdem er im Februar 1896 die Staats- prüfung abgelegt hatte, leistete er am Nikolaigymnasium zu Leipzig sein Probejahr ab. Gleichzeitig war er hier sowie am Königlichen Gymnasium zu Leipzig als stellvertretender Lehrer tätig. Ostern 1897 wurde er an das Königliche Realgymnasium zu Annaberg berufen und nach 3jähriger Tätigkeit daselbst Ostern 1900 am städtischen Realgymnasium zu Leipzig angestellt. An dieser Anstalt wirkte er als ständiger Oberlehrer bis Ostern 1904 und wurde darauf an die Musterschule zu Frankfurt a. M. berufen.

²) Konrad Weidemann, geboren 1870 zu Obervorschütz im Kreise Fritzlar, erhielt seine Schulbildung auf dem Gymnasium zu Fulda. Nach Erlangung des Reifezeugnisses studierte er zu Marburg, Berlin und Bonn Geschichte, Geographie und Deutsch. Zu Marburg bestand er am 2. Au- gust 1895 das examen pro facultate docendi und wurde am 7. Oktober 1895 zum Dr. phil. promoviert. Von Herbst 1895 96 war er Mitglied des Königl. pädagogischen Seminars am Realgymnasium.(Reform- anstalt) zu Barmen, wurde dann zur Ableistung seines Probejahres dem Realgymnasium zu Elberfeld überwiesen, für die 2. Hälfte des Jahres jedoch zwecks Studiums der französischen Sprache nach Genf beurlaubt. Seit Herbst 1897 bekleidete er die Stelle eines wissenschaftlichen Hilfslehrers am Gymnasium, später am Realgymnasium zu Barmen und seit Herbst 1899 die eines Oberlehrers an der Oberrealschule zu Düsseldorf. Ostern 1904 wurde er in gleicher Eigenschaft an die Musterschule zu Frankfurt a. M. berufen.