Jahrgang 
1889
Einzelbild herunterladen

2⁵

III. Chronik der Schule.

Das Schuljahr(für die Osterabteilungen) begann den 9. April mit der Aufnahmeprüfung der in das Realgymnasium neu eintretenden Schüler und der Einführung der in die Vorschule neu aufgenommenen Knaben. Der regelmäßige Unterricht nahm am 10. April seinen Anfang. Derselbe wurde unterbrochen durch die Pfingstferien vom 19. bis 23. Mai, die Sommerferien vom 1. bis 29. Juli, die Herbstferien vom 23. September bis 7. Oktober und die Weihnachts- ferien vom 23. Dezember 1888 bis zum 6. Januar 1889, jedesmal den letzten Termin ein- geschlossen.

Die Schule blieb natürlich nicht unberührt von den schmerzlichen Ereignissen, welche das Königliche Haus und mit ihm das ganze Vaterland in Trauer versetzten. War schon der Schluß des vorigen Schuljahres durch den Tod des Kaisers Wilhelm I. aufs tiefste getrübt und das in Aussicht genommene Freudenfest am 22. März in eine Trauerfeier der Schule verwandelt worden, so vereinten sich abermals am 15. Juni, dem Todestage Kaiser Friedrichs und am 30. Juni zu dessen Gedächtnisfeier Lehrer und Schüler in der Aula, wo der Direktor den uns alle bewegenden schmerzlichen Gefühlen Ausdruck gab. Am 18. Juni, als am Begräbnistage des Kaisers Friedrich, fiel der Unterricht aus, um dem Besuche der Kirchen Raum zu geben; am 18. Oktober, dem Geburtstage des uns so schnell entrissenen Kaisers und Königs, hielt Herr Kahle bei der Schulfeier die Gedächtuisrede. Im sicheren zuversichtlichen Vertrauen jedoch auf die besonnene Festigkeit und die ernste pflichttreue Hingebung unseres jungen Kaisers Wilhelm hatten wir den Sedantag am 1. September vorfeiern dürfen und am 27. Januar konnte der Direktor den Schülern der Anstalt ein Bild der Erziehung und der eigenen Heranbildung unseres Kaisers zu der willenskräftigen Besonnenheit, die wir ihn beweisen sehen, entwerfen, indem er den ganzen Ernst der fürstlichen Aufgabe und das eifrige Streben des jungen Fürsten, ihr gerecht zu werden, darlegte. Hoffen wir, daß auch die ernsten Tage der Trauer, wie an unserm gesamten Volke, so an unsrer Jugend, nicht ohne heilsame Einwirkungen vorüber- gegangen sind.

Während des Sommerhalbjahres fanden mit Schülern aus den Klassen von IV an auf- wärts am Mittwoch Nachmittag auf dem Altaracker unter Leitung des Herrn Dr. Reinhardt, an einem andern Nachmittage im Anschlaß an die Schulstunden mit Klasse VI und V unter Leitung des Herrn Riese Turnspiele statt.(S. S. 18.)

Am 18. Mai wurde das»Maifest« begangen, indem in üblicher Weise nähere und weitere Ausflüge mit den Schülern unternommen wurden.

Am 22. und 25. Juli fiel wegen großer Hitze der Nachmittagsunterricht aus.

Am 21. August fand unter Vorsitz des Herrn Prov.-Schulrates, Geheimerat Dr. Lahmeyer, die mündliche Reifeprüfung statt.

Am 11. September unternahm Herr Dr. Reinhardt mit denjenigen Schülern, welche fleißig auf dem Altaracker die Turnspiele betrieben hatten, eine Turnfahrt.

Am 15. September fanden zum Schluß der Turnspiele auf dem Altaracker Wettspiele statt zwischen Schülern des Gymnasiums, der Musterschule, Wöhlerschule und Selektenschule, s. S. 18.

Musterschule 1889. 4