Jahrgang 
1912
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daß unsere Jungen nun auf den sehr eng gewordenen Schulhof beschränkt sind, wo das Spiel nicht nach Wunsch gedeihen kann. Der nahe liegende IIessenplatz bietet keinen rechten Ersatz.(Vgl. Verf., Frankfurt, 24. 4.) Auch unser Schulgarten hat sehr gelitten. Während des Baues erhielt er viel ungebetenen und unerwünsch- ten Besuch, und jetzt, da die Halle im Rohbau steht, raubt sie unserem Garten Licht und Sonne. Um so stärker ist das Verlangen nach gründlichem Wandel un- serer Verhältnisse.

Erfreulicher Weise hat uns das nun zu Ende gehende Schuljahr auch einige Besserungen gebracht. Flur und Treppenhaus wurden in den Sommerferien neu hergerichtet, und das Innere des Hauses bietet seitdem einen weit erfreulicheren Anblick als zuvor. Ein Klassenzimmer auf der Seite der Mittelschule wurde uns überlassen, so daß wir für katholischen Religionsunterricht, Kombinationen etc., sowie für die hoffentlich zu Ostern 1913 zu eröffnende Obersekunda einen Raum gewonnen haben. Die Mittelschule hat uns hierbei trotz ibrer eigenen höchst be- engten Raumverhältnisse ein äußerst dankenswertes Entgegenkommen bewiesen. Endlich ist nach so vielen Jahren des Harren und Sehnens der Neubau für unsere Schule beschlossen, genehmigt und begonnen worden. Zwar dürfen wir nicht hoffen, ihn schon Ostern 1913 beziehen zu können; doch wird der Sommer 1913 sicherlich die Vollendung bringen, sodaß wir, wenn nicht im Juli bis August, sodoch im September bis Oktober in das neue Haus werden einziehen können. Das Publikum scheint allerdings noch nicht sehr daran zu glauben, es sind der Enttäuschungen zu viele gewesen. Die Anmeldungen für Ostern 1912 sind geringer an Zahl als seit vielen Jahren. Doch mögen auch andere Gründe, besonders die ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse, die Erhöhung des Schulgeldes für die Vorklassen(die auch schon in den Vorjahren ihren Einfluß geübt hatte), die Neuordnung des Mittelschulwesens hier mitgewirkt haben. Jedenfalls sehen wir, seit der Neubau begonnen ist, mit neuer Hoffnung in die Zukunft, die uns endlich geordnete Ver- hältnisse und den Ausbau zur Vollanstalt bringen soll.

Noch etwas Erfreuliches darf ich erwähnen. Nach jahrelanger rastloser Ar- beit hat unser Kollege Herr Prof. Dr. F. Bothe ein Werk vollender und veröffent- licht, das für den Geschichtsunterricht unserer Vaterstadt von hoher Bedeutung ist. ¹) Er war so freundlich im Vorwort zu erwähnen, daß durch diese Arbeit auch ein Wunsch verwirklicht wird, den ich seit langen Jahren gehegt habe. Nach meiner Ueberzeugung sollte aller Unterricht, soweit dies nur irgend möglich ist, von der Heimat ausgehen und immer wieder zu ihr zurückkehren, da hier allein die sicheren Maßstäbe zu gewinnen sind, deren wir bedürfen, um das Fremde, Ent- legene, Ungewohnte, Altes wie Neues, richtig zu begreifen und zu beurteilen. Die wohlerwogene, geschickt und sachkundig durchgeführte und vollendete Arbeit, die sich auch äußerlich sehr schmuck und gefällig darbietet, bedeutet einen erheblichen Fortschritt für unseren ganzen Geschichtsunterricht.

¹) F. Bothe,Aus Frankfurts Sage und Geschichte. In einem Bande 6.50 M. In zwei Bänden: I. Band: Für 9 12 jährige; II. Band: Für ältere. In 5 Heften: 1. Frankfurter Sagen. 0.80 M. 2. Aus Frankfurts Geschichte. 1.20 M. 3. Von der Steinzeit bis zum Ende des Mittelalters. 1.40 M. 4. Von der Reformation bis zur Verfassungsreform(1732). 1.20 M. 5. Von der Verfassungsreform bis zur Gegenwart. 1.80 M.