Jahrgang 
1909
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Eltern in den Zeugnissen, Büchern, Heften u. s. w. etwas auffällt; dagegen sind schriftliche Bemerkungen der Eltern in Zeugnissen und Heften nicht am Platze. Wir haben früher unseren Schülern gestattet, daß sie während der Pausen in einem Laden der Nachbarschaft Brötchen u. a. kauften, wenn sie von Hause nichts zum Frühstück mitgebracht hatten und dies dem Lehrer meldeten. Leider haben uns unangenehme Erfahrungen genötigt diese Erlaubnis zurückzuziehen. Von nun an wird keinem Schüler gestattet, während der Pause den Schulhof zu verlassen. Jeder soll von Hause mitbringen, was er nötig hat.

Wir bitten die Eltern dringend, dafür Sorge zu tragen, daß ihre Kinder vor dem Verlassen des elterlichen Hauses ordentlich essen und trinken und sich nach Bedarf noch etwas zum Frühstück mitnehmen. Leckereien sind unzulässig. Sorgfältige Kontrolle seitens der Eltern ist ratsam. Viele Schüler behandeln das Frühstück, das ihnen mitgegeben wird, in der nachlässigsten Weise, sodaß sich an ihren Plätzen, in den Bänken, in den Klassenzimmern, auf dem Flur und den Treppen, auf dem Schulhof u. s. w. Speisereste in Menge finden, die immer wieder aufgesammelt werden müssen. Zur Bekämpfung dieses UÜbelstandes bedürfen wir dringend der Mithilfe des Elternhauses.

In der 10 Uhr-Pause können die Schüler beim Schuldiener ein Glas warme Milch erhalten. Die Eltern tun aber gut, falls sie ihren Kindern hierzu Erlaub- nis erteilen, genau zu beachten, ob das Geld auch wirklich zu diesem Zweck verwandt wird. Der Schuldiener quittiert schriftlich gegen monatliche Zahlung. Die Schüler legen am letzten des Monats die Rechnung vor, die am besten sofort durch die Eltern oder deren Vertreter berichtigt wird.

10) Wir bitten zugleich dringend, darauf zu achten, daß alle Sachen, die

Ihr Sohn mit in die Schule bringt(Bücher, Hefte, Zeichenutensilien, Turn- schuhe, Mütze, Hut, Schirm, Mantel, UÜberschuhe u. s. w.), deutlich mit seinem Namen gezeichnet sind, damit die Schule genau kontrollieren und ev. Klagen und Beschwerden über verlorene oder gar entwendete Sachen besser verfolgen kann.

11)Ein Buch hat oft einen Menschen auf seine ganze Lebenszeit gebildet oder ver-

dorben.Ü In Erinnerung an dieses ernste Wort Herders hält es die Schule für ihre Pflicht, auf die Unterhaltungslektüre der ihr anvertrauten Jugend ein wachsames Auge zu richten. Deshalb legt sie auf sorgfältige Auswahl der für die Schülerbibliothek bestimmten Bücher das größte Gewicht und erhebt ihre warnende Stimme vor Gefahren, welche infolge schlechter Lektüre der Jugend drohen.

Neuerdings macht sich nun in den Schaufenstern einer großen Anzahl von Papiergeschäften, Zigarrenläden, Kolportagebuchhandlungen und in Zeitungs- ständen eine umfangreiche Schundliteratur breit: Nick Carter, Sherlock Holmes, Nat Pinkerton, Ethel King, Kapitän Morgan, Buffalo Bill, Texas Jack, Dumme Jungen-Streiche u. ä.

Durch Inhalt, Ausstattung und Preis stellt sich diese verwerfliche Literatur als eine unheildrohende Gefahr für unsere Jugend dar. Der Inhalt ist auf- regend, abenteuerlich und oft pikant; die geschilderten Abenteuer sprechen aller Wirklichkeit Hohn und rauben den unverständigen Lesern den Sinn für die tatsächlichen Verhältnisse des Lebens. An der unnatürlichen Darstellung wird dann die jugendliche Phantasie in zügelloser Weise entzündet, es erwacht die verderbliche Neigung, auch solche wagehalsige Streifzüge zu unternehmen, zu Kampf und Streit, sowie auf Raub auszuziehen und als kühne Helden Ruhm und