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schlossen, da bat er mich dem Abschied fern bleiben zu dürfen, da er seiner Selbstbeherrschung nicht so sicher sei, wenn den Schülern gesagt werde, er scheide nun von ihnen. In Wirklichkeit ist er weder von Schülern noch von den Lehrern so ganz geschieden. In jeder Woche dürfen wir ihn ein-, meist mehrmals in unserer Mitte begrüßen. Dann kommt er, um sich die muntere Schaar der Jungen anzusehen, und was etwa für neues Blut da ist. Ein paar Stündchen sitzt er auf dem alten Sessel und hält prüfende Nachschau, ob auch alles geht, wie es gehen soll, ordnet und vergleicht und gibt Auskunft über alte Schüler, frühere Vorkommnisse, Präzedenzfälle u. dergl. m. Wenn er da zum Rechten ge- sehen hat und wieder gegangen ist, hat man das beruhigende Gefühl, der Kontakt mit der guten alten Zeit sei noch nicht verloren, und wir stehen nach wie vor unter guter Obhut. Möge es noch lange so bleiben!
Die Vertretung für Herrn Fries während des Sommerhalbjahres übernahm in der Mehrzahl der Stunden Herr Mittelschullehrer Chr. Simon. Herr Simon war früher in Köln tätig und hatte während der letzten zwei Semester pädagogischen und anderen Studien an der Universität Jena obgelegen. Dort hatte er u. a. auch der Frage des Handfertigkeitsunter- richts sein Interesse zugewendet und übernahm nun bei uns u. a. Modellier- und Hobelstunden. Ferner übernahm er die Leitung des Chors und die Mehrzahl der Gesangstunden in Sexta und Quinta. Ebenso war er eifrig beim Jugendspiel mit tätig. Als dann im Herbst Herr Fries in den Ruhe- stand trat, rückte Herr Simon in seine Stelle ein.
Herr Dr. Rumpf verblieb während des Sommerhalbjahres als Probe- kandidat an unserer Schule, der auch Herr Otto Franz als solcher über- wiesen wurde. Zwei, nicht einmal voll beschäftigte Probekandidaten, das war ein Novum für uns.
Eine weitere Anderung erfolgte, indem Herr Pfarrer Bott infolge von UÜberhäufung mit Amtsgeschäften seine Religionstunden bis auf zwei, die er noch bis zum Herbst beibehielt, an Herrn Kaplan Weidner abtrat. Im Herbst übernahm Herr Weidner auch diese letzten beiden Stunden, und Herr Pfarrer Bott schied so aus unserem Kreise, nachdem er eine Reihe von Jahren bei uns(nebst Herrn Fries) den katholischen Religionsunterricht geleitet hatte. Herr Pfarrer Bott hat stets im besten Einvernehmen mit uns gewirkt, und wir haben sein Scheiden aufrichtig bedauert.„
So brachte der Anfang des neuen Schuljahres mancherlei Anderungen, an die wir uns zu gewöhnen hatten. Erfreulicher Weise ist es mit den neuen Dingen und Personen recht gut gegangen.
An der Enthüllung des Bismarckdenkmals nahm auch eine Ab- ordnung unserer Schule unter Führung des Herrn Dr. Breuer teil.
Nachmittags hitzefrei. Der Sommer mit seiner ungleichen, aber oft sehr heißen Witterung brachte einen so häufigen Ausfall von Stunden, wie er seit vielen Jahren nicht vorgekommen sein dürfte. Es waren noch hitzefrei: Der Nachmittag des 1. Juni, die letzte Vormittagsstunde und der Nachmittag des 3. und 4. Juni, der Nachmittag des 5., 16. und 18. Juni, die letzte Vormittagsstunde und der Nachmittag des 19. und 20. Juni, der Nachmittag des 25. Juni, die letzte Vormittagsstunde und der Nach- mittag des 26. Juni, der Nachmittag des 29. Juni, die letzte Vormittags-


