Jahrgang 
1913
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Bramarbas) in der Uebersetzung des früheren Direktors des Joachimsthal'schen Gymnasiums zu Berlin, Herrn Geheimrat Dr. Bardt, zur Aufführung. An zwei Tagen der Weihnachtsferien wurde diese Aufführung in der Aula des Lessing-Gymnasiums zugunsten unserer Unterstützungskasse wiederholt. Die Hauptrollen lagen in den Händen der Herren Dr. Hans Geisow(Pyrgopolinices), cand. phil. Erust Majer-Leonhard(Sceledrus und Acro- teleutium), Dr. Willo Uhl(Palästrio), stud. med. Karl Zimmerschied(Philocomasium), stud. med. Fritz Euler (Periplekomenus), stud. theol. Ernst Neubauer(Artotrogus und Pleusicles), stud. phil. Rudi Börsch(Lurcio) und des Abiturienten Georg Plettung(Milphidippa). Es wurde außerordentlich flott und munter gespielt, und die Aufführung, die einen recht bedeutenden Reinertrag brachte, fand bei dem Publikum reichen Beifall. Wir danken auch an dieser Stelle allen Mitspielern von Herzen dafür, daß sie in so hilfreicher Weise ihre Kraft in den Dienst ihrer alten Schule gestellt haben. Zu besonderem Danke sind wir Herrn cand. phil. Majer-Leonhard verpflichtet, der alle Vorbereitungen getroffen hatte, die Regie führte, selbst zwei Rollen übernahm und in unermüdlicher Weise tätig war. Auch Herrn Geheimrat Dr. Bardt sprechen wir für die freundlichst gegebene Erlaubnis, das Stück in seiner UÜbersetzung aufzuführen, den ergebensten Dank aus.

Das Weihnachtsfest wurde am 19. Dezember unter Deklamation, Gesang und anderen musikalischen Vorträgen begangen. Das Orchester war unter Leitung des Herrn Oberlehrers Dr. Burkhardt wieder autfgelebt. Eine Neuerung war der Vortrag eines Märchens von Heinrich Seidel durch einen Oberprimaner.

Bei der Kaisergeburtstagsfeier hielt Herr Oberlehrer Dr. Franke die Ansprache; sie galt der Erinnerung an die Zeit vor 100 Jahren und behandelte das ThemaSchleiermacher als patriotischer Prediger in den Jahren 1806 bis 1813*. Der Redner schilderte Schleiermachers glühenden Patriotismus, seine tiefe Abneigung gegen den schwächlichen Weltbürgersinn seiner Zeit und seine hohe, von Kant über- nommene Auffassung vom Werte des Individuums, das in der Erfüllung seiner Pflicht gegen jede Form von menschlicher Gemeinschaft, vor allem gegen den Staat, seine Lebensbetätigung findet. So predigte er 1806 nach Jenaüber die Benutzung der öffentlichen Unglücksfälle, in der Neujahrspredigt 1807 über das ThemaWas wir fürchten sollen und was nicht, eine Predigt voll Leben und Willensenergie; so bestieg er nach dem Frieden von Tilsit, der kein Friede sein konnte, die Kanzel, und sein Thema warder heilsame Rat, zu haben als hätten wir nicht; noch kühner und todesmutiger lautete seine PredigtVon der Beharrlichkeit gegen das umdrängende Böse. Er war ein eifriger Förderer und Verteidiger des Reformwerkes Steins, wie er es in der grobzügigen Predigt überFriedrich den Großen am 24. Januar 1808 aussprach, den eine ohnmächtige Zeit zurücksehnte, während in Stein der Mann schon da war, der sein Werk erhalten und fortsetzen sollte. Und mit leuchtendem Beispiel ging er 1813 als Patriot voran, wenn er als Redakteur desPreußischen Korrespondenten für eine energische Fortsetzung des Befreiungswerkes eintrat oder selbst als Landsturmmann 1813 für die Verteidigung der Hauptstadt die Waffen ergriff. In dieser umfassenden Wirksamkeit als Prediger und Professor an der Universität, als Mitglied der Sektion für Unterricht und als Redakteur, durch Schrift und Wort, schürte Schleiermacher den Geist, der 1813 das ganze Volk ergriff und leitete. Die Gesänge und die vorgetragenen Gedichte waren so gewählt, daß sie uns in die große Zeit vor 100 Jahren zurückversetzten. Demselben Zwecke diente die Verlesung des Briefes VYorks an König Friedrich Wilhelm III. vom 3. Januar 1813 und einiger Stellen aus Ernst Moritz ArndtsKatechismus für den deutschen Kriegs- und Wehrmann durch zwei Unterprimaner. Die Kaiserprämie, Bohrdt,Deutsche Schiffahrt, erhielt der Untersekundaner Johannes Schrepfer, das uns als Geschenk der Verlagsbuchhandlung zugewiesene Exemplar von BüchmannsGeflügelten Worten der Oberprimaner Georg Plettung.

Am 10. März findet die Gedenkfeier an die vaterländische Erhebung statt; an demselben Tage werden die Abiturienten entlassen. Das Programm der Feier findet sich auf der letzten Seite.

3. Prüfungen.

Die Michaelis-Reifeprüfung fand am 19. September statt. 2 Oberprimaner hatten sich gemeldet und bestanden die Prüfung. Den Vorsitz führte Herr Geheimer Regierungsrat Dr. Kaiser; Herr Justizrat Dr. Bruck vertrat das Kuratorium.

Zu Ostern hatten sich 20 Oberprimaner gemeldet, die am 21. und 22. Februar sämtlich die Prüfung bestanden, 6 unter Befreiung von der mündlichen Prüfung. Den Vorsitz führte am ersten Tage Herr Geheimer Regierungsrat Dr. Kaiser, am zweiten der Direktor, während das Kuratorium wiederum durch Herrn Justizrat Dr. Bruck vertreten wurde.

Das Zeugnis für den Einjährig-Freiwilligendienst erhielten Ostern 1912 35 Schüler, Michaelis keiner. Davon sind zu einem praktischen Beruf übergegangen 7 Schüler.