Jahrgang 
1913
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Klassen um sich, um ihnen einen einführenden Vortrag in die vom Kunstverein veranstaltete Ausstellung von Gemälden französischer Meister des 19. Jahrhunderts zu geben.

Am 29. November sprach Herr Missionar Gsell vor den evangelischen Schülern der Klassen I bis V unter Vorführung von zahlreichen ausgezeichneten Lichtbildern in sehr anschaulicher und auch für die kleinen Schüler verständlichen Weise über seine persönlichen Erlebnisse in der Kolonie Togo.

Von Oster-Abiturienten 1913 sind freie Arbeiten über folgende Themen eingereicht worden: Die Bedeutung Speners nach seiner SchriftPia desideria; Moritz von Sachsen in seinem Verhältnis zu Karl V. als sächsischer Landesfürst und deutscher Reichsfürst; Der schwarze Tod in der Mitte des 14. Jahrhunderts; Adam Elsheimer, ein Frankfurter Künstler; Der deutsche Landsknecht in der Volksdichtung seiner Zeit; Der Gedanken- gang in PlatonsEuthyphron; Der Gedankengang in PlatonsLaches; Kubische Gleichungen; Das Beleuchtungs- wesen; Die Vererbung erworbener Eigenschaften auf Grundlage neuerer Forschungen und Experimente; Neuere transformistische Theorien auf paläontologischer Grundlage; UÜber geologisch-paläontologische Schulsammlungen.

Der stenographische Unterricht wurde in derselben Weise wie früher, nämlich durch Schüler, in drei Gruppen nach dem System Stoltze-Schrey erteilt. Die freiwillige Turnriege hielt im Winter regelmäßig am Freitag unter zahlreicher Beteiligung ihre Ubungen ab. Die Leitung übernahmen freiwillig mehrere Herren des Kollegiums im Wechsel.

2. Schulfeste.

Die herkömmlichen Frühlingsausflüge der Klassen fanden am 30. April statt.

Am 18. August wurde, in diesem Jahre zum zehnten Male, unter Leitung des Herrn Professors Michelis das Schwimmfest gefeiert. Zahlreiche Preise waren gestiftet, aus der Baierstiftung, vom Verein Ehemaliger Lessing-Gymnasiasten, von Lehrern und Freunden. Die Meisterschaft erwarb Herbert Herxheimer(I!). Bei dem Wettschwimmen der höheren Lenranstalten, das am 31. August von dem hiesigen Ersten Schwimmklub veranstaltet wurde, errang unsere Mannschaft wieder wie im vorigen Jahre den zweiten Preis.

Am 19. August war Seine Majestät der Kaiser in Frankfurt anwesend zur Einweihung des Osthafens. Die Klassen von Prima bis Quarta beteiligten sich an der Spalierbildung; die Ruderer nahmen an der von den Rudervereinen veranstalteten Auffahrt auf dem Main teil.

Die Sedanfeier hatten wir wieder wie in früheren Jahren in der Form eines Turnfestes auf der waldumschlossenen Rennbahn am Oberforsthaus abhalten wollen; aber strömender Regen vereitelte unser Vor- haben und nõtigte uns, die Schüler, die sich bereits versammelt hatten, wieder nach Hause zu schicken. Das Wettturnen wurde in den folgenden Wochen gelegentlich klassenweise veranstaltet; darauf versammelte der Direktor in einer Pause die Schüler im Hofe und verteilte die Preise. Den Schülern Will Weber I1, Karl Fischer I2b und Ernst Rümelin I2 b, welche die ersten Preise errangen, konnten wieder Bücher aus der Baier- Stiftung überreicht werden.

Aus der Mitte der Schüler heraus erging an den Direktor die Bitte, für die nationale Flugspende eine Sammlung zu veranstalten, die gern genehmigt wurde und eine beträchtliche Summe ergab.

Am Dienstag, den 24. und Mittwoch, den 25. September fand unter Führung der Herren Professor Dr. Jungblut, Professor Michelis, Oberlehrer Dr. Franke, Gymnasiallehrer Reil und des Direktors eine z weitägige Turnfahrt der drei oberen Klassen statt. Als Ziel hatten wir, wie vor fünf Jahren, die Schlachtfelder von Weißenburg und Wörth gewählt. Am Tage vorher hatte der Direktor einen vorbereitenden Vortrag über den Verlauf der beiden Schlachten gehalten. Bis Weißenburg benutzten wir die Eisenbahn; an der sogenannten Turkomauer begannen wir unsern Weg, erstiegen den Geisberg und schauten die dort stehenden Denkmäler, marschierten dann über den Scherhohlpaß nach Limbach, bestiegen hier die Bahn und kamen noch früh genug in Wörth au, um zum Kaiser Friedrich-Denkmal hinaufzusteigen, von wo aus uns Herr Professor Michelis den Gang der Schlacht erläuterte. Der Abend wurde in fröhlichem Zusammensein zugebracht, wobei wir der Großtaten der Väter gedachten, aber auch manche scherzhafte Aufführung geboten wurde. Tags darauf, an einem klaren und herrlichen Morgen, wanderten wir über das Schlachtfeld, zuerst nach Fröschweiler, dann nach Elsaßhausen und darauf bis Morsbronn, von Gedenkstein zu Gedenkstein, unvergeßliche Eindrücke sammelnd. Gegen 2 Uhr bestiegen wir wieder den Zug und fuhren bis Neustadt an der Hardt, wo wir noch Zeit hatten, die durch das Hambacher Fest geschichtlich gewordene Maxburg zu besteigen.

Der Verein Ehemaliger Lessing-Gymnasiasten veranstaltete am letzten Tage des Sommer- semesters wiederum einen Gymnasiastenball und brachte dabei die Komödie von PlautusMiles gloriosus(Der