Jahrgang 
1912
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Bei der Feier des Sedanfestes war uns die Witterung diesmal günstiger als im Jahre vorher. Nachdem wir mit Musik nach dem Rennplatz am Oberforsthaus gezogen waren, hielt Herr Professor Michelis die Ansprache; er ging von einer Schilderung der Zustände, die vor hundert Jahren herrschten, und von der Persönlichkeit Karls von Clausewitz aus und knüpfte daran ernste Mahnungen an unsre Jugend. Es folgte ein Wettturnen. Sodann wurden vom Direktor die Preise verteilt; Willi Weber I, erhielt den ersten, Karl Weins- heimer I, den zweiten Preis; diese beiden, sowie Josef Schrötter Ii und Ernst Rümelin II, erhielten Bücher- prämien aus der Baier-Stiftung.

Am 27. und 29. September fand nach dreijähriger Pause wieder eine musikalisch-dramatische Aufführung statt. Heinrich von KleistsPrinz von Homburg wurde dargestellt. Die Einstudierung hatte Herr Dr. Ingo Krauß, Mitglied des hiesigen Schauspielhauses, übernommen; das Schülerorchester leitete Herr Ludwig Keiper. Der unermüdlichen, von reicher Sachkenntnis und großem pädagogischem Geschick getragenen Tätigkeit dieser beiden Herren verdanken wir es in erster Linie, daß die Aufführung recht wohl gelang; daneben darf der hingebende Eifer und die freudige Begeisterung, welche die Mitspielenden zeigten, rühmend anerkannt werden. Die Hauptrollen hatten: Frauz Bitterich I.(Prinz von Homburg); Georg Plettung I, (Kurfürst); Otto Schaumann I.(Kottwitz); Walter Roth Ii(Graf Hohenzollern); Rudolf Schwab II(Kurfürstin); Werner Thormann I.(Prinzessin Natalie); Rudolf Börsch Ii(Feldmarschall Dörfling). Zu Beginn und in den Pausen spielte das Orchester, an welchem sich Schüler von Oberprima bis Quarta und auch zwei frühere Schüler, Herr stud. jur. Bromm und Herr stud. phil. Mack, beteiligten, einen Marsch von Lachner,Wilhelmus von Nassauen und zwei Stücke von Komzak. Unser früherer Schüler, Herr stud. theol. René Wallau, erfreute uns durch mehrere Violinstücke; Wilhelm Kreß II, spielte mit Begleitung des Orchesters eine Romanze von Golter- mann. Den Prolog hatte Werner Thormann I. gedichtet; er wurde von Theodor Thomas I gesprochen. Nach Schluß der zweiten Aufführung versammelten sich die Schüler der drei oberen Klassen mit mehreren Lehrern und einer Anzabl früherer Schüler zu einem gemütlichen Zusammensein in einem hiesigen Restaurant; die Feier wurde zugleich zu einer Abschiedsfeier für Herrn Professor Dr. Schönemann. Am Tage darauf fand, veranstaltet von den beiden Vereinen alter Schüler, in der Loge Karl am Mozartplatz der Städtische Gymnasiastenball statt, an dem sich zahlreiche Schüler der oberen Klassen beteiligten, und der zu allgemeiner Betriedigung verlief.

Am 28. Oktober machten diejenigen Schüler, die sich im Sommer regelmäßig an den Turnspielen beteiligt hatten, unter Führung mehrerer Lehrer, eine Turnfahrt; die 4 unteren Klassen zogen durch das Köpperner Tal nach der Saalburg, die oberen marschierten von Nauheim ab und erreichten nach längerer Wanderung dasselbe Ziel. Sämtliche Schüler wanderten darauf nach Hohemark und traten von dort die Kückfahrt an.

Unsere Weihnachtsfeier begingen wir in gewohnter Weisc am vorletzten Schultage vor den Weihnachtsferien.

Die Kaiser-Geburtstagsfeier fand diesmal bereits am 26. Januar gegen Abend statt. Die Kaiserrede hielt Herr Professor Dr. Kähler. Davon ausgehend, daß Kaiser Wilhelm II sich den obersten Grund- satz Friedrichs des Großen zu eigen gemacht hat, der erste Diener des Staates sein zu wollen, würdigte er die Persönlichkeit des großen Königs als die Verkörperung eines starken Staatsgefühls und Pflichtbewußtseins, das sich im Krieg wie im Frieden in gleich heroischer Weise bewährt und fast bis zum letzten Atemauge betätigt hat. Die zur Deklamation ausgewählten Gedichte bezogen sich ebenfalls auf die Persönlichkeit des großen Königs; auch zwei Gedichte Friedrichs wurden in gekürzter Form vorgetragen, die Ode sur la gloire und das Gedicht an seinen Freund Jordan. Die Kaiserprämie, Wislicenus,Deutsche Seemacht, erhielt der Obersekundaner Friedrich Werner. Von der von Reinhold Koser verfaßten Festschrift, die auf Befehl S. M. des Kaisers in allen Schulen verteilt wurde, waren uns 20 Exemplare zugewiesen worden, zu denen wir noch 50 hinzugekauft hatten; sie wurden nach Schluß der Feier in den Klassen würdigen Schülern überreicht.

Die zwischen dem Verein ehemaliger städtischer Gymnasiasten und dem Verein ehemaliger Lessing-Gymnasiasten geführten Verhandlungen haben inzwischen zu einer Einigung geführt; der jungere Verein ist alsSonderverein ein Teil des älteren geworden. Wir beglückwünschen die Vereine zu dieser glücklichen Lösung.

3. Prüfungen.

Die Michaelis-Reifeprüfung fand am 23. September statt. 4 Oberprimaner hatten sich gemeldet und bestanden. Den Vorsitz führte der Direktor.

Zu Ostern hatten sich 16 Oberprimaner gemeldet, welche am 8. und 9. März sämtlich bestanden, 3 unter Befreiung von der mündlichen Prüfung. Den Vorsitz führte der Direktor, das Kuratorium wurde durch Herrn Justizrat Dr. Bruck vertreten.

Das Zeugnis für den Einjährig-Freiwilligendienst erhielten Ostern 1911: 36 Schüler, Michaelis: Schüler. Davon sind zu einem praktischen Beruf abgegangen: 3 Schüler.