Jahrgang 
1912
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II. Verfügungen des Kgl. Provinzial-Schulkollegiums.

6. April. Es wird aufmerksam gemacht auf den Ministerial-Erlaß vom 21. Dezember 1910: danach darf bei Gymnasien mit Parallelklassen auf der Oberstufe in der einen Abteilung das Französische als verbindlicher, das Englische als wahlfreier, in der anderen Abteilung dagegen das Englische als verbindlicher, das Französische als wahlfreier Lehrgegenstand behandelt werden; bei Gymnasien mit einfachen Klassen dürfen auf der Oberstufe während der einen Hälfte des Schuljahres 3 Stunden Französisch und 2 Stunden Englisch, während der anderen Hälfte 2 Stunden Französisch und 3 Stunden Englisch angesetzt werden.

3. Mai.(Ministerial-Erlaß). Am 30. September 1911 soll der hundertsten Wiederkehr des Geburtstages der Kaiserin Augusta gedacht werden.

11. Mai. Mitteilung des Ministerial-Erlasses vom 12. Januar 1911 über Jugendpflege.

2. Juni.(Ministerial-Erlaß). Mitteilung von Veränderungen an der Zentral-Turnanstalt.

10. Juli.(Ministerial-Erlaß). Mitteilung eines Verzeichnisses von Werken, die für den Gesangunterricht wichtig sind.

2. August. Erlaubnis, den Unterricht bei übermäßiger Hitze auszusetzen.

22. September.(Ministerial-Erlaß vom 22. August). An allen höheren Lehranstalten ist die Dauer der Unterrichts- stunde auf 45 Minuten festzusetzen. Anträgen der Lehrerkollegien auf Zusammenlegung von 6 Lektionen auf den Vormittag ist, wo die Verhältnisse es erwünscht erscheinen lassen, zu entsprechen, wenn anzu- nehmen ist, daß die Eltern in ihrer überwiegenden Zahl keinen Widerspruch erheben werden.

15. Dezember. Ernennung des Herrn Oberlehrers Manns zum Professor.

1912. 5. Januar. Anweisung, bei der Kaiser-Geburtstagsfeier Friedrichs des Großen zu gedenken.

10. Januar. Ueberweisung der Kaiserprämie: Wislicenus' Deutsche Seemacht.

20. Januar.(Ministerial-Erlaß). Anweisung, die in einer früheren Verfügung vorgeschriebenen Atemübungen in den Pausen vorzunehmen.

III. Chronik.

l. Lehrerkollegium. Unterricht.

Im Lehrerkollegium traten mehrere bedeutsame Veränderungen ein. Zunächst wurde die durch den Weggang des Herrn Oberlehrers Schuster erledigte Stelle eines Religionslehrers an der Anstalt wieder besetzt; am 1. April 1911 trat Herr Oberlehrer Dr. Franke in das Lehrerkollegium ein.

Theodor Walter Franke, geboren am 13. Juli 1885 zu Mutschau(Kr. Weibenfels), besuchte von Ostern 1897 bis Ostern 1904 die Klosterschule zu Donndorf a. d. Unstrut und die Königl. Landesschule Pforta, studierte von 1904 bis 1907 zu München, Leipzig und Halle Theologie und Geschichte. Im Mai 1908 bestand er vor der Königl. theologischen Prüfungskommission zu Halle a. d. S. die erste theologische Prüfung, promovierte im Mai 1910 vor der philosophischen Fakultät der Universität Halle a. d. S. auf Grund einer Inauguraldissertation überQuellen und Chronologie zur Geschichte Romualds von Camaldoli im Zeitalter Ottos III.. Im Januar 1911 legte er vor der Königl. Prüfungskommission zu Halle a. d. S. die Prüfung für das Lehramt an höheren Schulen ab und im Februar 1911 die zweite theologische Prfung vor dem Königl. Konsistorium zu Magdeburg. Von Oktober 1908 bis Oktober 1910 gehörte er zur Ableistung des Seminar- und Probejahres dem Kandidatenkonfikt am Kloster Unsrer Lieben Frauen zu Magdeburg an.

Zu Michaelis verließ uns Herr Prof. Dr. Schönemann, der zum Direktor des Gymnasiums und der Realschule zu Homburg v. d. H. gewählt worden war. Wir verlieren in ihm einen Mann von tiefgehenden und ausgedehnten Kenntnissen, einen tüchtigen Philologen, dessen Interessenkreis sich aber keineswegs auf das Gebiet der alten Sprachen beschränkte, einen sehr gewissenhaften und sorgfältigen, in jeder Beziehung auf die geistige und sittliche Förderung seiner Schüler bedachten Lehrer. Die Dankbarkeit seiner Schüler fand ihren Ausdruck bei dem geselligen Beisammensein, das sich an unsere dramatische Aufführung(s. u.) anschloß; an diesem Abend richtete der Oberprimaner Werner Thormann herzliche Worte des Dankes und des Abschieds an den scheidenden Lehrer und überreichte ihm zugleich im Namen der Oberprima als Geschenk eine Nachbildung des Tischbeinschen Goethe. Am nächsten Tage, dem letzten Schultage, sprach der Direktor vor der versammelten Schulgemeinde