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Dr. Kempel. Noch nicht in Feindesland, aber im Heere sind die Herren Professor Dr. Wislicenus, Oberlehrer Dr. Auffenberg, wissenschaftlicher Hilfslehrer Zenetti, Kandidat Schieferstein. Mögen die geschätzten Mitarbeiter mit Gottes Hilfe uns alle unversehrt zur segensreichen Friedensarbeit in nicht zu langer Zeit zurück- gegeben werden!
Auch durch Krankheit der Amtsgenossen traten vielfache Störungen im Unter- richt ein. Der Direktor mußte gleich anfangs des Semesters um einen dreimonatigen Urlaub einkommen, den er aber wegen Ausbruchs des Krieges nicht voll ausnutzen konnte. Herr Professor Dr. Spenz erkrankte anfangs Juni und sollte bis zum Herbst den Unterricht aussetzen; er ließ sich aber nicht abhalten, den größten Teil seiner Stunden im August wieder aufzunehmen. Herr Professor Dr. Boller mußte von Ende Juni an wegen eines Augenübels fehlen und kann bis heute noch keinen Unterricht erteilen. Herr Seibel blieb von Ende Juni bis Ende August wegen einer ansteckende Krankheit in der Familie der Schule fern. Im Wintersemester mußte Herr Professor Lesser wegen einer Augenerkrankung erleichtert werden. Für die Vertretungen wurden im ersten Quartal Herr Dr. Sondheimer und Herr Dr. Sauer, cand. prob. an der Muster- schule, herangezogen. Nach Ausbruch des Krieges trat, wie schon oben erwähnt, Herr Weber mit 10 Stunden wieder in Dienst, Herr Maler Kaiser half aus, ferner die Herren Seminarkandidaten, Herr Zeichenkandidat Busch und unser früherer Schüler stud. chem. English, der die Chemie in der IIza übernahm. Während einer längeren Erkrankung des Herrn Zorbach trat Frau Euckerals Hilfe ein. Kürzere Erkrankungen und Verhinderungen der Herren Kollegen mußten meist durch Zusammenlegungen gedeckt werden. Allen denen, die die Aufrechterhaltung des Unterrichts durch ihre aufopfernde Mitarbeit und Mehrarbeit ermöglicht haben, sei der herzlichste Dank gesagt.
Der Gesundheitszustand der Schüler war ein recht befriedigender. Nur im letzten Monat mufte der Unterricht in der untersten Vorschulklasse wegen auftre- tender Mumps auf 8 Tage geschlossen werden.
Von den erwachsenen Schülern sind bisher 27 Oberprimaner, 3 Unterprimaner (Karl Morgenstern, Christian Römer, Hermann Schäfer), 4 Obersekundaner(Karl Ernst Ippen, Wilhelm Krutsch, Jakob Rauch, Rudolf Schmitt) und 3 Unter- sekundaner(Hermann Kress, Wilhelm Rex, Rudolf Wiedow) in das Heer ein- getreten. Viele der jungen Kriegsfreiwilligen haben in blutigem Ringen vor dem Feind gestanden, in Frankreich, Polen und den Karpathen, mancher ist verwundet worden; leider haben auch bereits drei unserer lieben Abiturienten ihr Leben für das Vaterland gelassen. Seit dem 30. Oktober werden Karl Fensterer und Georg Diehl, die bei Lille den Engländern gegenüber standen, vermißt. Am 8. Februar ist Hermann Farnung, der auch zuerst in Frankreich bei Lille, dann in Polen und schließlich in den Karpathen gekämpft hat, gefallen. Alle drei waren sehr wackere Schüler; sie gehörten zu den Besten in jeder Beziehung. Ganz besonders zeichnete sich Farnung durch seine Leistungen in der Schule aus. Seine Tüchtigkeit hat er auch vor dem Feinde bewährt, so daß er zum Unteroffizier befördert und mit dem eisernen Kreuze geschmückt werden konnte.
Ehre den tapferen Helden!


