Jahrgang 
1912
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Revisionen, Besuche. Prüfungen.

Lehrer- kolleginm.

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Im Anschluß an die Revision des Königlichen Pädagogischen Seminars be- suchte der Dezernent unserer Anstalt, Herr Geheimrat Dr. Kaiser, am 7. Februar den Unterricht verschiedener Herren und gab im Anschluß daran wertvolle metho- dische Anregungen, vor allem auch in Bezug auf den Extemporaleerlaß.

Mit Genehmigung des Herrn Ministers wohnten verschiedene auswärtige Schulmänner dem Unterricht in einzelnen Fächern bei: im Mai Herr Gymnasial- lehrer Dr. Sig. Thor aus Skien(Norwegen), im Juni Mr. Russel Hall Allen aus Brooklyn, im Februar Mr. Seargent von der Tonbridge School in Cambridge. Auber- dem war es Herrn Oberlehrer Fladung aus Schlüchtern gestattet, nach den Herbst- ferien im mathematischen uud naturwissenschaftlichen Unterricht der Unter- und Mittelklassen zu hospitieren.

Eine Reifeprüfung fand im Herbst nicht statt. Zu der Prüfung am Oster- termine hatten sich 32 Schüler der Oberprima gemeldet. Die schriftliche Prüfung fand vom 5. 9. Februar statt. Die mündliche Prüfung wurde unter dem Vorsitz des zum Königl. Kommissar ernannten Direktors am 7. und 8. März abgehalten. 31 Schülern konnte die Reife zugesprochen werden, davon 15 Schülern unter Befreiung von der mündlichen Prüfung. Ein Schüler war vor der mündlichen Prüfung zurückgetreten.

Durch Verfügung des Königl. Provinzial-Schulkollegiums vom 24. August 1911 wurde der Anstalt Herr Kurt Scherzberg zur Prüfung der Reife für Prima zuge- wiesen. Es war der Prüfungskommission eine Freude, dem strebsamen jungen Manne die Reife zusprechen zu können, der ohne Lehrer aus eigener Kraft seine auf der Volksschule erworbenen Kenntnisse erweitert hatte.

Hatten wir schon in früheren Jahren unter der Ungunst der gesundheitlichen Verhältnisse im Kollegium zu leiden, so wurden wir in diesem Jahre ganz besonders schwer getroffen.

Allerdings konnten wir mit Beginn des Schuljahres unsern lieben Kollegen Herrn Prof. Dr. Knieß, der mit verminderter Stundenzahl seine Tätigkeit aufnahm, wieder begrüßen; aber Herr Prof. Dr. Vetter, der schon seit dreiviertel Jahren dem Unterricht fernbleiben mußte, war unheilbar erkrankt. Nicht die Kunst der Krate, nicht die aufopfernde Pflege der treuen Gattin konnten das harte Geschick abwenden; am 6. Mai mittags hauchte der liebe Kollege seine unsterbliche Seele aus. In ihm hat die Schule einen ihrer treuesten und erfolgreichsten Mitarbeiter verloren. Ein edler Mensch, mit einem Herzen rein wie Gold, von einer echten, tiefen Frömmigkeit, die sein ganzes Tun und Handeln bestimmte, zuverlässig und gewissenhaft bis in das Kleinste, war er eine in jeder Beziehung vorbildliche Lehrerpersönlichkeit. Eine um- fassende wissenschaftliche Bildung, die er bis zuletzt zu vertiefen und zu ergänzen suchte, aufrichtige Liebe zur Jugend und nie ermüdender Fleiß, wo es galt, die Schüler zu fördern, sicherten ihm überall hohe Achtung und Verehrung. Fast 30 Jahre lang hatte er seine treuen Dienste der Klingerschule gewidmet und über den Tod hinaus noch der Anstalt gedacht. Wohl wissend, daß sein Ende nahe bevorstehe, hat er mit fester Hand am 21. April festgesetzt, daß der Klinger-Oberrealschule 200 Mk. als bescheidener Grundstock zu einem Reisestipendium für ihre Schüler überwiesen