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Einen wesentlichen Fortschritt hat die Schule mit Beginn des Wintersemesters 1892/93 zu ver- zeichnen in der Trennung der Unter- von der Oberprima, wodurch einem dringenden Bedürfnis abgeholfen worden ist. Wir können nicht umhin, auch an dieser Stelle den städtischen Behörden für ihr Entgegen- kommen aufrichtigen und wärmsten Dank zu sagen.
Der wissenschaftliche Hilfslehrer Herr Gleim kehrte Ostern 1892 von einem sechsmonatlichen Kursus an der Königlichen Turnlehrerbildungsanstalt an die Klingerschule zurück, wurde aber zu Anfang Dezember v. Js. von Königlichem Provinzial-Schulkollegium als Hilfslehrer an das Gymnasium zu Marburg berufen. Die Herren Presber und Diehl blieben auch im verflossenen Jahre als wissenschaftliche Hilfs- lehrer, der erstere mit voller Stundenzahl, der letztere im Sommer mit 18, im Winter mit 7 Stunden beschäftigt.
Der Gesundheitszustand im Kollegium war im abgelaufenen Jahre nicht ungünstig; nur Herr Geistl. Rath Bernhard war auch im verflossenen Jahre nicht in der Lage, seinen Unterricht wieder auf- zunehmen und wurde in dankenswerter Weise von Herrn Kaplan Fuchs vertreten.
Am 7. Mäàrz erlitt das Kollegium einen schmerzlichen Verlust durch den Tod eines seiner ältesten und treuesten Mitarbeiter, des verehrten Oberlehrers Herrn Heinrich Gottwerth. Es sei gestattet, an dieser Stelle den kurzen Nachruf wiederzugeben, den der Unterzeichnete am Grabe im Namen des Kollegiums sprach:
„Wieder stehen wir vor einem offenen Grabe; es ist innerhalb der drei letzten Jahre der dritte Verlust, den wir im Kollegium beklagen. Und wie erschütternd ist hier der Tod unter uns getreten und hat einen der mit Recht verehrtesten, geliebtesten aus unserer Mitte gerissen. Wohl sahen wir in den letzten Monaten nur zu deutlich, dafs unser geschiedener Freund nicht mehr der frühere, rüstige Mann war, der der mächtigen, knorrigen, wetterharten Eiche, die er so gerne im Walde aufsuchte, vergleichbar, gegen jeden Sturm gefeit schien; eine sichtliche Wandlung war in seinem ganzen äussern Erscheinen eingetreten, die uns die Befürchtung nahe legte, dals er im innersten Marke getroffen sei. Aber keiner von uns hätte geglaubt, dals die Trennung so bald, so plötzlich eintreten werde. Heute vor 8 Tagen noch hat er, zum letzten Male und mit dem Aufgebote seiner ganzen Willenskraft wider die zunehmende körperliche Schwäche, seiner amtlichen Pflicht genügt. Die tückische Krankheit, die ihn erfaſst hatte, zwang ihn auf das Lager, von dem er sich nicht mehr erheben sollte. So ist er dahingegangen, wie er gelebt, ein Vorbild treuester Pflichterfüllung bis zum Letzten. Denn Treue, sie sprach aus jedem Blick, aus jedem Wort, aus jeder Handlung des biederen, schlichten Mannes, und so war er auch treu seiner Pflicht, bis die Kraft versagte.
Wer ihn gesehen im Verkehr mit der Jugend, als Lehrer und Freund, wie er väterlich für sie besorgt war in der Schule, auf dem Spielplatze und nicht zum mindesten auf Spazier- gängen im Wald, seinem Lieblingsaufenthalt, der wird die Verehrung, die Liebe begreifen, die ihm entgegen gebracht wurde, die ihm in das Grab folgt.
So mõge sein Andenken in und unter uns fortleben als Vorblild treuester Pflichterfüllung, so mõöge es uns anspornen ihm nachzueifern, ihm und uns zur Ehre, der Schule zum Segen! Dir aber, Du treuer Mann, sei die Erde leicht! Ruhe sanft!“
Auch unter unserer zahlreichen Schülerschar haben wir einen doppelten Verlust zu beklagen. Zwei brave, viel versprechende Schüler der Vorklassen wurden ihren Angehôrigen und der Schule durch den Tod entrissen: Theodor Maeder am 28. Mârz, Wilhelm Franz am 19. Mai vorigen Jahres. Unsere wärmste Teilnahme ist mit den trauernden Familien.


