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Der Sedantag wurde auch im verflossenen Schuljahre durch ein Probe-Turnen mehrerer Klassen, durch eine Ansprache des Unterzeichneten über die Bedeutung des Tages, sowie durch patriotische Ge- sänge des Schüler-Chores gefeiert.
Im Lehrer-Kollegium sind unter den definitiv angestellten Mitgliedern Veränderungen nicht vorgekommen. Die Herren Garthe und Gleim, Candidaten des höheren Schulamts, wurden durch Ver- fügung des Königl. Provinzial-Schul-Kollegiums für die Zeit vom 1. Oktober 1885 ab behufs Ableistung ihres pädagogischen Probejahrs der Klingerschule zugewiesen. Die Herren Dr. F roning und Riese blieben nach Beendigung ihres Probejahres auch im Wintersemester noch im Lehrer-Kollegium, erteilten freiwillig bezw. den geschichtlichen Unterricht in der Klasse M. IIIi und den geographischen in O. V und über- nahmen für längere Dauer die teilweise Vertretung erkrankter Lehrer. Leider war dieses während des verflossenen Schuljahrs hinsichtlich zweier Kollegen in erheblichem Umfange erforderlich. Schon am 7. Mai 1885 wurde Herr Kreidel auf das Krankenlager darniedergeworfen und konnte in der Folge seinen Unterricht nicht wieder aufnehmen, so daſs er sich leider genöthigt sah, seine Versetzung in den Ruhestand zu beantragen. Die Schule verliert an ihm eine Lehrkraft, welche sich eine lange Reihe von Jahren mit vollster Hingebung und günstigstem Erfolge ihrer Berufsthätigkeit gewidmet hat. Die dankbare Erinnerung seiner Kollegen und seiner Schüler wird ihn in seinen Ruhestand begleiten. Möchte derselbe ihm eine Wiederherstellung der lang entbehrten Gesundheit bringen!
Ferner muſste Herr Margraf wegen seines Gesundheitszustandes wiederholt und auf längere Dauer vertreten werden im April 1885 für die ganze erste Schulwoche, im Mai an 2 Tagen, dann vom 25. August 1885 bis zum 13. Januar 1886. Leider war auch das Befinden des Unterzeichneten während des verflossenen Schuljahrs mehrfach kein recht befriedigendes und der Ausübung seines Berufes hinder- lich; auch im Unterrichte mufste derselbe wiederholt, zusammen an 10 Tagen vertreten werden. Auch das Befinden einer gröfseren Zahl der übrigen Kollegen war, wenn auch nur vorübergehend an einzelnen oder mehreren Tagen so, dafs sie im Unterrichte vertreten werden mussten, nämlich die Herren Goedecker an 13 Tagen, Gräff an 10, Dr. Weiffenbach an 8, Dr. Gotthold an 6, Lack an 5, Rack und Müller an je 4, Hallenstein an 3, Dr. Simon, Dr. Lorey, Wilde, Dr. Vetter und Hinkel an je 2 Tagen. Herr Oberlehrer Dr. Brittner musste nach Anordnung der Sanitäts-Behörde, wegen eines in seiner Fa- milie vorgekommenen Falles ansteckender Krankheit(Masern) an 8 Schultagen dem Unterrichte fern bleiben. In allen Fällen wurde die Vertretung durch die übrigen Kollegen, sowie die Herren Kandidaten Dr. Froning, Riese, Garthe und Gleim, zuweilen mit nicht geringen Opfern an Zeit und Kraft, bereit- willigst übernommen. Für den katholischen Religionslehrer Herrn Direktor Bernhard trat auch in diesem Schuljahre, soweit es die Schonung seiner Gesundheit erforderlich machte, Herr Kaplan Ehrlich mit dankenswerther Bereitwilligkeit ein.
Der Gesundheitszustand der Schüler war im Ganzen genommen ein befriedigender. Bis auf eine etwas gröſsere Zahl von Erkrankungen an Mumps in der Vorschule, haben ansteckende Kinderkrankheiten sich nur vereinzelt bemerkbar gemacht und den regelmäſsigen Gang des Unterrichts nicht gestört. Leider haben wir auch in diesem Jahre den Tod eines kleinen Vorschülers zu beklagen. Jakob Maull, Schüler der ersten Michaelis-Vorschulklasse, der schon an Gelenk-Rheumatismus gelitten hatte und seitdem kränklich geblieben war, starb an einer Rippenfellentzündung gegen Ende der Sommerferien. Moge den von diesem Verluste schwer betroffenen Eltern der rechte Trost zu Teil werden.


