Jahrgang 
1879
Einzelbild herunterladen

34

Von dieſen Schülern wollen Chriſtian Becker, Emil Lemmé und Guſtav Süs vorerſt in die Ober⸗ prima der Klingerſchule eintreten, die übrigen aber ſich dem Handelsſtande widmen.

2. Oberklaſſe der höheren Gewerbeſchule.

. Die im Sommerſemeſter 1878 noch vorhandenen 14 Schüler der höheren Gewerbeſchule hatten ſich ſämmtlich für Michaelis zur Abgangsprüfung gemeldet und wurden zu derſelben zugelaſſen. Die ſchriftliche Prüfung fand am 3., 4., 5., 6 und 7. September ſtatt. Die Themata waren:

1. Deutſcher Aufſatz:

Die Sonne als Urquelle alles Lebens und der Bewegung auf Erden.

2. Franzöſiſches Exercitium:.

Der Dauphin Karl, damals 19 Jahre alt, hatte ſogleich nach ſeines Vaters Tod den Titel König angenommen und reſidirte mit der Königin Maria von Anjou, ſeiner Frau, in Bourges. Die Armagnacs betrachteten damals Karl VII. als ihr Haupt und das Volk, deſſen Gedächtnis noch voll war von den ſchrecklichen Ausſchreitungen dieſer Partei, zögerte anfangs ſich zu Gunſten des jungen Fürſten zu erklären, welchen ſeine Feinde unter dem Namen des kleinen Königs von Bourges bezeichneten. Die Soldaten ſeiner Armee waren der Mehrzahl nach Ausländer, wie diejenigen Heinrichs des Sechſten, ſeine Armee war aus Schotten oder unbändigen Gaskognern zuſammengeſetzt, welche lange Zeit Unterthanen Englands geweſen waren; ſein Connétable ſelbſt war ein Schotte, und der von dieſen wilden Menſchen umgebene König ſchien lange Zeit hindurch ebenſo wenig Intereſſe an dem Erfolge ſeiner eigenen Sache zu nehmen, als das Volk. Nachdem aber ſeine Truppen zweimal von den Engländern geſchlagen worden waren und ſein Connétable gefallen war, begriff Karl die Nothwendigkeit, um jeden Preis mächtige Stützen zu erwerben. Er warf die Augen auf den berühmten Richemont, den Bruder des Herzogs von der Bretagne, und bot ihm den Degen eines Connétable an. Richemont nahm an, aber nur unter der Bedingung, daß die Armagnacs vom Hofe gejagt würden. Tanneguy Duchaͤtel, der mächtigſte und der ſchuldigſte(denn er war es, der den Herzog Johann ohne Furcht erſchlagen hatte) entfernte ſich zuerſt.

3. Engliſches Exercitium:

Im Jahre 1546 ward Frieden zwiſchen Frankreich und England geſchloſſen und es ward ausge⸗ macht, daß Boulogne, welches tapfer gegen alle die Verſuche, die Franz gemacht hatte, es wieder zu ge⸗ winnen, vertheidigt worden war, in dem Beſitze der Engländer für die Dauer von acht Jahren verbleiben ſollte, nach welcher Zeit es an Frankreich gegen Zahlung einer gewiſſen Summe Geldes zurückgegeben werden ſollte. Um dieſelbe Zeit ward auch Frieden mit Schottland gemacht, und da Heinrich nun nicht länger von auswärtigen Feinden beläſtigt war, ſo hatte er um ſo mehr Zeit ſeine eigenen Unterthanen zu quälen. Da er verlangte, daß die Nation ſeine Meinung zur Richtſchnur für ihren Glauben machen ſolle, und da er dieſe Meinung beſtändig wechſelte, ſo war es für ſeine Unterthanen kaum möglich zu wiſſen, wie ſie mit heiler Haut durch alle die Schwierigkeiten hindurchkommen ſollten, welche ſeine tyran⸗ niſche Laune ihnen in den Weg legte. Viele wurden hingerichtet, weil ſie ſeine kirchliche Suprematie leugneten. Gegen das Ende ſeines Lebens ward er waſſerſüchtig und arg gequält von Geſchwüren in den Beinen, was ihn außer Stand ſetzte zu gehen und ihn ſo wüthend machte, daß Jedermann ſich fürchtete ihm nahe zu kommen. Selbſt die Königin, obgleich ſie ſeine aufmerkſamſte Pflegerin war und ſeine Wunden jeden Tag eigenhändig verband, entging nur mit knapper Noth der Gefahr, des Hochver⸗ raths angeklagt zu werden, weil ſie ihm eines Tages in einem Geſpräche über religiöſe Dinge mißfallen hatte.