— 24—
Mitten in den Sommerferien, am 17. Juli(DI Har 2) schied unser allver- ehrter Rabbiner, Herr Dr. Salomon Breuer»'m, aus dieser Zeitlichkeit. Er hat eine lange Reihe von Jahren hindurch die Schüler und Schülerinnen unserer Abgangsklassen in regelmäßig sich wiederholenden weihevollen Wochenstunden mit dem Geiste der jüdischen Gesetzeslehre bekannt gemacht, und es war ihm beschieden, in den empfäng- lichen Gemütern unserer Jugend nachhaltige Begeisterung für die jüdischen Ideale zu ent- flammen und zu steigern. Wie einem großen Teile der Schülerschaft war auch dem Unterzeichneten, der die Ferien in weiter Ferne zubrachte, zu seinem schmerzlichen Bedauern die persönliche Teilnahme an dem Begräbnis leider versagt. In seiner Ver⸗ tretung würdigte Herr Studienrat Dr. Lange als einer der vielen Redner bei der Leichenfeier, die Montag, den 19. luli(282 y), unter ausserordentlich zahl- reicher Beteiligung weiter Kreise in unserer Gemeindesynagoge an der Friedberger Anlage abgehalten wurde, die unvergänglichen, hohen Verdienste des feuren Verblichenen um die religiöse Belehrung und sittliche Festigung unserer jugend. Bei der Wiederaufnahme der Schularbeit nach den Ferien am 3. August führte der Unterzeichnete der Schul- gemeinde die Schwere des Verlustes, den sie wie die Gesamtjudenheit durch den Heim- gang dieser geistigen Größe erlitten hat, vor die Seele in einer kurzen Gedächtnisrede folgenden Wortlautfes:
Liebe Schiiler und Schülerinnen! Während wir sonst nach dem ausgiebigen Genusse erholungsreicher Ferienwochen in fröhlicher Stimmung uns hier wieder zusam- menfinden durften, müssen wir heute, ehe wir frischen Mutes an die Fortsetzung unserer Schularbeit herantreten, in tiefer Wehmut des herben Verlustes gedenken, den wir alle durch den Heimgang eines Mannes erlitten haben, der uns wie ein treusorgender Vater nahe gestanden hat. eyb en„“e ye d ee e e, unser Herr nur Führer, unser Lehrer, unser weit über das Weichbild unserer Stadt hinaus hoch- verehrter Rabbiner Dr. Salomon Breuer hat nach einem reich gesegneten, über das Mass des biblischen Alters ausgedehnten irdischen Leben sein tatenreiches Erdenwallen abge- schlossen und ist aus unserer Mitte am pS Dad hinübergeschlummert Bνε Sye„in die Welt der reinen Wahrheit.“ Leider ist es nicht allen von uns beschieden gewesen, teilzunehmen an der eindrucksvollen Feier, die seiner Beerdigung voraufgegangen ist, und ihm die letzte Ehre zu erweisen. Darum gibt die gesamte Schule heute ihrem auf- richtigen Schmerze um den Verlust unseres geistigen Oberhauptes Ausdruck, indem sie mit dem Propheten †οον in den Klageruf ausbricht: v⁸8— dy r„gefallen von unserem Haupte ist die Krone unserer Gemeinde.“
Mehr al sieben Jahrzehnte sind seit der Begründung der lsraelitischen Reli- gionsgesellschaft vergangen, und während dieser langen Reihe von Jahren hat sie nur zwei Rabbiner an ihrer Spitze gesehen, die ungefähr gleich lang ihres verantwortungs- schweren Amtes gewaltet haben. Aber nicht bloss der Zeit nach haben diese ausgezeich- neten Männer sich gleichmässig in der schwierigen Aufgabe geteilt, erfolgreiche Führer einer der ersten jüdischen Gemeinden der Diaspora zu sein, deren Ansehen nach innen und aussen zu mehren und das Schwergewicht ihrer Bedeutung und ihres Einflusses zu festigen und zu erhöhen; auch hinsichtlich des Umfanges ihrer Amtstätigkeit kann gesagt werden, dass der zweite Rabbiner unserer Gemeinde zur glücklichen Vollendung


