9
Frankfurter Schuldienſt 36 Jahre ihres Lebens, darunter 31 Jahre an der Humboldtſchule, widmen konnte. Sie war ſtets nach Kräften um das Wohl der ihrer Obhut anvertrauten Schülerinnen bemüht, die ſie vor allem zu tüchtigen Menſchen zu erziehen ſuchte. Ihr heiteres natürliches Weſen hat ſie darin aufs beſte unterſtützt und ihr die Freundſchaft ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewonnen, die ſie ungern aus ihrem Kreiſe ſcheiden ſehen und von Herzen wünſchen, daß ihr Alter, ſoweit Gott will, von gar zu ſchwerem Ungemach und trüben Stunden verſchont werde.
Im Hinblick auf die großen Veränderungen im Lehrkörper, die der Jahresbericht des vorigen Schuljahres aufzählt, hätten wir wohl erwarten können, daß unſere Anſtalt in dieſem Jahre von neuen Umwälzungen im Unterrichtsplan verſchont bleiben würde; durch den Krieg aber ſind nach und nach ſolche Anderungen eingetreten, wie wohl in keinem anderen Jahre vorher. Gleich beim Ausbruch der Feindſeligkeiten verließ uns die engliſche Lehramtsaſſiſtentin Fräulein M. Smith, die uns zu Oſtern wohl zur Bekräftigung der zwiſchen Deutſchland und England beſtehenden guten Beziehungen überwieſen war, um in ihre Heimat zurückzukehren. Sie nahm ſicher den Eindruck mit ſich, daß man ſich in Deutſchland nicht vor dem Kriege fürchte.
Gleichzeitig wurden Herr Oberlehrer Staudenmaier und der ordentliche Lehrer Herr Freſe zur Fahne einberufen. Einige Tage ſpäter folgte ihnen Herr Profeſſor Ratzel, um im Sanitätsdienſte dem Vaterlande zu dienen, und in der hellen Begeiſterung der erſten Kriegswoche Herr Profeſſor Bethge, der ſich freiwillig zur Verfügung der Militärbehörde geſtellt hatte und eine Feſtungskompagnie übernahm. Einige Wochen darnach trat Herr Oberlehrer Dr. Traub beim Landſturmbataillon ein, kurz vor den Herbſtferien Herr Muſiklehrer Hofmann und in den Herbſt— ferien Herr Direktor Dr. Horn, der ſich trotz ſeines für einen Feldzug verhältnismäßig hohen Alters ſofort zur Verfügung geſtellt hatte und die 3. Kompagnie des Landſturmbataillons Darmſtadt erhielt, und Herr Zeichenlehrer Gerhard, der ebenfalls zum Landſturmbataillon Darmſtadt kam. Damit waren im ganzen 8 von den 12 männlichen Mitgliedern des Lehrkörpers eingezogen, für die Erſatz gefunden werden mußte. Ein ſolcher bot ſich uns zunächſt in Frau Oberlehrer Dr. Sommerlatt und Frau Oberlehrer Dr. Perdiſch, die ehrenamtlich den Unterricht für Herrn Profeſſor Ratzel und Herrn Freſe übernahmen. Für Herrn Profeſſor Bethge und Oberlehrer Dr. Traub traten Fräulein G. Kraker und Fräulein M. Traisbach ein, für Herrn Hofmann Herr Muſiklehrer Bauer und für Herrn Gerhard die Malerin Fräulein Ermel, die uns ſchon wiederholt bereit⸗ willigſt unterſtützt hatte. Für Herrn Oberlehrer Dr. Traub übernahm bis Weihnachten auch Herr Pfarrer Groenhoff einige Stunden. Auch die uns im Oktober zur Ableiſtung eines Probejahres überwieſene Kandidatin Fräulein Dr. E. Ante konnte mit zur Vertretung herangezogen werden. Zunächſt wurde der Unterricht mit dieſen Hilfskräften bis zu den Herbſtferien, wenn auch lückenhaft, weitergeführt. Nach den Ferien wurde uns für die Stunden des Herrn Oberlehrer Staudenmaier, die bisher Herr Oberlehrer Dr. Voll mit den entſprechenden Stunden der Parallelklaſſen zuſammen gegeben hatte, der wiſſenſchaftliche Hilfslehrer Herr Ernſt überwieſen. Dann aber wurde durch Beſchäftigung des Herrn Profeſſor Dr. Ellmer, der vom 15. Oktober bis Anfang November Herrn Direktor Dr. Horn vertreten hatte, im militäriſchen Kontrolldienſt die Vertretung noch ſchwieriger. Dazu mußte Frau Dr. Perdiſch infolge der Verwundung ihres Mannes den Unterricht aufgeben, und ſo ließ ſich ohne eine neue Hilfskraft der lehrplanmäßige Unterricht nicht mehr durchführen. Dieſe fand ſich in der Lehramtsbewerberin Fräulein E. Seipp, die die Klaſſe des Herrn Freſe übernahm und ſeither neben einigen anderen Stunden weitergeführt hat. Die Leitung der Amts⸗ geſchäfte des Direktors ging auf den Unterzeichneten über. Der Fortgang des Unterrichts konnte aber nur dadurch ermöglicht werden, daß die Stunden der Parallelklaſſen zum großen Teil zuſammen⸗


