Jahrgang 
1930
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28. März: Lichtbildvorträge über die Studienfahrten der UIIa, Ullb, OIIIa.

9. April: Entlassung der Abiturienten: I. Chor: Nun ist die schöne Frühlingszeit. 2. Gedicht: Mach dich auf von Reinick. 3. Chor: Wächterlied von Bruch. 4. Gedichte: a) Arbeit von Weber, b) Sonn' entgegen von Flaischlen. 5. Abschiedsrede des Abiturienten Tetzlaw. 6. Chor: Aus der Jugendèzeit. 7. Ansprache des Direktors. 8. Chor: Abschiedslied von Mendelssohn.

2. Ansprache des Direkfors zur Entlassung der Abiturienten: Unsere Arbeit in der Schule.

Von Arbeit und Erlebnis in unserer Schule sprach unser Abiturient Tetzlaw in seiner Abschiedsrede, die mit den Worten aus Goethes Iphigenie wie in ein Bekenntnis und einen Mahnruf ausklang: Uns gebe die Erinnerung schöner Zeit

Zu frischem Heldenlaufe neue Kraft.

Die Götter brauchen manchen guten Mann

Zu ihrem Dienst auf dieser weiten Erde.

Sie haben noch auf dich gezählt.

Jugendliches Bekenntnis im Geiste unserer klassischen Dichtung ist nicht Alltägliches in unserer Zeit. Vor einigen Wochen las ich in der Zeitung den Bericht über einen öffentlichen Redewettkampf, den die Oberklassen einer hiesigen Oberrealschule im Festsaal ihrer Schule veranstaltet hatten. Klassi- sche Literatur oder moderne Literatur in der Schule war der Leitgedanke, um den gekämpft und über den zuletzt abgestimmt wurde. Die einen, es war eine winzige Minderheit der Schüler, sprachen und stimmten für die klassische Literatur, die vom Streben erfüllt sei nach dem wahrhaft Guten und wahrhaft Schönen, nach idealen Zielen, die hoch über uns liegen. Die anderen in überwältigender Mehrheit bekannten sich zur modernen Literatur mit ihrem Wirklichkeitsgehalt, der in der Lebens- erfahrung und in den gesellschaftlichen Nöten und Kämpfen unserer Zeit begründet Ssei.

Die Jugend äußert hier eine eigene Auffassung über Mittel und Wege ihrer Schulbildung, und diese Auffassung ist anderswo von erfahrenen Jugendbildnern noch viel schärfer zum Ausdruck gebracht worden. Man hat auf Grund von Erfahrungen besonders mit der Großstadtjugend nichts Geringeres behauptet, als daß es heute fast nicht mehr möglich sei, die Schätze der deutschen Literatur überhaupt unserer Jugend zu vermitteln, weil sie für alle Romantik und alle geschichtlichen Werte jeden Sinn verloren habe und jeden Zusammenhang mit der Vergangenheit verneine. Man glaubt wohl auch, daß gerade die Oberrealschule mit ihren mathematisch-naturwissenschaftlichen Kernfächern dieser Auf- fassung am meisten entgegenkomme.

Was hat die Schule geben sollen und geben können für das, was wir Bildung und Reife nennen? Das ist eine Frage, die Ihnen, liebe Abiturienten, am Ende Ihrer Schulzeit nahe liegt. Es ist eine Frage, die uns hinweist nicht nur auf das Wesen der Bildung, sondern auch auf den Wandel der Bildungs- ziele, auf den Wandel der Kultur und schließlich auf den Wandel im Wesen der Menschen selbst, der mit den wechselnden Kulturbedürfnissen und Bildungszielen eng zusammenhängt.

Es gab eine Zeit des humanistischen Denkens und Strebens, wo die einzigartige Kultur des Altertums, die Verkörperung der reinen Menschlichkeit, als Grundlage aller Kultur und als Ziel aller höheren Bildung erfaßt wurde. Es kam eine Zeit des deutschen Idealismus, wo das Sinnen und Denken unserer großen deutschen Dichter und Denker dem deutschen Leben Sinn und Kichtung gaben. Es ist eine Zeit der neuen Sachlichkeit gekommen, die Zeit der geraden Linie und des flachen Daches, wo das Leben und Streben der Menschen vom technischen Denken, von Kino und Radio, von Sport und Körperkultur beherrscht werden.

Jede Zeit hat ihre besondere Kulturform gehabt, und kommende Zeiten werden neue Kulturformen haben. Auch wir leben heute in einer besonderen Kulturform, und die Bildungsideale der heutigen Schule müssen ihr entsprechen, wenn die gebildeten Menschen sich gegenseitig verstehen und in der Welt und im Leben der Gegenwart sich zurechtfinden sollen.

Hat nun die Schule heute noch das Recht und die Möglichkeit, in erster Linie den Schülern die Sprachen, die Literatur und das Leben des Altertums zu übermitteln, um ihren Geist daran zu bilden, um Fähigkeiten und Fertigkeiten für das Leben der Gegenwart daraus zu entwickeln? Oder kann die Schule heute im wesentlichen sich damit begnügen, unsere Schüler auf die Höhe der Kultur zu führen, die in unserer deutschen klassischen Dichtung zum Ausdruck gekommen ist, um von dieser Höhe aus das Gegenwartsleben zu überschauen und zu begreifen? Oder soll die Schule ihre Schüler mitten hineinführen in das lebende Getriebe unserer Zeit, in ihr Hasten und Drängen nach Werten, die nütz- lich sind, in ihren Kampf ums Dasein, in ihr Ringen um moderne Lebensfragen?

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