Jahrgang 
1929
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13. November: Elternbesprechungen in den Klassen. Anschließend Lichtbildvorträge der Unterprimaner über ihre Studienfahrt. Siehe Seite 24.

24. November: Schubertfeier: 1. Chöre: a) Heilig, heilig, b) Wohin soll ich mich wenden? 2. Impromptu in Des-Dur(Weller UIla). 3. Lieder: a) Erlkönig. b) Ungeduld(Faller Ula). 4. Ansprache des Herrn Oberstudien- rat Dr. Richter. 5. Orchester: H-Moll-Sinfonie. I. Satz.

21. Dezember: Weihnachtsfeier: 1. Orchester: Musik aus Hänsel und Gretel von Humperdinck. 2. Gedicht: Win terfahrt(Porth V). 3. Orchester: Schlittenfahrt von Leopold Mozart. 4. WeihnachtsspielWas Knecht Rupprecht erlebte. 5. D-Dur-Klavierkonzert von Haydn(Meyer Olla). 6. Verteilung von Weihnachtsgaben und Sport- preisen. 7. Chöre: a) Zu Bethlehem geboren, b) Freu dich, Erde und Sternenzelt. 8. A-Moll-Violinkonzert von Bach(Faller Ula). 9. Gemeinsamer Gesang: Stille Nacht.

22. Januar: Lessingfeier: 1. Chor: Die Himmel rühmen. 2. Vorlesung aus Lessings Werken(Löwenstein Ola). 3. Rede des Herrn Studienrat Dr. König. 4. Chor: Morgengesang von Mozart.

23. Februar: In den Klassen wurde des Volkstrauertages gedacht.

27. und 28. Februar: Mündliche Reifeprüfung.

11. März: Elternbesprechungen in den Klassen.

23. März: Winterfest im Zoologischen Garten: 1. Schülerchor und-orchester: Das Lied von der Glocke von Schiller. Musik von Andreas Romberg(Gesang: Faller Ula, Rezitation: Licht UIb). 2. Turnerische Vorführun- gen. 3. Fastnachtsspiele von Hans Sachs: a) Der fahrende Schüler im Paradeis, b) der tote Mann. 4. Tanz. 27. März: Entlassung der Abiturienten: 1. Chor: Nun ist die schöne Frühlingszeit. 2. Deklamation: Ostersonntag aus Faust(Kuch UIb). 3. Chor: Tausend fleißge Hände regen von Romberg. 4. Deklamation: Deutsche Art von Robert Reinick(Schmidt VI). 5. Rede des Abiturienten Baumeister: Die Treue ist das Mark der Ehre. 6. Solo- gesang mit Chor: Herein, herein, Gesellen alle(Faller Ula). 7. Deklamation: Polonius an seinen Sohn Laertes aus Shakespeares Hamlet(Müller Ula). 8. Ansprache des Direktors. 9. Abschiedslied von Mendelssohn.

2. Ansprache des Direktors zur Entlassung der Abiturienten: Die neue Jugend.

Wir hören von einem neuen Geist in unserer Jugend, der die alte Welt neu gestalten will. Kampf hat er an- gesagt dem, was besteht, und gelockert und gelöst scheinen zwischen Alt und Jung die Bande der Ehrfurcht und der Liebe. Bine neue Jugend will im stürmischen Drang nach eigener Lebenserfahrung und nach neuen Le benszielen sich losreißen aus den Bahnen der Entwicklung und Erziehung, die sich nach alter Sitte und Ge wohnheit geregelt haben.

Vor wenigen Tagen stand am Eingang unseres Schulhauses ein junger fremder Mensch mit einem Pack be druckter Zettel, die er an unsere Schüler vom Sextaner bis zum Primaner verteilte. Es waren Einladungen zu einer Versammlung eines sogenannten Schülerbundes, der nach Angabe des Zettels einen Kampf führt um Besserung und Aenderung der höheren Schule.Schülerselbstmorde und das heutige Schulsystem' lautete das grausige Thema, das auf der Versammlung besprochen werden sollte. Vor anderen höheren Schulen sind wahr scheinlich die gleichen Zettel verteilt worden. Unsere Schüler brachten sie uns. Ich weiß nicht, ob einer von ihnen zu der Versammlung gegangen ist. Wir haben keinen danach gefragt. Wir können bei den allermeisten unserer Schüler noch auf den gesunden Sinn der Jugend vertrauen, der sie vor Verirrung und Verwirrung bewahrt.

Aber es ist nicht überall so. In Zeitungen sogar haben im vergangenen Jahre sich Schüler vernehmen lassen, die als neue Jugend das Recht forderten, nach eigener Erfahrung und nach eigenem Plane ihre Entwicklung und ihre Zukunft selbst zu gestalten. Wieweit sie dabei dennoch unter einem bannenden Einfluß und einer planmäßigen Leitung von außen stehen, läßt sich im einzelnen nicht entscheiden. Unversöhnliche Absage klingt aus den jugendlichen Zeitungsstimmen heraus, wenn ein Oberprimaner schreibt:Jeh klage die Gesamtheit der Menschen an zwischen 30 70 Jahren, euch, die ihr aus eurem Maßstabe heraus Jugend seht und sehen wollt, die ihr uns eure Jugend aufzwingen wollt, die ihr uns unbedingt zu Normen-Menschen machen wollt. Unsere Jugend gehört uns und nicht euch mit euren erdachten Problemen. Wollt ihr wirkliche Jugend, so laßt uns allein, wollt ihr wahre Menschen, so laßt uns mit unseren Problemen selbst fertig werden. Ein anmaßendes, bitteres Urteil spricht ein anderer aus:Wir haben andere Anschauungen über Moral als unsere Väter, aber sie sind sicher gesünder; unsere Väter wollen, daß wir ihre Fehler erben. Und in selbstüberheblicher Zuversicht ruft ein 18jähriger den Erwachsenen zu:Laßt uns in Frieden! Wir sind in einer Zeit aufgewachsen, in der ein Staat nutzlos und haltlos zusammenbrach. Laßt uns allein sehen, wie wir unsere Jugend retten aus den Trüm mern, die ihr uns zurückgelassen habt. Ihr habt uns den Ernst des Lebens zu früh gezeigt, aber wir haben nun Verantwortungsbewußtsein. Wir machen keine Dummheiten. Fürchtet keine schwärmerisch-idealen Toll- kühnheiten oder abnorme Ausschreitungen von uns, sondern vertraut unserer Vernunft und unseren allzu frühen und Schlechten Erfahrungen. Wir müssen allein fertig werden, laßt uns in Ruhe.

So läßt die laute Jugend ihren Kampfruf in die Welt hinausschallen. So geht es auch im stillen von Mund zu Mund im Freundeskreis, im Jugendbund, in der Schule, im Vaterhaus, und eine tiefe Kluft scheint sich aufzutun zwischen Alt und Jung, zwischen Lehrer und Schüler, zwischen Vater und Sohn.

Wir kennen den Kummer des älteren Freundes, die Sorge des Lehrers, den Schmerz des Vaters, der über diese Kluft hinweg den Weg nicht findet zum Verständnis der Jugend. Wir ahnen und schauen aber auch eine wirk liche Not der Jugend, die vor einer solchen Kluft steht, einer Jugend, die nicht irregeführt wird von außen, sondern aus der Tiefe ihres Wesens heraus einen inneren Kampf offenbart in ihrem stürmischen Drängen und verzweifelnden Ringen, ihrer flammenden und flackernden Begeisterung und ihrer abweisenden Weltverach- tung, in ihrem Widerspruch und ihrem Trotz gegen alles Ueberlieferte und Bestehende.

Wer aber die Jugendentwicklung unserer großen Männer kennt, der weiß, daß da oft der Sturm, der in der Jugend am tollsten brauste, auf dem Gipfel der männlichen Reife zur höchsten, Stetig gestaltenden Geistes-

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